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Spezialthema

Heutige Kindererziehung in der Krise

Kindererziehung in der Kriese

 

Es gab mal die Zeit, wo die Kinder nach dem Frühstück hinausgeschickt wurden, herum tollten, spielten oder Arbeiten verrichteten, die die Eltern ihnen auftrugen. Sie trugen etwas zur Gemeinschaft bei und machten ihre Erfahrungen… mit der Natur, mit Gleichaltrigen, mit jüngeren Geschwistern und älteren Nachbarskindern. Sie entdeckten ihre Welt, auch wenn die nicht immer rosarot wie in Disney Filmen war, selbst und lernten so jeden Tag, wie sie sich in ihr bewegen können und dürfen…

The Gardener and the Carpenter: What the New Science of Child Development Tells Us About the Relationship Between Parents and Children

Heute zeichnet sich Erziehung vor allem durch Sorge und Angst aus. Sorge, dass aus den Kindern was wird… dass sie nicht gemobbt werden… dass sie den Anforderungen gewachsen sind… dass sie nicht vom Auto überrollt werden… dass sie nicht entführt werden… dass sich kein Verrückter ihnen nähert. Angst und Sorge, so Entwicklungspsychologin Alison Gopnik, sind in der aktuellen Kindererziehung vorherrschend, was zu enormem Druck führt – sowohl für die Kinder als auch für die Eltern.

Deshalb greifen Eltern in das Leben der Kinder ein – mit allerlei Frühförderungen, mit pädagogisch wertvollen Spielen, mit Besuchen bei Logopäden oder Sprachschulen. Und obwohl alle Eltern es so gut wie möglich meinen und ihre Kinder damit nur auf das spätere Leben vorbereiten wollen, tun sie nicht gut daran.

Es ist nicht unsere Aufgabe, den Geist unserer Kinder zu formen. Unsere Aufgabe ist es, Kindern die Chance zu bieten, all die Möglichkeiten zu entdecken, die die Welt bereit hält“ schreibt Gopnik in ihrem Buch „The Gardener and the Carpenter – What the New Science of Child Development Tells Us About the Relationship Between Parents and Children„.

Kinder müssen selbst entdecken können, was ihnen Spaß macht, worin sie gut sind… Ihr Persönlichkeit, ihre Talente und ihre Fähigkeiten sollten sich nicht gesteuert sondern frei entfalten. Greifen Eltern jedoch ein, ist das für die kindliche Entwicklung nicht hilfreich. Ganz im Gegenteil: es schränkt den Blick auf die Welt massiv ein, da sie sozusagen von den Eltern vordefiniert ist.

The principal goal of education is to create men who are capable of doing new things, not simply of repeating what other generations have done – men who are creative, inventive and discoverers.
Jean Piaget.

Kind spielt auf Baum

 

Experiment zu Spiel und Lernen – mit und ohne Eingreifen Erwachsener /
Instruction limits spontaneous exploration and discovery

Für diese wissenschaftliche Studie wurden zwei Gruppen von Vorschulkindern gebildet, die sich mit neuem Spielzeug beschäftigen sollten, was komplex war und aus Geräusch, Musik, Licht und Spiegelelementen bestand.

Die eine Gruppe wurde mit dem Spielzeug allein gelassen. In der anderen Gruppe griff ein Erwachsener in das Spiel ein und zeigte den Kindern, wie die Hupe funktionierte.
Anschließend wurden das Spielverhalten beider Gruppen beobachtet.

 

Fazit

In der ersten Gruppe entdeckten die Kinder alle Funktionen des Spielzeugs von allein und nutzt alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.
In der zweiten Gruppe spielten die Kinder ausschließlich mit der Hupe und wiederholten immer wieder, was der Erwachsene ihnen gezeigt hatte.

(Alle Details zur Studie hier: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3369499/

 

Ergo

Zurückhaltung scheint das Zauberwort. Kinder entfalten ein viel größeres Potenzial, wenn man ihnen die Chance lässt, ihre Welt eigenständig zu entdecken. D.h. all der Förderunterricht und die elterlichen Bemühungen stehen weit hinter dem Fakt, dass Kinder Zeit brauchen. Zeit, Kind zu sein und das möglichst frei von jedem elterlichen Eingreifen. Zeit für eine freie Entwicklung – auch für eine freie Entwicklung des Gehirns.

Hirnforscher Gerald Hüther meint dazu:

Damit das riesige Potential an Vernetzungsmöglichkeiten im Gehirn möglichst gut stabilisiert werden kann und die in unseren Kindern angelegten Talente zur Entfaltung kommen, müssen wir ihnen so lange wie möglich die Gelegenheit bieten, spielen zu können.

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Gopnik fordert: Eltern sollten keine Schreiner, sondern Gärtner sein

Kindererziehung ist wie einen Garten zu versorgen und Eltern sind wie Gärtner

…schreibt Gopnik. Aktuell sieht sie Eltern jedoch in einer Schreiner-Rolle.

 

Was das heißt?

Ein Schreiner widmet dem Material, mit dem er arbeitet zwar ein wenig Aufmerksamkeit; seine eigentliche Aufgabe ist es jedoch, das Material zu einem fertigen Produkt zu verarbeiten, das einem bestimmten Muster entspricht.

Es geht nicht um Präzision und Kontrolle und um das fertige Produkt bei der Erziehung eines Kindes.

Doch wenn wir als Gärtner arbeiten, kreieren wir einen geschützten, nährenden Ort, an dem Pflanzen wachsen und sich entfalten können.

the-gardener-and-the-carpenter

 


Zur Person Alison Gopnik:
Alison Gopnik (* 16. Juni 1955 in Philadelphia, Pennsylvania) ist eine US-amerikanische Hochschullehrerin für Psychologie an der University of California, Berkeley. Sie ist bekannt für ihre Forschung auf dem Gebiet der kognitiven und sprachlichen Entwicklung, insbesondere des kausalen Lernens und der Theory of Mind. Sie arbeitete u.a. an der Universität Oxford und wurde 2013 Mitglied der American Academy of Arts and Sciences.

The Gardener and the Carpenter: What the New Science of Child Development Tells Us About the Relationship Between Parents and Children


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