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Kind und Eltern sein – die Illusion vom eigenen Ich und der Vereinbarkeit

Jeder weiß, was es für ein Gehetze und Gezerre ist – immer auf dem Sprung zwischen Arbeit, Kinder und Erledigungen. Man rennt der Uhr hinterher und hat dann doch das Gefühl, alles nicht so richtig auf die Reihe bekommen zu haben. Und das Ganze läuft immer so weiter. morgen, übermorgen, nächste Woche – was sollte sich auch ändern? Also wie ist das noch einmal mit der Vereinbarkeit?

Gedanken einer Zwillingsmama…

Um es in einem Wort zu sagen: (Über)fordernd.

Im Mai wurden die Mädchen ja drei, gleichzeitig endete meine Elternzeit. Seitdem die Kinder 13 Monate alt waren, arbeitete ich ja bereits Teilzeit in Elternzeit, das hieß für mich, ich ging einen Spätdienst pro Woche arbeiten. Das war eine schöne Lösung, denn zum Einen war ich so immer ein bisschen mit im Geschehen und hatte zum Anderen trotzdem den Luxus an allen Feiertagen und Wochenenden frei zu haben. In meinem Job ist das weit weg von „selbstverständlich“.

Anfang des Jahres trat ich in Verhandlung mit meinem Arbeitgeber. Ich war in der glücklichen Position einen unbefristeten Arbeitsvertrag über 75% zu haben. Das ist mir aber im Moment deutlich zu viel, vor allem weil der Hauptteil meiner Arbeitszeit außerhalb der Kindergartenöffnungszeit liegen. Das Dilemma: Wenn ich meinen Arbeitsvertrag auf 50% reduzieren würde, wäre das für immer in Stein gemeißelt. Es gibt immer mehr Einsparungen, immer mehr Arbeit für weniger Personal und die Chefetage ist froh um jede Fachkraft weniger, die „viel“ Geld kostet.

Ich konnte mir also nicht vorstellen die 75% aufzugeben. Also blieb nur ein Weg: In den sauren Apfel beißen und möglichst selbstbewusst verhandeln. Ich hab meinem Personalchef also zwei mögliche Wege aufgezeigt: Entweder ich würde im Mai meinen alten Arbeitsvertrag unverändert wieder aufnehmen (ich hab so gezittert, dass er diese Option bevorzugt) oder ich bekäme einen befristeten Arbeitsvertrag über zwei Jahre und 50%, der meinen alten Arbeitsvertrag unberührt lässt.

Was soll ich sagen: Sie haben sich für Option zwei entschieden!
In der Theorie heißt das konkret, dass ich pro Woche zwei Arbeitstage habe und jedes zweite Wochenende sowohl Samstags als auch Sonntags arbeiten muss, plus Teamsitzungen und Fortbildungen und natürlich Feiertage.

So weit, so gut.

Die Realität aktuell: ich habe gerade mit viel Glück einen freien Tag die Woche. Krankenstand, Urlaubszeit, und eine Baumaßnahme, die auch dem Pflegepersonal jede Menge Zusatzarbeit bescheren erfordern hohen Einsatz.

Ich. kann. nicht. mehr.

Die Arbeit, die Kinder, der Haushalt, der Garten, der Hund… Ich laufe eigentlich meinen ganzen To-Dos nur noch hinterher und fühle mich wie in einem Hamsterrad.

Ich bin so müde.

Und manchmal flüstert eine ganz leise Stimme in mir, die sich fragt, wie das mit der Vereinbarkeit eigentlich funktionieren soll, ohne das etwas auf der Strecke bleibt.
In meiner Realität funktioniert es nur auf Kosten von mir.


(Danke, emmaswunderwelt für die Ehrlichkeit)

Übrigens: Laut Statista 2018 sehen 28% der Väter (mit Kindern unter 18 Jahren) und 72% der Mütter nicht, dass sich Familie und Beruf gut vereinbaren lässt. Die bereits 2012 und 2014 erhobenen Zahlen sehen nicht wesentlich anders aus – d.h. die letzten 4-6 Jahre ist eindeutig zu wenig passiert, um das Thema voran zu bringen. Eltern müssen sich immer noch zerreißen und planen/organsieren den Tag mit Kindern als immerwährenden Kraftakt….


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