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Kindergarten ist kein Experiment

 

Ich bin ja ein großer Freund von Vielfalt, vom Ausprobieren und Testen, von anderen Ansätzen und Konzepten, von Ideen und Wegen, die sich vielleicht jenseits der platt getretenen ein wenig am Rand befinden und auch schön sind… Aber beim Thema Kinder sollte das Experiment aufhören. Eine Betreuung ist notwendig und Kindertagesstätten sind ein riesiges Feld mit umfangreichen und anspruchsvollen Aufgaben. Ein großer Verantwortungsbereich mit einem hohen Anforderungsprofil an Organisation, Management und Pädagogik. Und eben ein Verantwortungsbereich, der das Leben der Mäuse nachhaltig bestimmen wird. Umso trauriger und dramatisch, wenn die Politik, das Land, die Stadt oder wer auch immer an entscheidungsrelevanter Stelle nicht so viel Kopf, Herz und Kompetenz hat, um das Bestmögliche zu versuchen und auf den Weg zu bringen.

Die Kindergartenzeit sollte schön sein.

Ganz einfach.
Kind sein.
Spielen.
Freunde finden.
Entdecken.
Lernen.
Spaß haben – zusammen mit den Erwachsenen.

Keine (Verzeihung) „Aufbewahrungsanstalt“ mit dauergestressten, unmotivierten, Kaffeetassen haltenden Erziehern, die so schnell kommen und gehen, dass es sich nicht lohnt, den Namen zu merken. Ja, ich weiß, das hört sich nach einem Luxusproblem an – gerade für die Eltern, die sehnsuchtsvoll auf einen Platz warten. Aber: es bricht einem auch das Herz, wenn man einen schlechten Kindergartenplatz hat. Wenn man sein Kind abgeben muss und weiß, die meiste Zeit werden sie sich selbst überlassen sein. „Freies Spielen“ wird das dann genannt, was sich gern vom Frühstück bis zum Abholen zieht. Erzieher, die dank offenem Konzept, nur beobachten – kaum Anleitung, keine Inspiration, Ideen, Projekte oder gar Zuständigkeiten – und Kinder, die partout nicht hinwollen. Einzig, die Freunde als Motivation für acht Stunden tägliches Einerlei ist einfach zu wenig.

Da wird Kindergarten eher zum Zustand, der von allen ausgehalten werden muss – mit Wehmut im Herzen und einer Träne im Knopfloch, denn wer will schon die kleinen Menschenkinder abgeben, wenn man von deren Unglück weiß? So oft haben wir geredet und Gespräche geführt – stets in der Hoffnung, etwas ändern zu können. Haben selbst Projekte organisiert und Vorschläge gemacht, doch: wenn die Menschen nicht wollen, dann haben Eltern wenig Chancen…. schließlich weiß auch ein schwerfälliges Haus, dass die Warteschlange lang ist und dass ein Bemühen und ein Streben nach Marktlage gar nicht notwendig ist.

Schade. Tragisch. Inakzeptabel und einfach schrecklich unfair den Erziehern gegenüber, die sich bemühen und mit Leidenschaft ihren Job machen. Ungerecht gegenüber Häusern, wo Kinder mit einem Lächeln des morgens begrüßt werden und beim Abholen vor lauter erzählen-wollen fast übersprudeln. Und auch für Mamas und Papas schrecklich, denn man ist dem System Kindergarten einfach ausgeliefert. Grund genug, sich zu wünschen, dass jemand auch mal hinter die Häuserfassaden blickt. Ein Plädoyer für Qualitätsmanagement in Kindertagesstätten… in der Hoffnung, dass andere Zwerge mehr Schwein mit ihrer Einrichtung haben…

Ein schönes Wochenende

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz, die sich für einen Kindergartenwechsel entschieden hat.

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