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Immer mehr Heilmittel für Kinder und Jugendliche

Immer mehr Heilmittel für Kinder und Jugendliche

Immer mehr Heilmittel für Kinder und Jugendliche – Ausgaben stiegen zwischen 2010 und 2014 um 23,4 Prozent

Quelle: Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V., Februar 2016

Vor allem bei Kindern unter 15 Jahren steigt die Zahl der Verordnungen für Logopädie und Ergotherapie. Kinder- und Jugendärzte fordern ein Ende der Medikalisierung pädagogischer Probleme.

„Viele Kinder, vor allem Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen, werden heute von ihren Eltern nur unzureichend gefördert und angeregt,“
so BVKJ-Präsident, Dr. med. Thomas Fischbach. „Die Folge: die sprachliche und motorische Entwicklung dieser Kinder verläuft nicht altersgemäß, obwohl die Kinder körperlich und geistig gesund sind. In der Kita und in der Grundschule fällt dies auf. Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen stehen unter hohem Druck – die Klassen sind groß, der Personalschlüssel schlecht, es müssen bestimmte Entwicklungsziele erreicht werden – und als Folge davon werden den Eltern Therapien für ihr Kind empfohlen. Kinder- und Jugendärzte werden dann – teilweise massiv – unter Druck gesetzt, Therapien zu verordnen. Eine Stunde Therapie in der Woche kann aber nicht ausgleichen, was über Jahre zu Hause versäumt wurde. Wir müssen den Weg zurück in die Pädagogik finden:

  • Wir brauchen mehr und bessere Elternberatung von der Schwangerschaft an, also einen Ausbau der Frühen Hilfen, Ausbau von Familienzentren, in denen Eltern niedrigschwellig umfassend beraten und pädagogisch angeleitet werden.
  • Wir brauchen mehr und besser ausgebildete Erzieherinnen in den Kitas.
  • Wir brauchen mehr Grundschullehrerinnen, so dass sich möglichst jeweils zwei Lehrerinnen pro Klasse um die Kinder kümmern, wir brauchen Supervision und kleinere Klassen.
  • Statt Einzeltherapien für ein Kind brauchen wir Therapeuten, die Erzieherinnen und auch Grundschullehrerinnen beraten und anleiten, wie sie Defizite bei Kindern gezielt ausgleichen können.
  • Wir brauchen als Kinder- und Jugendärzte mehr Wege in die Pädagogik, wir brauchen z. B. die Möglichkeit, Heilpädagogik verordnen zu dürfen.

Dazu bedarf es endlich einer flächendeckenden Einführung interdisziplinärer Frühförderstellen (IFF), die bisher in Kreisen und Kommunen vorwiegend nach Kassenlage existieren.“

www.kinderaerzte-im-netz.de


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