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Die Idee vom kinderfreien Abend

Ein wunderbarer Gedanke. Leider ist bei uns die Oma-Opa-Aufpassvariante nicht möglich, sodass entweder ich oder mein Mann einen freien Abend haben können. Sehr schade, wir müssen also dem psychologischen Ratschlag einzeln Folge leisten, was mich ein wenig unglücklich macht. Aber gut – erst war mein Mann dran, dann ich.

Die Vorstellung:

Gerade mit sehr kleinen Kindern hat ein freier Abend Seltenheitswert – und weil er so selten ist, stelle ich ihn mir heroisch, klasse und einfach umwerfend vor. Immer, wenn das Baby nachts wach wurde, ich fütterte,  windelte oder spazieren ging, träumte ich von diesem Abend. Ein Abend ganz allein, ohne kindliche Geräuschkulisse mit schönem Essen, einem Cocktail und einer lieben Freundin, die zum Glück so viele Gesprächsthemen kennt, dass der Baby-Kinder-Bereich ausgespart bleiben sollte. Der Plan war perfekt, dachte ich. Auf diesem war vermerkt: einen ruhigen Tag haben, Kind zeitig von der Kita holen, deshalb auch ein frühes Abendbrot, mit Papa schmusen, Kinder vor sieben ins Bett bringen, dann ein wenig „aufhübschen“. Schöne Sachen anziehen, ein wenig Farbe ins Gesicht und vielleicht etwas Parfüm können das eigene Gefühl unwahrscheinlich aufwerten. Und los!

Die Realität oder es ist wie es ist:

Mein Plan endete jäh beim Abholen in der Kita, denn die Stimmung war schlecht. Das war nicht schwer zu erkennen. Die Mundwinkel hingen nach unten, die Schuhe wollten nicht angezogen werden und die Idee, jetzt nach Hause zu fahren, fand wenig Anklang. In diesem Fall sind die nächsten Tränen auch nur einen Sekundenbruchteil entfernt und das Stimmungstief kam dann kurz vor der heimischen Haustür. Beim Abendessen schmeckte es dem großen Kind nicht und das Baby fand seinen Brei eher zum Schreien. Ruhig Blut, dachte ich, noch ist nichts verloren. Schließlich war heute mein freier Abend. Und in der Tat konnten Papa und der Sandmann das Ruder wieder rumreißen. Eine kleine Auszeit bis zum zu-Bett-gehen, wo das große Kind „Mama“ schrie, das Baby nicht schlafen konnte, weil das große Kind schrie und dementsprechend auch lautstark Protest anmeldete.  Papa wurde sauer, da das Baby wach war. Ich wurde hektisch, weil es immer später wurde. Das große Kind weinte, weil Papa sauer war, und ich rannte zum gefühlt hundertsten Mal mit einem kleinen Lied auf den Lippen zum Babybett. Wehmütig dachte ich an den Kleiderschrank, wo ich jetzt stehen wollte, um mir irgendwas kinderuntauglich Schickes anzuziehen. Irgendwann war es leise, aber mir war nicht mehr nach schick, nach Ausgehen oder nach Cocktail. Eigentlich wünschte ich mir nur Stille, die für die nächsten Stunden anhielt, eine bequeme Couch und ein paar ablenkende, anspruchslose, bunte Bilder im Fernsehen…

Nachtrag an die Freundin und an alle Freundinnen, die sich mit relativ frischen Mamas treffen:

Vielen Dank für Euer Verständnis und Eure Geduld. Es ist keine böse Absicht, wenn wir zu spät zum Treffen kommen und ab 21:00 Uhr nur noch schwer dem Gespräch folgen können. Entschuldigt bitte, wenn wir immer wieder verstohlen auf das Handy schauen und auf dem Sprung sind. Wir wünschen uns auch heroische und spritzige Abende, nur manchmal schaffen wir es einfach nicht.

Sabine Henriette Schwarz “ Die Idee vom kinderfreien Abend „


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