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Kolumnen

Einmal im Jahr Geburtstag

Kinder haben Geburtstag. Ja, irgendwann ist es soweit und auch wenn sie dir ein Loch in den Bauch fragen, der Termin steht fest und er ist auch nach der achtundzwanzigsten Frage immer noch im gleichen Monat und immer noch einmal im Jahr. Für sie ist es der Tag der Geschenke, der Freunde, der großen Party. Der Tag, an dem sie die Kerzen auspusten dürfen (wir müssen für diesen heiligen, freudigen Akt die Kerzen auch immer wieder anmachen) und des Singens (Happy Birthday in Endlosschleife in allen nur vorstellbaren Tonlagen für sich selbst und alle anderen). Und für die Mama ist es der Tag des Bangens, der Wehen. Eine Art Marathon im Hecheln und Pressen bis der Zwerg endlich doch irgendwie den Weg nach draußen gefunden hat. Ich gestehe, bei Details schwächelt mein Gehirn und ich bin inzwischen froh, dass die Natur sich diesen Trick der Verschleierung ausgedacht hat. Aber sei‘s drum. Es ist vollbracht. Man ist froh, glücklich und stolz. Stolz als Gefühl großer Zufriedenheit mit sich selbst. Eine Freude, die der Gewissheit entspringt, etwas Besonderes, Anerkennenswertes und Zukunftsträchtiges geleistet zu haben. (Danke, Wikipedia)

Eine Freude, die sicher nicht ganz unschuldig an allen Festivitäten ist, die Eltern für ihre Knirpse organisieren. Nein, keine Sorge. Ich bin ein großer Freund von Geburtstagen. Sogar als völlig talentfreie Bäckerin gab es auch bei uns zum ersten Jahrestag mit Großeltern und Paten eine Happy-Hippo-Torte, ein matschiger Traum aus Schokolade mit Liebe und geringen Fähigkeiten gefertigt.

Aber man sollte es nicht übertreiben. Oder wie nennt man es sonst, wenn die Kids von Lopez und Pink beispielsweise mit Gigantenparties voll Prominenz, Disney-Figuren, Clowns, Hüpfburgen und Ponyreiten gefeiert werden? Mit dieser Größenordnung können wir nicht mithalten. Wollen wir auch nicht.

Dennoch war unsere Geburtstags-Ersterfahrung schon ein wenig grenzwertig. Vier Zwerge wurden zum zweiten Jahrestag geladen und wir gehörten dazu. Meine Neugier siegte über das Gefühl der Irritation und dem Gedanken, dass das doch absolut unnötig sei. Also hin mit Geschenk und dem Kind, das damals selbst knapp zwei Jahre war. Kindermusik dröhnte mit dem Biba Butzemann. Uns empfing ein Geburtstagstisch als Buffet voll mit Kuchen, Salzbrezeln, Weintrauben, Keksen, Bonbons und Gummibärchen, schön in Kinderhöhe. Daneben stand ein „Erwachsenentisch“ und daneben war eine Spielecke. Eigentlich vor der Tür des Wohnzimmers sollte der Hund der Familie warten.

