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Warum ein kindlicher Schmatz nicht erzwungen werden kann

Kindlicher Schmatz

Körperliche Selbstbestimmung ist wichtig. Nicht erst in der Pubertät, wo man auf sein Herz und seinen Verstand hören sollte. Was will ich? Warum sollte ich tun, was andere von mir wollen? Gib es einen gruppendynamischen Zwang zu Dingen? Gibt es eine persönliche Grenze? Was will ich auf keinen Fall?

Selbstbestimmung bedeutet nach freiem Willen über sein Leben entscheiden zu können und: Selbstbestimmung führt zwingend zur Selbstverantwortung. Denn wenn man sich frei entscheiden kann, was man tut oder auch nicht, dann ist man logischerweise auch für die Folgen verantwortlich. (Wie weit die persönliche Verantwortung reicht, hängt natürlich vom persönlichen Bewusstsein ab.)

Dennoch sollte man dies auch für die Kinder berücksichtigen. Denn wenn man selbstbestimmte, verantwortungsvolle, ehrliche Kinder erziehen will, darf man nicht in jungen Jahren dem zuwider handeln.

Kinder haben oft ein klares Gespür für das was sie wollen, wen sie sympathisch finden, wieviel Nähe ihnen lieb ist. Allzu oft gehen Eltern jedoch darüber hinweg, um den „familiären Frieden“ zu wahren. Allzu oft ist die gewünschte Umarmung von der Oma, das Drücken der Tante und der dicke Schmatzer vom Onkel unangenehm und vom Kind nicht erwünscht. Aber Vertrautheit kann man nicht herzaubern oder anweisen.

Sicher erscheinen elterliche Sätze wie: „Nun drück den Opa doch mal.“ Oder „Ein Küsschen für die Tante, schau mal, sie wartet extra.“ nicht besonders dramatisch. Aber es ist kein „Zeichen von Respekt“, wenn ein Kind einen Erwachsenen küsst oder umarmt mit dem es keinen körperlichen Kontakt in der Form haben möchte. Ein Kind wird gezwungen, etwas mit seinem Körper zu machen, das es nicht möchte. Ein wenig gedankenlos fordern Eltern ihre Kinder oft dazu auf, obwohl bereits eine Weigerung vorhanden ist.

Auch im Kindesalter sollte man über Nähe selbst entscheiden können. Wen will ich umarmen? Wer bekommt einen Kuss? Wer darf mich küssen? Ein „Nein“ ist wichtig und sollte auch im Kindergartenalter respektiert werden – denn: stellen wir uns vor, wie wäre es, wenn wir als Erwachsene gezwungen wären, jemanden zu umarmen, zu herzen, den wir nicht mögen, wo die Nähe uns unangenehm ist? Kein Mensch würde hier auf die Idee kommen, jemanden zur Nähe zu verpflichten.

Diese Grundregel sollte in gleicher Weise für die Kinder gelten, kleine eigenständige Menschen mit einer ernstzunehmenden Haltung und einem Gefühl für Nähe, Distanz, Vertrautheit und einem eigenen Willen.


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