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Kolumnen

Ich will, ich will, ich will.

 

Es fragt, säuselt, bittet, weint, schreit, fordert – von der kindlichen „Ich-will-Variante“ gibt es wirklich jede Sorte und es ist ganz klar und nüchtern festzustellen: Kinder wollen ganz schön viel und das auch noch ganz schön oft. Manchmal bin ich verständnisvoll, denn die Verlockung wartet in der Tat an jeder Straßenecke; an der Supermarktkasse, in jedem anderen Kinderzimmer oder als kurzes Filmchen direkt vor der Biene Maja in Form von sinnlosem, bunten Spielzeug. Manchmal bin ich aber einfach auch nur müde, ein wenig abgekämpft und angefressen. Da macht man sich mit den Kids einen schönen Nachmittag, holt sie zeitig aus der Kita ab, schlendert durch den Park oder geht noch zum Eis, der Tag war bis jetzt fast ruhmreich und katastrophenfrei, als dann plötzlich, von einer Sekunde zur nächsten, ein lebensnotwendiges kindliches Begehr die Oberhand gewinnt. Und in Nullkommanichts wird aus dem zuckersüßen Hosenmatz ein lautes Ningelkind.

Da wirft sich mein zweijähriges „Babypferd“ (nein, das ist nicht meine Idee, sie möchte gern wirklich ein Babypferd sein) erst vor kurzem direkt im Anschluss an den Kindertanz auf den Boden, nimmt theatralisch die Hände vors Gesicht, weint und wimmert.

Mami, ich wollte doch nicht zum Tanzen, ich wollte auf den Spielplatz.

(Bis dato war sie übrigens mit Feuereifer bei der Sache, hüpfte und sprang begeistert durch den Raum) Nichts kann sie trösten, sie schluchzt und schreit bis der kleine Kopf feuerrot ist und das Shirt nass am Rücken klebt.

Oder die morgendlichen Ideen, wenn man bei gefühlten 18 Grad unbedingt seinen Badeanzug für die Kita anziehen will und das hübsch vorbereitete Sachenhäufchen ignoriert, weil heute einzig und allein der Badeanzug funktioniert. (Übrigens hat eine andere Mami schon mal das Kind im Schlafanzug in die Kita gebracht bei ähnlicher Problemlage. Das hat zwar geholfen, das Kind wurde von den anderen belächelt und es gab keinerlei Wiederholung, aber die Erzieher der Einrichtung haben sie streng zur Seite genommen. Schließlich hatte sie ihre Elternpflichten nicht erfüllt und zu diesen gehört des Morgens ein ordentlich angezogenes Kind).

Auch besonders schön, die Essenswünsche, die von himmelhoch Jauchzend (Du bist so lieb. Das hab ich mir schon immer gewünscht) bis zu absoluter Verweigerung führen. Gerade so als ob man sich gewagt hätte, die dicke Hundewurst des Nachbars für die Kleinen fein ordentlich auf den Teller zu drapieren. Nein, eigentlich kann man es als Eltern nicht wirklich richtig und recht machen.

Muss man aber auch nicht…

… denn bei Wünschen und haben-wollen handelt es sich ja nicht um wirkliche Bedürfnisse. Kindliche Bedürfnisse und kindliche Wünsche sind zwei Paar Stiefel. Sie mögen manchmal Hand in Hand gehen, oft tun sie das jedoch nicht (und das gilt eigentlich nicht nur für Kids). Das Problem dabei: Wünsche werden häufig lautstark geäußert, Bedürfnisse dagegen sind oft still, leise und dezent – so wie der Schlaf. Ach ja Schlaf, ich will, ich will, ich will….

Vielleicht ja am Wochenende eine große Tüte davon?

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

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