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Kinder und Smartphones

Kinder und Smartphones

Seit weniger als acht Jahren gibt es mobiles Internet für den Normalanwender. Unser Sozialverhalten hat es seitdem ganz sicher umgekrempelt. In der Bahn schauen wir permanent auf handliche Smartphones anstatt auf unhandliche Zeitungen. Noch schlimmer: Der ein oder andere hat elementare Höflichkeitsregeln scheinbar vergessen(!) Ganz klar, dass wir Eltern dann froh darüber sind, wenn das Thema „Handy“ am Abendbrottisch noch nicht aufkam. Doch dieser Zustand wird nicht ewig anhalten. Wir erklären warum.

Schnell mal eine klinische Diagnose? Nein, danke.

Die Landeszentrale für Medien Nordrhein-Westfalen hat in einer Umfrage 500 Kinder und Jugendliche von 8 bis 14 und jeweils ein Elternteil befragt, wie sie ihre Handys eigentlich nutzen. Dabei wurde genauer untersucht, was die Auswirkungen der Handynutzung, auch in Bezug auf die Schulleistungen der Kids, sein können. Es hat sich ergeben, dass auf wirklich problematische Weise nur vergleichsweise wenige der Befragten Smartphones nutzen: Etwa acht Prozent seien „so stark involviert, dass sie als suchtgefährdet bezeichnet werden müssen“, schreiben die Autoren. Anzumerken ist, dass „Handysucht“ als diagnostische Kategorie in den neuesten Einstufungsmanualen für Psychologen und Psychiater nicht existiert. Viele Wissenschaftler sind der Meinung, dass solch eine Kategorie einfach keinen Sinn ergebe, denn es fehle an Forschung, die sie rechtfertigen würde. Viel klüger wäre es, sich unerwünschtem Verhalten der Kinder erst einmal anders zu nähern, so die Forscher.

Worum es den Kids eigentlich geht

Eines Tages wollen die Kinder, ob wir wollen oder nicht, mobil kommunizieren und auf das Internet vom eigenen Gerät aus zugreifen können. Dann kommen Sätze von den Kids wie: „Aber alle in meiner Klasse haben eins!“ und „Wie soll ich mich sonst mit den anderen verabreden?“ und „Wenn ich keins habe, dann schließen mich die anderen aus“. Dann wird man als Eltern irgendwann nachgeben und erkennen, dass man ohne so ein tolles Gerät gar nicht existieren kann, vor allem nicht als Teenager. Denn ihnen geht es darum, mit Gleichaltrigen kommunizieren zu können, sei es durch Instant Message sowie Telefonieren. Dann sind diese Jugendlichen doch eigentlich nur danach süchtig, mit ihren Freunden kommunizieren zu können, oder? Es gibt Schlimmeres… Früher war das ähnlich. Da hat man wegen stundenlangen Telefonaten mit Freunden von den Eltern Ärger bekommen, nicht wegen WhatsApp.

Tatsächlich Probleme im Alltag

Doch zeigt die Studie auch, dass Handys knapp die Hälfte der Befragten schon mal von den Hausaufgaben abgelenkt hat. 42 Prozent haben schon einmal „unüberlegt Daten preisgegeben“, knapp ein Viertel schon einmal „Kommunikationsstress empfunden“ und 20 Prozent berichten von schulischen Problemen wegen ihrer Handynutzung. Mobbing und andere Formen gibt es, aber nur vergleichsweise selten.

Und die Eltern? Sie leiden unter Kontrollverlust, Überforderung und Machtlosigkeit, weil die Kids ständig die Smartphones zur Hand haben.

Selbstregulation als schützende Wirkung

Dann stellt sich doch bei uns die Frage, ob wir denn immer unsere Handys achtsam und zuträglich für unser eigenes Wohlbefinden und das der anderen im Alltag einsetzen? Neben Erziehungsmaßnahmen haben insbesondere das Vorbildverhalten der Eltern und ihre Beziehungsqualität zum Kind Einfluss auf den Umgang mit den Handys.

Entscheidend bei den Kids ist die Fähigkeit zur Selbstregulation. Ist diese stark ausgeprägt, sind Kinder und Jugendliche dazu fähig, das Handy achtsam für ihr eigenes Wohlbefinden und das der anderen im Alltag zu benutzen. Das ist der Kern, ja die Etikette: die Vorstellung davon, was anständiges Benehmen ist. Und das liegt nicht an den vermeintlich handysüchtigen Jugendlichen, sondern an uns Eltern. Wir sprechen ja auch nicht mit vollem Mund oder fallen Gesprächspartner ins Wort- genauso ist das mit der bewussten Smartphonenutzung. Es ist schleunigst an der Zeit, uns auf Regeln zu einigen, an die wir uns auch selbst halten. Denn das erwünschte Verhalten wird sich nur durchsetzen, wenn wir es selbst vorleben.

Also liebe Eltern, denkt an die Grundmotivation der Höflichkeit: Seinen Mitmenschen das Leben möglichst angenehm zu machen.

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