In der Realität landete das Spielzeug beim Kinderessen, das Kinderessen auf dem Boden, ein Kind rutschte aus und schlug mit dem Kopf auf, der Hund wartete nicht im Flur und stürzte auf das Essen, das ja nun am Boden lag, um dann beim Kindertisch weiter zu machen, das Geburtstagskind schrie wegen seinem schönen Kuchen, die anderen Kinder weinten wegen dem Hund, ein kleiner Junge machte daraufhin in die Hose und die anderen saßen dann schluchzend auf Mamas Schoß (ja, es war nur der Vater des Geburtstagskindes anwesend und der war völlig damit beschäftigt, das Durcheinander wieder zu entwirren). Als das alles passierte, waren wir erst knapp fünfundzwanzig Minuten da und alle Zeichen standen auf Rot. Ich schnappte meine Maus und ging erst einmal aufs Klo. Zum Glück ist das ein kleiner geschlossener Raum, der sich hervorragend für einen Rückzug anbietet. Wir sammelten uns, sie beruhigte sich auf dem bereit gestellten Töpfen, ich spritzte mir erst einmal Wasser ins Gesicht und dachte angestrengt nach. Was tut man in solchen Situationen am besten? Ok, wir blieben noch eine Weile. Im Bad war es leise, das Kind weinte nicht mehr, ich hörte das Irrenhaus vor der Tür und wusste doch, dass wir irgendwann wieder raus kommen mussten. Tapfer taten wir es. Die Maus blieb auf meinem Arm, ich setzte mich für weitere fünfzehn Anstands-Minuten auf das Fensterbrett und wir schauten auf die Straße, sahen den einparkenden Autos zu, ich sang „Auf der Mauer auf der Lauer“ und dann mussten wir leider, bedauerlicherweise schon nach Hause.  Ach, wie schade.

Und jetzt? Ich muss mich beeilen. Das Kind ist keine zwei mehr. Es wünscht sich einen Prinzessinnengeburtstag und ich bin auf der Suche nach: einem Schloss, einer Kutsche, einem Prinzen, dem gläsernen Pantoffel und der guten Fee, die alles richten wird. Wenn ich es gefunden habe, sage ich Bescheid….

Nachtrag zur Happy Hippo Torte….

Für den Boden:
Ei(er)
100 g Zucker
175 g Mehl
1 TL, gestr. Backpulver
100 g Schokoladenraspel
100 g Butter, zerlassen, abgekühlt
  Fett für die Form
  Für die Füllung:
Schokoriegel (Happy Hippos), gehackt
1 Pck. Puddingpulver (Schoko)
500 ml Milch
1 Pck. Vanillinzucker
3 Pck. Sahnesteif
600 ml Schlagsahne
  Für die Dekoration:
12  Schokoriegel (Happy Hippos)
 n. B. Krokant
 n. B. Kakaopulver
 n. B. Schokoladenraspel

 

Zubereitung

Arbeitszeit: ca. 40 Min. / Koch-/Backzeit: ca. 35 Min. Ruhezeit: ca. 1 Std. / Schwierigkeitsgrad: normal /Kalorien p. P.: keine Angabe

Für den Boden die Eier ca. 1 Min. schaumig schlagen, den Zucker hinzufügen und noch eine weitere Minute schaumig schlagen. Das Mehl mit dem Backpulver mischen und vorsichtig unter die Eiercreme rühren. Auf niedrigster Stufe die Schokoraspel und die zerlassene Butter zugeben.

Den Teig in eine gefettete Springform geben und bei 180°C (Umluft) ca. 35 Min. backen. Den fertig gebackenen Boden zum Abkühlen auf einen Kuchenrost stürzen. Nach dem Erkalten einmal waagerecht durchschneiden.

Für die Füllung den Schokopudding mit der Milch nach Packungsanweisung kochen. Die zerstoßenen 8 Schokoriegel unter den Pudding heben und abkühlen lassen.

Wenn der Pudding anfängt, schön fest zu werden, auf den unteren Boden streichen. Die Sahne mit Vanillinzucker und Sahnesteif steif schlagen, etwa 1/3 davon auf den Pudding geben. Den oberen Boden drauflegen.

Einen Teil der übrigen Sahne in einen Spritzbeutel geben. Mit der restlichen Sahne Tortenrand und -oberfläche bestreichen.

Für die Dekoration 12 Stücke abteilen, auf jedes Stück einen Sahnetuff spritzen. Die 12 Happy Hippos auf die Sahnetuffs setzen und nach Belieben mit Krokant, Kakao oder Schokoraspeln bestreuen.

Sabine Henriette Schwarz “ Einmal im Jahr Geburtstag „


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