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Familie und Leben

Immer mehr Kinder werden von ihren Eltern vernachlässigt

Wenn ein Kind das Ein oder Andere noch nicht kann, dann ist das noch kein Weltuntergang. Vielleicht liegen seine Interessen und Begabungen einfach woanders. Doch wenn ein Vierjähriger kaum ein Wort rausbringt und noch nicht einmal bis zehn zählen kann, dann ist dies mehr als bedenklich!

Wo Eltern scheitern, hilft sie weiter

Für solche Fälle engagiert sich Veronika Belikova, Pädagogin mit besonderem Herz für vernachlässigte Kinder, von der Lebenshilfe aus Erfurt. Jeden Tag fährt sie von Kindergarten zu Kindergarten, betreut Kinder und hilft ihren Eltern einen liebevolleren und fördernderen Umgang mit ihrem Nachwuchs zu pflegen. Besonders in den ersten Lebensjahren ist das besonders wichtig, denn in diesen lernen wir am besten und schnellsten und sie prägen unser ganzes weiteres Leben: Wie wir Beziehungen führen, wie wir lernen und arbeiten und somit auch wie viel Geld wir verdienen werden.

Die ersten Jahre entscheiden über unser Leben.

Viel Kinder, die die studierte Pädagogin betreut können nicht richtig reden, haben Konzentrationsschwierigkeiten oder werden einfach nur viel zu selten von ihren Eltern in den Arm genommen. Veronika nimmt sich Zeit für sie. Sie übt mit ihnen spielerisch sprechen, verlangt ein wenig Konzentration und lobt ganz fleißig, wenn etwas gelingt. Nicht selten wird sie mit großen verwunderten Augen angeguckt, die gar nicht verstehen, wieso sie denn gelobt werden. Sie kennen es nicht von Zuhause.

Jetzt sind die Eltern dran mit lernen!

Um auch bei den Kleinen zuhause eine Veränderung dieser Umstände zu bewirken, sind auch die entsprechenden Eltern zu ihren Spiel- und Lernstunden eingeladen, um gemeinsam mit ihrem Zögling spielen zu lernen und wie sie siech liebevoller kümmern können. „Ich muss im Grunde die Eltern fördern, wenn ich die Kinder fördern will“ meint Belikova dazu. Die Eltern aktiv mit ins Boot zu holen, gestaltet sich nicht immer einfach. „Manche sitzen nur da und starren auf ihr Handy, während ich mich abstrampele, um ihrem Kind etwas beizubringen.“ Doch oft sei es gar keine böse Absicht, wieß Veronika. „Die Väter sind abgehauen, die Mütter überfordert und mit sich selbst beschäftigt.“

In solchen Fällen sind es dann meist Erzieher oder Kinderärzte, die diesen Eltern bzw. Müttern die Kontaktaufnahme mit der Lebenshilfe anraten. Dort wird von Pädagogen dann ein „Förder- und Behandlungsplan“ erstellt, der an das Sozialamt geschickt wird. Im Falle der Bewilligung tragen Staat und Krankenkasse die gesamten Kosten.

Bei ihrer Arbeit ist sich Veronika Belikova bewusst, dass Erfolge auch ausbleiben können und manche Kinder sich dank ihres Umfeldes nie viel ändern können. Dennoch brennt sie für ihre Sache und ist der festen Überzeugung: „Natürlich erreicht man nicht alles, was man sich erhofft. Aber ich sage mir: Eine Person im Leben, an die man sich später gerne erinnert, kann etwas bewirken. Manchmal reicht auch Kuscheln, eine Umarmung, ein Lob. Manche Kinder erschrecken richtig, wenn ich sage, ich bin stolz auf dich! Dann schauen sie mich mit großen Augen an, weil sie das überhaupt nicht gewöhnt sind.“


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