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Kolumnen

Kälteempfindlich

kaelteempfindlichkeit

 

Es ist Dezember. Der Wind pfeift. Gestern ging der erste Schneeregen runter und auf dem Balkon blieb eine kleine kalte Puderschicht zurück. In der Garderobe stapeln sich Handschuhe, Mützen und Schals in allen erdenklichen Farben und Mustern. Dennoch: mir ist kalt. Eigentlich immer im Winter. Ich bin ein Sommertyp. Blauer Himmel, frische Luft. Wenn andere Erschwitzen und die Sonne unerträglich finden, blühe ich auf. Bei über 28 °C bekommen auch meine Fingerspitzen und Zehen langsam Temperatur und hängen nicht mehr wie eisige Mitgenossen an mir. Wie schön, wenn die Hüllen dann fallen und selbst ich mit meiner fröstelnden Ausstattung endlich warm bin.

eis-auto-volkwagenAber jetzt? Ich stehe auf und brauche bereits für die Hände warmes Wasser. Schnell rein in die dicken Klamotten bevor aus der Gänsehaut riesige Frostbeulen werden. Auch der Fön am Morgen ist ein willkommener Hitzespender – schön, wenn man ihn vom Kopf weg auch an allen anderen Stellen des Körpers mal verwenden kann. Aber bereits in der Küche ist die ganze Energie schon entladen. Also fix rein in den Mantel und die Stiefel, Schal um und los. Ach`, allein der Gedanke, hinaus zu müssen, macht mich nicht unbedingt froh. Zumal mich wie jedes Jahr wahnsinnig überraschend vereiste Autoscheiben erwarten. Keine Handschuhe. Kein Eiskratzer. Aber den Weg noch mal zurücklaufen? Auf keinen Fall. Also muss die Kinder-CD mit der Hagebutte herhalten, um ein wenig Sicht zu bekommen. Ich habe auf die Uhr gesehen, Acht Komma Fünf Minuten braucht die morgendliche Frei-mach-Kratzung, bevor ich endlich auf dem Sitz Platz nehmen darf. Schade eigentlich, dass ich keine Sitzheizung habe. Mein Hinterteil will sich zurückziehen, aber dafür ists eindeutig zu umfangreich. Langsam kriecht die Kälte die Oberschenkel hinab und den Rücken hinauf.

Ich brauch dringend etwas Warmes und so halte ich beim Bäcker und nehme ein frisches Brötchen, natürlich noch warm, das ich an der Ampel bibbernd von einer Hand in die andere nehme, auf das ich bald wieder meine Fingerspitzen merke. Aber, so meint Herr Korff, auch da ist Blut und Wärme. Wenn man zu kalten Fingern und Füßen neigt, hat der Körper einfach schon das Blut aus dem Extremitäten abgezogen. Der Körper zentralisiert. Na prima, bei mir zentralisiert es also fast immer….

Ich bin eine Frostbeule und nach Prof. Dr. Thomas Korff, Physiologe der Universität Heidelberg unschuldig an meinem Elend. Denn jeder Mensch ist mit einer unterschiedlichen Menge oder unterschiedlicher Dichte von Kälterezeptoren ausgestattet. Diese werden wahrscheinlich auch vererbt (Aha, meine Mutter ist schuld).

Vor Kurzem war ich sogar versucht, mir diese Oma-Heizelemente für Schultern und Füße aus einer sehr großen Supermarkt-Filiale zu holen. Scheiß auf Sexiness und Verführung. Wenn ich mich wie ein Eisbein frisch aus dem Froster fühle, ist das gar nicht anreizend. Allein meine Unkenntnis, wo jene Supermarkt-Marke in der Nähe zu finden ist, verschonte den Herzallerliebsten von meinem umhüllten Anblick.

Habe ich schon erwähnt, dass der Winter so gar nicht meine Jahreszeit ist?

Und als ob dieses ganze Gefröstle und Gefriere nicht genügen würde, dazu kommen noch die An- und Auszieh-Orgien mit den Kindern. Nichts mit Spontanität. Da ist nix mit“ fix vorbeischauen“ und „kurz bleiben“ – schließlich steht davor ein ganzes zeitaufwendiges Verfahren aus Schneehose, Tuch, Mütze, Jacke, Handschuh und Stiefel, die zumeist nur wiederwillig und unter Protest übergestülpt, zugeknöpft, verknotet und verschnürt werden können. Wieviel Zeit man wohl am Tag, in der Woche oder im Monat nur mit freundlichen Ermahnungen und als Anziehhilfe verbringt? Vielleicht ist es besser, es nicht zu wissen.

Und nun? Ich werde mich mit meinem Tee einfach auf die Heizung setzen. Vielleicht zentralisiert es dann weniger…

Viel Wärme wünscht Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


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