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Kolumnen

Kindermund – worauf man sich alles gefasst machen muss

Kindermund – worauf man sich alles gefasst machen muss

 

Wenn man Eltern wird, denkt man an alles Mögliche und im Kopf spielen Windeln, Möbel, Kinderzimmer, Schlaffragen, Stillsorgen und Geburtsängste Tetris. Worauf man sich aber auch vorbereiten sollte, ist die bestechende Ehrlichkeit, mit der die neuen Erdenbürger durch die Welt gehen und verblüffen. Sie machen unumwunden ihrem Ärger Luft und sagen was sie denken.

Ein Umstand an den ich mich erst einmal gewöhnen musste. Zumindest braucht es ein paar Strategien, um damit umzugehen, wenn beispielsweise die Mitreisenden ehrlich nach Körperumfängen und dicken Warzen im Gesicht befragt werden. Da versuche ich strategisch gut zu agieren und geduldig zu erklären, dass Menschen nun einmal unterschiedlich sind. Mehr kann man doch nicht tun, oder? Vor kurzem stand eine schicke Dame vor uns in der Wurstschlange – rote Lippen, blondierte Haare, etwas damenhaft gekleidet und ein wenig vornehm – als das Kind bestürzt verkündetet:

Schau mal Mama, die Oma kauft unsere Würstchen.

An der WurstthekeDarauf drehte sich Frau Madame um, das Gesicht zur Faust geballt, und erklärte meinem ein Meter Sechzehn, dass sie doch nun wirklich noch keine Oma ist. So alt ist sie ja noch lange nicht… Das Kind griff erschrocken zu meiner Hand und fragte, ehrlicherweise nicht ganz so leise: „Aber Mama, warum ist die Frau keine Oma und warum ist die so böse?“ Ich brauchte einen Moment für die perfekte Antwort. Schließlich sind Eltern nun mal keine ausgebildeten Pädagogen, Psychater und Mediatoren. Ich entschied mich für den Satz: „Schatz, die Frau will vielleicht einfach noch keine Oma sein. Das kommt später.“ Darauf das Kind (die Frau stand übrigens immer noch vor uns): „So eine böse Oma will ja gar keiner haben. Omas sind doch immer lieb…“ Mmmmmhhh – so unrecht hatte sie da nicht. Schließlich will man sich im besten Fall mit netten, angenehmen Menschen umgeben. Aber das konnte ich ja nicht laut sagen. Oder doch?

Mit dem Alter verliert man seine direkte Offenheit und versucht diplomatisch zu sein. Dabei ist die Wahrheit mitunter so hübsch verpackt, dass sie nur dezent durchleuchtet, denn wer sagt schon gerade heraus so etwas wie: „Belästigen Sie mich doch nicht mit ihrer schlechten Laune“… oder „Wenn man so böse und garstig ist, sollte man doch lieber zu Hause bleiben.“

Kinder sind mit ihren Worten hingegen so ungeschönt ehrlich und auf eine besondere Weise auch tiefsinnig, wenn es um die großen Fragen des Lebens geht. Anders ist es wohl nicht zu erklären, wenn das vierjährig Kind in den Garten kommt, wo man einen toten Vogel begräbt und auf die Frage des Geschwisterchens, was Mama denn da macht, wie selbstverständlich erklärt; „Mama pflanzt einen Vogel. Siehst Du doch.

Aber ab einem gewissen Alter wirkt Ehrlichkeit eben unhöflich. Man fühlt sich geärgert, auch wenn man tief im inneren weiß, dass das nicht die kindliche Intention ist. So stehe ich nach dem Abendbrot im Bad und das liebe Kind streichelt liebevoll über meinen Bauch bevor es begeistert verkündet: „Mama, wir bekommen noch ein Baby.“ Ggggrrrrr- ich bin nicht verärgert. „Nein, Schatz – Mama hat nur sehr viel zum Abend gegessen.“ (Schnief, schnauf – ich renn zum Flurspiegel und muss das erst einmal überprüfen, geschockt und verunsichert.)

Ja, Beleidigungen und verletzende Wahrheiten stoßen einen vor den Kopf. Dabei ist der Kardinalsfehler nur, die Aussagen persönlich zu nehmen (Wie soll ich aber eine nicht vorhandene Schwangerschaft nicht persönlich nehmen?). Kinder haben diese erwachsenen Filter noch nicht, die uns davon abhalten, total ins Fettnäpfchen zu treten. Die Mäuse sind eben noch nicht in der Lage, ihre Gefühle zu regulieren… darüber kann man oft lachen, mitunter bereitet es aber auch Missvergnügen. Schön, wenn man dann von Beispielen liest, die die gute Laune zurückbringen…

 

Kindermund tut Wahrheit kund – so oder so.

Junge (5 J.): „Du hast dicke Beine.“
Ich: „Das ist der Schlüssel in meiner Hosentasche.“
Er: „Hast du auch nen Schlüssel im Bauch?

Mama: „Boah, ich werd alt.“
Töchterchen:“ Ja, und irgendwann – plumps – bist du tot!“

„Mama, wenn ich so groß bin wie du, möchte ich auch soooolche Brüste haben wie du.“ … und hält dazu die Hände bis zum Oberschenkel.

Mirja (3) fragt, auf dem Pott sitzend: „Mama, dürfen Veganer eigentlich Würstchen kacken?“

Noah (4) stellt sich auf die Waage und fragt: „Mama, wie viel Grad hab ich?“ Die Waage zeigt 15 Kilogramm – ich sage: „15.“ Darauf Noah: „Darf ich da schon Auto fahren?“

 

Ihre/Eure Sabine Henriette Steuer

(…und danke Netmoms und bigike für manch Situationskomik)


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