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Familie und Leben

Jugendamtwillkür und Alleinerziehende

Eigentlich erhofften sie sich Unterstützung vom Jugendamt, um ihren Kindern Schulausflüge, Nachhilfe oder eine Mutter-Kind-Kur zu ermöglichen, doch anstatt finanzielle Hilfe zu erhalten, nahm man ihnen ihr Kind weg, mit der Begründung Kindeswohlgefährdung aufgrund von zu enger Bindung.

Wolfgang Hammer, Soziologe, Experte im Jugendhilfewesen und ehemaliger Koordinator der Bundesländer für den Bereich Kinder- und Jugendpolitik ist seit 2013 freiberuflich und ehrenamtlich tätig. An ihn wenden sich Betroffene, Anwälte und Jugendamtmitarbeiter in fragwürdigen Fällen von Inobhutnahem, in denen Kinder von ihren alleinerziehenden Müttern getrennt wurden.

Wie er jedoch feststellt, scheint es in keinem seiner 42 untersuchten Fälle eine Meldung an das Jugendamt auf Grund von Kindeswohlgefährdung gegeben zu haben. Doch viel erschreckender: In einigen Fällen äußerten sich Erziehungsberatungsstellen gegen eine Trennung, was die Jugendämter jedoch außer Acht ließen.
 

Wenn die Mutter-Kind-Beziehung zu eng wird

Das die Beziehung zwischen Mutter und Kind so eng ist, dass sie als gefährdend für das Kind eingestuft wird, ist jedoch recht selten. In einem solchen Fall spricht man von einer „symbiotischen Mutter-Kind Beziehung“. Laut Michael Schulte-Markwort, Kinderpsychiater, würde diese vorliegen, wenn zwei Menschen so ungetrennt seien, dass keine eigenen Gefühle, keine eigenen Haltungen oder Stellungnahmen mehr möglich wären. Sie gehe in der Regel von den Eltern aus, die es nicht ertragen könnten, dass ihre Kinder selbstständig werden würden.

So würden solche Eltern versuchen, ihr Kind von der Außenwelt zu isolieren, was dazu führen kann, dass dieses Rückschritte in seiner Entwicklung macht oder psychosomatische Krankheiten entwickelt. Eine derartige Isolierung und enge Bindung kann dazu führen, dass der Nachwuchs extreme Trennungsängste entwickelt, so dass es sich weigert in die Schule oder in den Kindergarten zu gehen und lieber die ganze Zeit zuhause bei Mama bleiben will.
 

Doch die Kinder leiden unter der Trennung

Wären die Kinder gefährdet gewesen, hätte sich in den meisten Fällen Auffälligkeiten nach außen hin zeigen müssen, was bei 32 Kindern jedoch nicht der Fall gewesen wäre, was die Schulen bestätigten. Im Gegenteil, besonders einem der Kinder aus Hammers Studie ging es sichtlich schlechter nach der Trennung. In der Schule musste er wegen auffälligem Verhalten immer häufiger den Unterricht verlassen, war unaufmerksam, rebellisch und nahm bedenkliche 10 Kilo in nur sechs Wochen zu.

„Von außen kommende Trennungen sind immer gewaltsam“, erklärt Schulte-Markwort. „Wenn ein Kind tatsächlich symbiotisch ist, dann wird die Trennung extreme Angst auslösen. Das sollte man nie ohne intensive Vorbereitung und Begleitung machen. Das ist sonst sehr traumatisierend.“
 

Es muss sich etwas tun!

Den getrennten Familien halfen Familiengericht und die psychologischen Gutachten, die nach der Inobhutnahme erstellt wurden. So wurden in den meisten Fällen Kind und Mutter wieder vereint.

Doch so weit darf es gar nicht erst kommen! Das Jugendamt ist dafür da, Kinder, Jugendliche und ihre Eltern zu schützen und zu unterstützen und nicht, um sie auseinander zu bringen. Laut Hammer bräuchte es mehr unabhängige Beratungsstellen in den Kommunen. Es dürfe nicht sein, dass das Jugendamt aus Angst zu spät einzugreifen, Situationen vorzeitig beurteile und aufgrund dessen falsch handle. Denn damit wäre auch das Vertrauen der Hilfesuchenden dahin.


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