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Kolumnen

Kindergarten ist vorbei, Schulkind ist der letzte Schrei

 

Kindergarten war echt schön (zumindest der letzte, den wir gegen Chaos, Tränen, wenig Hygiene und noch weniger Beschäftigung eingetauscht haben – Glück gehabt!) Man wusste was, wann, wie funktioniert, kannte Erzieher, den Tagesablauf und hatte die Freiheit mal früh zu trödeln oder eben spontan das Wochenende zu verlängern. Aber jetzt ist Schluss. Dieses „Du wirst Dich umgucken, wenn Dein Kind in die Schule geht“ startet Ende der Sommerferien und ich fühle mich beunruhigt und irgendwie selbst ein bisschen lost. Wie wird das wohl sein? Und wie bitteschön ist aus meinem kleinen rosa Baby mit den niedlichen Speckwülsten plötzlich ein Schulkind geworden?

Pluspunkt. Wir sind pünktlich und sitzen leicht angespannt im Stuhlkreis ihrer neuen Klasse. Der Herzallerliebste rollt gedankenverloren die Unterlagen, die uns freundlicherweise in einer Mappe zusammengestellt wurden. Gigantische Listen mit Arbeitsmaterialien und Anweisungen zu Krankheit, Urlaub, Abholung, Hort, Verpflegung, kommenden Elternversammlungen und Feierlichkeiten. Dazu noch die Erklärungen für die einzelnen Schulfächer und die Freiarbeit. Alles viel netter als gedacht, wirklich. So kann es also auch sein?

Mit der Schule scheint es mir ein wenig wie mit der Geburt zu sein. So viele (Grusel)Geschichten schwirren durch die Luft. Da macht man sich vorher ähnlich bereit wie bei der Entrümpelung des Kellers, rechnet mit allerlei furchtbarem Krabbelgetier und manch vermoderter Maus. Man ist besorgt, aber will es dennoch und fördert Sachen zu Tage, die nicht immer zur Freude aller Beteiligten sind.

Alles wird anders, schon klar, aber wie um alles in der Welt soll ich mir das merken? Die Eltern beäugen sich interessiert, abwartend, skeptisch. In der Mitte ein Blumenstrauß und ein Jahreszeitenring. Wie hübsch, denke ich und versuche mich bequemer auf den Ministuhl zu setzen. Ich höre zu, meistens zumindest und werde bei den Schulzeiten von dem Herren Papa in die Seite gestoßen. Jaja, ich weiß auch noch nicht wie ich es fast anderthalb Stunden früher mit mir, dem 3jährigen Zwerg und Frau Schulkind schaffen soll. Und wenn wir es bis zur Schule geschafft haben, was dann? Ob sie Freunde finden wird und es hinbekommt?

Optimismus, wird mir zugeraunt. Ich allerdings muss den Wunsch, beim Kinderfragebogen der Schule unter dem Punkt: „Was sollten wir noch von Ihrem Kind wissen?“ eine kleine mütterliche Abhandlung schreiben zu wollen, unterdrücken. Wie sollten die Lehrer denn auch erahnen, dass sie sich gern am Anfang versteckt, still beobachtet. Sie kennen nicht die Anzeigen, wenn „irgendwas im Busch“ ist, wenn sie wild auf ihren Haarzipfeln rumbeißt oder Nägel kaut. Sie wissen nicht, wie schnell sie verzweifelt, wenn etwas nicht klappt. Ermahnung vom Mann: „Sie ist ganz normal. Das musst Du nicht schreiben. Das bekommen die selbst mit.“ Ok, denke ich, aber wehe, er hat nicht Recht. Sie ist doch noch gar nicht so groß. Antwort: „Doch ist sie.“ Männer fühlen das offensichtlich anders denke ich und bin schon mal gedanklich bei der Einschulung. Wie um alles in der Welt soll ich es bloß anstellen, nicht loszuheulen? Keine Ahnung…

Ideen gegen den Heulekloß im Hals sind herzlich willkommen,

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz, die sich jetzt erst einmal mit der Ranzen-Mafia beschäftigen muss (oder warum sind die Dinger so teuer?)


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