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Hilfe! Pubertät! Loslassen und dennoch Halt geben.

Die Verzweiflung ist groß und die „dicke Luft“ ebbt gar nicht mehr ab? Als Eltern ist man total out, peinlich oder gar bescheuert. Das ist wohl so, aber vielleicht hilft es, von den sieben größten Erziehungsfehlern zu wissen, die es laut Jan-Uwe-Rogge, einer der bekanntesten deutschen Erziehungsberater gibt. Hier seine Ratschläge unter dem Motto: was man vermeiden sollte…

Vermeiden Sie Perfektionismus und rennen Sie nicht einem unerfüllbaren, hohen Anspruch, jederzeit pädagogisch richtig zu handeln hinterher. Es schadet sowohl Eltern als auch dem Kind.

Gründe: Eltern, die zu hohe Erwartungen an sich selbst stellen, zu hohe Ziele setzen oder zu ungeduldig sind, werden immer wieder von Neuem enttäuscht werden. Sie suchen schnell den Schuldigen (wie beispielsweise der Lehrer, die Schule, bei den Medien etc.) was niemandem etwas bringt… Sie schaden aber auch dem Kind, denn die eigenen Versagensängste werden auf das Kind übertragen – es wird für das Scheitern der Erziehung in der Pubertät verantwortlich gemacht – ganz nach dem Motto: Aber früher, da warst Du so lieb… früher hat das alles prima funktioniert…

Vergleichen Sie nicht. Vergleichen! Egal wie die anderen Kinder in der Klassenarbeit abgeschnitten haben, egal wie sportlich ein Freund oder eine Freundin ist, egal wie schnell der Nachbar seine Hausaufgaben macht oder eb er freundlicher, hilfsbereite, engagierter ist, das eigene Kind ist genauso wie es ist. Kinder sind nicht vergleichbar, Sie sind einmalig und die Pubertät ist die Phase des sich-Findens. Geben Sie dem Kind Schutz und Sicherheit und lassen Sie es sich entwickeln – auch wenn es langsamer ist als die anderen.

Fehlende oder zu enge Grenzen sind kontraproduktiv. Jan-Uwe Rogge meint dazu:

In der Pubertät braucht Ihr Kind Ihre Erziehung mehr denn je. Es scheint paradox: Je mehr Ihr Kind gegen Sie rebelliert und je mehr es Sie ablehnt, desto mehr sollten Sie an der Beziehung zu Ihrem Kind arbeiten. Ziehen Sie sich nicht zurück. Geben Sie Ihrem Kind Halt. Mit klaren Grenzen und logischen, überschaubaren Konsequenzen. Wichtig dabei:Grenzen haben nichts mit Verboten oder Strafen zu tun – Grenzen müssen ausgetestet werden!

Grenzen für Ihre Kinder sind nicht dazu da, Macht zu demonstrieren, sie zu beherrschen oder ihren Willen zu brechen. Vielmehr sollen Sie Ihr Kind leiten, führen, unterstützen und anregen. Erwarten Sie nicht, dass Sie sich mit dem Grenzensetzen bei Ihrem Kind beliebt machen. Sie werden Streit und Zorn damit heraufbeschwören. Doch Ihr Kind MUSS sich an Ihnen reiben, um sich von Ihnen abnabeln zu können. Mein Rat für Sie: Ihr Kind wird die Grenzen austesten – das ist das Normalste auf der Welt. Kinder und Pubertierende lieben das Land hinter der Grenze. Sie müssen dabei auch einmal hinfallen. Doch wenn sie dann gestürzt sind, möchten sie in den Arm genommen und getröstet werden und nicht hören: „Ich hab‘s dir doch gesagt.“ Lassen Sie Ihrem Kind die Freiheit hinter der Grenze kosten, damit es lernt, selbst dafür Verantwortung übernehmen zu können. Ziehen Sie dann aber logische, überschaubare Konsequenzen, damit Ihr Kind merkt, dass Sie es ernst meinen.

Das Kind muss Konsequenzen erfahren, die dem Fehlverhalten entsprechen. Wenn es Regeln gibt, sollte man sich auch als Familie einigen, was bei einem Regelverstoß passiert. Und die Konsequenzen müssen lebbar und verständlich sein. Wenn Grenzen gesetzt werden, ohne bei Grenzüberschritt Konsequenzen einzufordern, sind sie nicht nur nutzlos, als Eltern verliert man sein Ansehen und das Kind lernt, dass es für sein Handeln keine Verantwortung übernehmen muss.

Keine Entscheidungen für das Kind treffen, wenn es das auch selbst kann. Man sollte das Kind nicht vor Erfahrungen bewahren wollen oder mit dem schönen Satz: „Ich will doch nur Dein Bestest.“ erschlagen. Jan-Uwe Rogge meint sogar, dass der, der durch Ziel getragen wird, niemals ins Ziel kommt.“ Also, machen lassen und lieber begleiten. Kinder sollen und dürfen sich ausprobieren.

Das Kind auch einfach mal in Ruhe lassen. Wie schnell es sich entwickelt, wie lange es für Entscheidungen braucht, wie diese Entscheidungen aussehen -alles dies passiert in seinem eigenen Rythmus. Es hilft nicht, zu drängeln, nachzufragen, Entscheidungen einzufordern, wenn es dazu nicht bereit ist. Geben Sie ihm Zeit und Ruhe, Rücken Sie ihm „nicht zu sehr auf die Pelle“, denn dann fühlt es sich nur bedrängt und zieht sich noch mehr zurück.

Dr. Jan-Uwe Rogges Botschaft:

Wer sich aus der Erziehung zurückzieht, zieht sich aus der Beziehung zu seinem Kind zurück!

„Mama, Papa, helft mir, aber zeigt mir nicht, dass ihr mir helft“. so würde laut dem Experten der Wunsch des Kindes lauten. Geben Sie ihm Halt durch die richtigen Grenzen, Regeln und durch gute Kommunikation! Ziehen Sie sich nicht zurück. Ihr Kind braucht Sie!

 


Pubertät: Loslassen und Haltgeben

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