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Liebe gute Weihnachtsfee

Liebe gute Weihnachtsfee

 

Wie jedes Jahr ist die Zeit am Ende des Jahres besonders knapp. Die vier Lichter leuchten allesamt schneller als gedacht  und die Uhren scheinen es im Advent besonders eilig zu haben. Da war und ist trotz der besten Vorsätze, sich dieses Jahr nicht in Hektik und Weihnachtsstress auflösen zu wollen, ein wenig Weihnachtsdekoration zu platzieren (mit Kindern sollte es natürlich ein wenig mehr sein, denn ganze Berge von Kugeln, Glocken und Lichtern begeistern), da waren Schuhe zu putzen und zu befüllen, Füllbares musste besorgt werden, ein Weihnachtsbaum wurde ausgesucht und in diesen störrischen Ständer gesteckt, da gab und gibt es eine Unmenge von Weihnachtsfeiern egal ob Krippe, Kindergarten oder Schule, und auch hier braucht es wichtelige Dinge, die man vorher auswählte und irgendwie kaufen musste. Dazu wurden Plätzchen gebacken, denn schließlich gehört das einfach zu Weihnachten, und der Weihnachtsmarkt rief zwischendurch  – mit Kindern und ja, einmal haben wir es auch für knappe 1,5 Stunden ohne kleine Begleitung geschafft (dass wir ein wenig müde und kränklich am Glühwein standen, konnte unsere Freude nur minimal schmälern).

Obendrein ist der Dezember aber auch der Monat für die doch recht komplizierten Familienabstimmungen. Wer kommt zu wem? Welcher Besuch wann? Ohne Geschenk? Mit Geschenk. Mit welchem Geschenk? Kaffeetrinken? Abendbrot? Mittagessen? Ente? Pute? Wild?

Das sind eindeutig mehr Fragen als in jedem anderen Monat und mehr Erledigungen als in normalen anderen Wochen. Kein Wunder also, wenn man sich bereits vor dem Fest ein wenig nach Couch, Walking Dead und Rotwein sehnt.  Aber was die Kleinen können, dürfen auch die Großen probieren: Wünschen.

 

Liebe gute Weihnachtsfee,

(die ich mir sehr klein mit zerzaustem Haar in türkises Samt gehüllt vorstelle)

Weihnachtsmann SchokoladeDieses Jahr möchte auch ich mir etwas wünschen und ich entschuldige mich, wenn es ein wenig mehr wird. Aber wenn der alt ehrwürdige Mann im roten Mantel sich der Kinder annimmt, vielleicht kannst Du ja die anderen und mich übernehmen? Ich danke Dir im Voraus und fange dann mal mit meiner Wunschliste an:

Gesundheit für alle

Ich möchte nicht zum Kinderarzt und auch nicht zur Notfallambulanz. Gern würde ich die Feiertage ohne das Wechseln der Bettwäsche, ohne gebrochenen Arm oder undefinierbaren Ausschlag überstehen. Auch Fieber, Ohrenschmerzen und Bindehautentzündung sollten einen weiten Bogen um unser Zuhause machen.

Entspannte Kinder

Ja, es gibt Tage, die fangen früh schon desaströs an und zumeist enden sie dann auch so. Das Kind ist mit dem falschen Fuß aufgestanden, die Laune ist im Keller. Beim kleinsten Anlass wird geweint oder gebockt, manchmal auch beides zusammen, was besonders erfreulich ist, wenn die Großmutter am Tisch sitzt und missbilligend den Kopf schüttelt. Wenn also dieses Jahr solch emotionale Talfahrten ausblieben, wäre ich sehr erleichtert.

Beruhigter Besuch

Wenn ich schon von den entspannten Kindern rede, steht natürlich gleich nebenan der Besuch selbst. Wie können die Mäuse gelassen sein und in sich ruhen, wenn der Besuch wie angestochen durchs Zimmer rennt? Ein wilder, aufgeregter Haufen, der vielleicht noch so manch emotionalen Ballast im Säckchen hat und diesen, bitte, nicht rausholen solle. Also keine Vorwürfe, keine Wut, keine Trauer, kein Neid, kein verletztes Ehrgefühl, keine Missgunst oder ähnlich schwere Brocken, die die Diskussion entfachen und mich beschwörend zur Tür blicken lassen.

Reduzierte Ansprüche

Das hört sich jetzt so nach Luxus und Prinzessin an, aber es appelliert an den Unperfektionismus. (Gibt es das Wort überhaupt?) Egal wie sehr ich mich bemühe, mit den Kids wird es nie wie in Hochglanz Elle Decoration aussehen. Da wird Spielzeug liegen, ein paar Sachen im Bad, einige Schuhe in der Garderobe. Das Kleinste mag das Klopapier abwickeln und der Hund mal wieder den unteren Weihnachtsbaumschmuck demolieren. Wenn ich das locker sehen kann, weil ich weiß, dass der Besuch es auch locker sieht, ginge es uns allen viel besser.

Beim Essen ist das übrigens ähnlich. Ich mag leckeren Braten, Fisch, Kuchen, Stolle und was nicht noch alles. Ich mag aber nicht, wenn sich die Erwartung nach einem grandiosen 4-Gang-Menü wie ein vereister Fels vor mir auftut, der unbezwingbar sein wird. In der Zeit, wo ich nämlich in der Küche stehe, kann ich nicht mit den Kindern spielen. Wenn wiederum der Herr der Küche, Vater meiner Kinder, stundenlang in der Küche steht, muss ich den Kindern verständlich machen, dass sie jetzt nicht knuddeln, knutschen oder was anderes mit ihm machen können. Ein wahrhaft schwieriges Unterfangen, das zuletzt kein perfektes Dinner wert ist.

Geschenke in Maßen

Geschenke sind toll, wirklich. Schleifen, Gold, Papier, Geraschel, der Moment der Freude beim Auspacken. Aber viel zu schnell werden es unbezwingbare Berge, die die Kids gar nicht mehr erfassen können und völlig sinnlos unsere Räume vollstopfen. Also mögen sich die Großväter und Großmütter, die Tanten und Onkel doch bitte an die Abmachungen halten. Ein Geschenk pro Kind. Und ein Geschenk heißt nicht ein großes Paket, wo zehn Dinge nur in eine Verpackung gestopft werden. Eins ist eins.

Schlaf

So gern würde ich lange und viel und tief schlafen. Vielleicht dürften ja auch die Kinder trotz Geschenkeaufregung ausnahmsweise später als sechs Uhr aufwachen? Das wäre fantastisch. Auch beim Mittagsschlaf wäre ich nicht abgeneigt, mich selbst noch einmal ins Federbett zu werfen, um mit einem Buch in der Hand ein Stündchen zu entgleiten. Liebe Fee, ob das wohl machbar wäre?

Und um dem Weihnachtsfest noch die Krone aufzusetzen

Schnee wäre prima

Der Schlitten steht schon seit Wochen bereit und letztes Jahr haben wir vergebens gewartet. An die Jahre zuvor kann ich mich gar nicht mehr erinnern, aber auf jeden Fall wäre eine kleine Schicht knirschende, puderzucker -ähnliche Bedeckung von Wald und Wiese eine große Freude für Auge und Gemüt.

 

So, liebe Weihnachtsfee, in unserer Küche gibt es Vanillekekse, Smarties und Kakao für Deine Mühen.  Ich freue mich sehr und hoffe, Du kannst behilflich sein.

Herzliche Grüße für Dich und alle, denen es möglicherweise ähnlich geht

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

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