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Hilfe, mein Kind ritzt sich!

Ritzen – und die verzweifelte Frage: was kann ich tun, wenn sich mein Kind selbst verletzt?

 

Was ist genau Ritzen?

Selbstverletzendes Verhalten (SVV) ist eine funktionell motivierte, direkte und offene Verletzung oder Beschädigung des eigenen Körpers, die sozial nicht akzeptiert ist und nicht mit suizidalen Absichten einhergeht.

In diesem Zusammenhang sind auch Begriffe wie “autoaggressives Verhalten” oder Selbstverstümmelung geläufig, d. h. Ritzer verletzen sich in der Tat selbst mit Absicht, sich Wunden und damit Schmerzen zuzufügen. Und dazu nutzen sie oft alles, was ihnen in die Hände kommt. Doch die Verletzungen mit einer Rasierklinge, einem Messer, einer Glasscherbe oder einem Flaschenverschluss sind am häufigsten. Auch Scheren und Nadeln dienen mitunter als Instrumente für die Selbstverletzung.

Nach offiziellen Statistiken verletzen sich 85 % der Ritzer an den Extremitäten, nur 15 % am Rumpf.

Aber was heißt das genau und worauf sollen Eltern achten?

Selbstverletzendes Verhalten und Ritzen startet immer zeitiger. Die Medien und prominente Beispiele wie Lindsay Lohan werden dafür oft als Grund angeführt. Kurzum: Selbstverletzungen scheinen in und schick zu sein. Das große Vorbild tut es, Freunde tun es vielleicht auch, in der Clique wird es besprochen – also warum nicht?

Die Zahlen

Inzwischen sind Fälle von 9-jährigen Ritzern bekannt. Bis zum 13. Lebensjahr zeigen ungefähr 3% der Kinder selbstverletzendes Verhalten und dann wächst die Zahl rapide an: Bei den 14 bis 17-jährigen ritzen sich ca. 29% der Altersgruppe. Die Zeitspanne, in der Kinder und Jugendliche sich ritzen kann ohne professionelle Hilfe sogar bis zu 15 Jahren betragen – also nichts, was man als kurzfristigen „Trend“ auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Aber: Schuld und Scham der Eltern sind völlig fehl am Platze. Ritzende Kinder zu haben bedeutet nicht, als Eltern versagt zu haben. Sorgen sollten sich Eltern aber auf alle Fälle machen, besonders wenn das Kind eine Aussprache über sein Ritzverhalten verweigert und dieses bereits über Monate andauert. Dauerhaftes Ritzverhalten ist dann nämlich ein Kriterium für eine psychische Erkrankung. D. h. professioneller Beistand ist dringend notwendig.

Generell gilt, je länger das Ritzverhalten andauert, desto größer ist die Gefahr, dass das Verhalten sich verselbständigt und ins gewohnheitsmäßige Verhaltensrepertoire des Kindes, bzw. des Jugendlichen aufgenommen wird. Vor allem, da durch den Schmerz des Ritzens körpereigene Opiate (Endorphine) freigesetzt werden, die zu suchtartigem Verhalten führen können.

Warnsignale frühzeitig erkennen

Ritzer wissen, dass ihr Verhalten nicht akzeptiert ist und versuchen deshalb ihr Verhalten zu verbergen. So weigern sich Kinder dann oft, bei warmen Temperaturen kurzärmelige T-Shirts oder Shorts zu tragen, oder baden zu gehen. Auch werden Kratzer und Narben oft mit Sportverletzungen oder den Haustieren begründet. Da hilft nur, an dem Thema dran zu bleiben und genau zu beobachten.

Aber was dann?

Entweder professionelle Hilfe (die Erfolgsquote liegt immerhin bei 70-80%) oder erst einmal Angebote zur Selbsthilfe nutzen und den Impuls des selbstverletzenden Verhaltens umlenken:

  • sich mit einem Gummiband schnicksen

  • Eiswürfel auf die Haut drücken

  • eine kalte Dusche nehmen

  • sich mit Sport abreagieren

  • statt zu schneiden, mit rotem Stift eine Linie auf die Haut malen

  • schreien

  • einen Boxsack benutzen

  • die Gefühle zu Papier bringen: Tagebuch schreiben oder malen

  • schnitzen statt ritzen: Ein Stück Holz oder Speckstein bearbeiten

Hilfreiche Adressen und Telefonnummern

Die Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche
0800 111 0 333

Die Nummer gegen Kummer – das Elterntelefon
0800 111 0 550

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