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Hindert ein Rollstuhl daran, Mama zu werden?

Hindert ein Rollstuhl daran, Mama zu werden?

Oft erleben die Betroffenen, nicht als Frau, sondern nur als Behinderte wahrgenommen zu werden. Ca. vier Millionen Frauen leben in Deutschland mit einer Behinderung. Die UN- Behindertenrechtskonvention setzt sich für eine geschlechtergerechte Integration von Menschen mit Behinderungen ein. Sie kämpft für mehr Selbstbestimmung, Barrierefreiheit und gleiche Rechte. Behinderte Frauen haben unter mehrdimensionalen Einschränkungen zu leiden: Sie leben oft an der Armutsgrenze und ohne Partner. Auch ihre Kinder sind von Gewalt betroffen und häufig nicht erwerbstätig. Das Risiko, dass der Nachwuchs auch an einer Behinderung leidet, ist bei nur 5% ziemlich gering.  Aber Behinderte und Kinder geht für viele schlecht zusammen. Es scheint geradewegs ein Tabu, dass behinderte Menschen auch ein Bedürfnis nach Sexualität haben und eine Familie gründen wollen.

Deshalb reagieren auf den Kinderwunsch behinderter Frauen selbst Ärzte auch mit Vorurteilen, die sich in Fragen wie: „Sie wollen Kinder kriegen? Wie soll das denn gehen?“ ausdrücken.

Wir sind ein wenig entsetzt, dass es in nur fünf deutschen Großstädten Frauenarztpraxen gibt, die sich insbesondere um behinderte Frauen kümmern. Viele Praxen verfügen über keinen barrierefreien Zugang, keine entsprechende Ausstattung- es fehlt vielen Ärzten schlicht und einfach die Zeit. So würden die paar Minuten, die sich ein Gynäkologe für die Patientin Zeit nimmt, bei behinderten Frauen gerade mal reichen, um in Ruhe die Kleidung abzulegen.

Die gynäkologische Ambulanz in Dessau macht hier eine Ausnahme: ein Hebelift und ein höhenverstellbarer Untersuchungsstuhl speziell auf behinderte Frauen zugeschnitten, ist hier selbstverständlich. Außerdem nimmt sich die Ärztin eine Stunde Zeit für die Patientinnen. Risiken werden genauestens erklärt und wenn diese aufgeklärt sind, steht einer Schwangerschaft nichts im Wege. Doch nicht nur mit der Schwangerschaft und Geburt muss sich auseinandergesetzt werden, sondern auch das Großziehen der Kinder ist ein Thema.

Zukünftig muss die Situation behinderter Frauen besser erfasst werden und Statistiken des Bundes geschlechterspezifisch ausgewertet werden. Die UN-Behindertenrechtskonvention muss sich darum sorgen, dass eine Betreuung und ein ungehinderter Praxiszutritt für Frauen verpflichtend werden. Schulungen von Beauftragten für behinderte Frauen in Wohneinrichtungen und Werkstätten bedürfen gezielter Förderung. Dass es zu einer Gefährdung des Kindeswohls kommt und im schlimmsten Fall das Kind von seiner Mutter weggenommen wird, darf nicht die Normalität darstellen. Assistentinnen müssen mehrere Stunden am Tag zu der erforderlichen Unterstützung von Mutter und Kind da sein. Nicht nur wickeln, füttern und spazieren gehen gehören zu deren Aufgaben. Denn wenn die Mutter mit ihrem Kind auf dem Boden zum Spielen sitzen, müssen Kind und Mama gehalten und das Spielzeug gereicht werden.

Eine Hilfe ist dringend erforderlich, nur so kann auch die Beziehung der Mutter zum Partner unter den gewachsenen Anforderungen, weiter Bestand haben.

Die Netzwerkfrauen in München haben sich seit mehr als zehn Jahren das Ziel gesetzt, der Bevölkerung klar zu machen, dass Frauen mit einer Behinderung genauso Bedürfnisse haben wie Nichtbehinderte und deren Kinderwünsche genauso ernst zu nehmen sind und in Erfüllung gehen sollten.

Weiterführende Informationen/Links:
http://www.netzwerkfrauen-bayern.de/


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