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Kolumnen

Ich bin süchtig

 

Es gibt wirklich selten Dinge, die man so richtig praktisch findet, die vielfältig einsetzbar sind und die einem schon seit geraumer Zeit stets hilfreich zur Seite stehen. Gerade bei diesen Temperaturen, wenn ich die Kinder wie zwei schwarze Kohlen angestaubt und miefig aus dem Kindergarten abholen (der Sand ist eher wie die Aschebahn auf einem Uraltsportplatz statt hübscher feiner Sandkasteneinstreu), bin ich heilfroh, sie bei mir zu haben, auch wenn ihr Ruf eindeutig schlecht ist und viele Marken mangelhaft sind. Dennoch: ein Leben ohne Feuchttuch ist schier undenkbar. Sie kommen in der Tat immer und überall zum Einsatz, so dass es nicht verwundert, sie im Auto, im Bad, in der Küche oder selbst im Büro vorzufinden. So unscheinbar, hässliche Plastikboxen, die dann doch im Falle eines Falles alles retten können…

Was alles ist?

Nun, da wären die schon beschriebenen kleinen Kohlenkinder, die ähnlich kleinen schwarzen Katzenkindern einem entgegen blicken und so unmöglich mit in die Stadt oder zum Einkauf genommen werden können. (Nein, ich habe nichts gegen ein wenig Schmutz und Staub, aber irgendwie möchte ich auch ungern als Mutter angesehen werden, die ihre Kinder schändlich vernachlässigt und sie im Dreck groß werden lässt.) Da ist der morgendliche Kaffee, der natürlich kurz vor dem wichtigen Termin, in einem unbeobachteten Moment auf den schönen Lederschuhen landet und schnell entfernt werden muss.

Auch schön, wenn man sich im Auto hinreißen lies, die kleinen Münder mit etwas Eis, Obst, Lollis oder Schokokeksen zu versorgen und beim nächsten Blick in den Rückspiegel verfärbte und verklebte Zuckerschnuten sieht, die dringend einer kleinen Abreibung bedürfen. Oder Apfelmus und Pflaumenmus, Melone zum Nachtisch, Ketchup-Desaster oder Paprika-Hühnchen einmal komplett bitte im ganzen Kind und am das Kind herum, kann so Einhalt geboten werden. Und Abends im Bad, wenn das tagtägliche „ich-will-doch-ein-bisschen-hübsch-aussehen“ wieder runter muss, hilft ebenfalls ein schneller Griff in die unstylische weiße Plastik.

Ja, ich bin Fan – auch wenn ich weiß, dass die feuchten Tücher nicht ganz so perfekt sind und mein Herzallerliebster wieder stöhnend vor dem Klobecken steht, weil sie mal wieder zu einer Verstopfung der wichtigen Schüssel geführt haben. Aber umso dankbarer nimmt er sie an, wenn die gleiche Schüssel in einem Anflug von Unwohlsein und Kotzerei benutzt werden musste. Ach ja, die kleinen Helferlein, die seit über fünf Jahren nackte Popos versorgen und so manch Ausflug mit einer Notunterbrechung in Wald und Flur gerettet haben, die zumindest ansatzweise einen Zustand wieder herstellen können, mit dem man seine Fahrt fortsetzen und das Kind guten Gewissens weiter laufen kann.

Und das tun diese Teile in der Tat schon sei 1958, als das wet nap erfunden wurde. Heute ists allerdings kein getränktes Papieprodukt mehr sondern ein Vliesstoff (ok, das erklärt, warum unser Klo so oft nicht mehr mitspielen will). Und ich liege, Verzeihung an die Waschlappen-Mütter, die mir sicher absolute Faulheit und Bequemlichkeit vorwerfen, voll im Trend. In den letzten drei Jahren sind die Anwendungsbereiche förmlich explodiert und ja, auch ich habe schon einmal die Autoscheibe und den Boden damit gewischt – nicht ganz so optimal, aber immer noch besser als gar nicht.

Gut, dass ich jetzt sogar auf eine selber-mach-Idee gestoßen bin. Einfach Tücher in Kokosöl tränken, soll angeblich das Geheimrezept von Hebammen sein und auch helfen. Ok, Spiegel und Scheibe und Schuhe fallen dann zwar weg, aber ein super duftender kindlicher Po ist ja auch was wert, oder?

In diesem Sinne, ein schönes, sauberes, unfallfreies Wochenende!

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