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Sie sind aus Leipzig? Dann haben Sie es schwer.

Sie sind aus Leipzig? Dann haben Sie es schwer.

Eliteforscher Michael Hartmann, der sein ganzes Berufsleben der Erforschung der Elite widmete, hat die oberen Hunderttausend genauer unter die Lupe genommen. Er sagt, weder Knigge-Kurs oder Top-Schulen sind der Kernpunkt- nur eine Handvoll Vorstände besuchten diese in Wirklichkeit. Auf den meisten deutschen Elite-Schulen treffe man besonders auf Arzt- oder Anwaltskinder, das klassische Bildungsbürgertum eben. Wir gehen der Frage nach: Was zeichnet nun eigentlich die Elite der oberen Zehntausend aus?

Der Weg an die Spitze der Gesellschaft

Es ist nicht das Trimmen auf Elite, nein, Eliteschulen oder Frühförderung nützen der Vorstandsebene wenig. Bei den Aufsichtsräten sind nach wie vor meist Frauen auf der Arbeitnehmerseite. Und wenn dann doch mal Frauen eine Arbeitgeberposition einnehmen, haben sie nur selten den Vorsitz im Gremium inne. Außerdem seien es oft Unternehmenserberinnen oder Ausländerinnen, die in dieser Position in den Aufsichtsrat rücken. Das bringt für die Aufstiegschancen der Frauen hierzulande nicht viel. Ob der Weg an die Spitze einer Gesellschaft einfach oder fast unmöglich ist, sagt viel über sie aus, so Hartmann.

Geringe Chancen für Ostdeutsche

Ostdeutsche hätten es, genau wie Frauen oder Migranten, nur selten in Unternehmen nach ganz oben zu schaffen. Der Grund dafür: Spitzenmanager besetzen gerne Spitzenpositionen nach sozialer Ähnlichkeit. Ostdeutsche, Frauen und Migranten ziehen hier immer noch den Kürzeren, so Hartmann. Damit unsere Kinder in die Wirtschaftselite gelangen, können wir leider nicht viel tun. Was viele Wirtschaftsgrößen vereint, ist eben ein ganz bestimmter Habitus, so Hartmann. Das ließe sich schwer antrainieren. Das Geschäftsessen treibt vielen Nachwuchsmanagern schon mal ein paar Schweißperlen auf die Stirn, wenn es darum geht, einen Hummer elegant zu verspeisen. Wer mit solchen Situationen schon als Kind in Berührung gekommen ist, strahlt automatisch Souveränität aus und muss darüber gar nicht erst nachdenken. Es wird trotz besuchtem Knigge-Kurs Situationen geben, wo das eigene Verhalten entlarvt wird, wenn man nicht aus dem gleichen Milieu stammt. Sobald einem eben genau das angemerkt wird, hat man ein Problem.

Voraussetzungen neben westdeutsch und männlich

Ein abgeschlossenes Studium sei neben westdeutsch und männlich, eine wichtige Grundvoraussetzung. Aber auch, so Hartmann, eine sonore Stimme, ein selbstbewusstes Auftreten, eine Körpergröße über 1,80 Meter (statistisch gesehen liegen hier die Chancen viel besser). Da viele Vorstandschefs ähnlich groß sind, begegnet man sich auf Augenhöhe. Kinder, die das entsprechende Verhalten einer souveränen Außenwirkung quasi mit der Muttermilch aufgesogen haben, können eigene Schwächen locker überspielen, was Bewerber für Spitzenpositionen attraktiv wirken lässt.

Selbstbewusstsein und Interessenförderung für die Kids

Am wichtigsten ist es, den Kindern Selbstbewusstsein auf den Weg mitzugeben und sie in ihren Interessen zu fördern und zu unterstützen, so Hartmann. Disziplin ist ebenso ein wichtiger Aspekt, um später wichtige Termine einzuhalten. Michael Hartmann zum Lieblingssport Fußball vieler Kids: Auch wenn Fußball den Kids karrieretechnisch nicht viel bringt, ist es ein Sport, der in allen Schichten der Gesellschaft enorm beliebt ist und wie ein sozialer Gleichmacher wirkt. Das ist natürlich nur auf dem Spielfeld so, nach dem Spiel herrschen wieder die alten Muster. Hartmann hält nichts davon, die Stundenpläne des Nachwuchses mit täglichen Ballettstunden, Fußballtraining oder Klavierstunden vollzupacken, nur um die Chancen für einen späteren Erfolg zu optimieren.

„Viel besser ist es, einfach nach den Neigungen der Kinder zu gehen. Das liefert viel eher Erfolge – und das macht selbstbewusst.“ (Michael Hartmann)

Buchtipp:
Hartmann, Michael (2013): Soziale Ungleichheit – kein Thema für die Eliten?
1. Aufl. Campus Verlag.


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