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Kolumnen

Gut Dung will Weile haben

Es klappert. Ich höre, wie an der Duschtür gerüttelt wird. Kurz danach ein helleres Geräusch, Plastik wird über den Fliesenboden geschoben. Jetzt kann es nicht mehr lange dauern und irgendeine Unmutsäußerung wird kommen. Noch ein Geräusch. Diesmal ein dumpfes Plumpsen. Ganz gewiss weint oder schreit es gleich. Dann kann ich ins Bad gehen – je nach Bedarf – trösten, beruhigen, Mut zu sprechen oder einfach nur hilfreich die rote Plastik zurecht rücken. All das ist möglich und sogar noch mehr. Neulich flog mir das Teil bereits ans Knie als ich vorsichtig eintreten wollte.

Ja, bei uns ist Töpfchenzeit.

Nicht, dass wir ernsthaft mit dem Training nach Plan begonnen hätten. Dafür sind die wilden fünfzehn Monate irgendwie ungeeignet. Aber die Liebe für das Töpfchen kam genau wie der Husten und die Rotznase aus der Kita direkt mit nach Hause. Plötzlich und unerwartet war die Plastikschüssel, die bis dato völlig unbeachtet im Keller stand, das interessanteste Ding überhaupt. Begeistert stürzen die stattlichen 12 kg darauf zu, klatschen völlig hingerissen in die Hände und versuchen, den eingepackten Windelpo darauf abzusetzen. Ein Versuch, der häufig, sehr häufig scheitert. Ist auch fast unmöglich, dass ein Töpfchen still stehen bleibt und ruhig auf das sich herab senkende Hinterteil wartet ohne weg zu flutschen. Kleine flutschige Scheißerchen eben…. Das Kind ist verärgert. Zu Recht. Der Stuhlgang ist eine wichtige und ernste Angelegenheit. Und ernsthafte Bemühungen sollte man unterstützen. Also, Kind nackt machen. Auf das Töpfchen setzen. Gut zureden. Warten.

Verdammt langweilig auf so einem Töpfchen. Deshalb bringe ich nach und nach Boote, Fische und Ringe aus dem Badespielzeugfundus. Aber irgendwann ist die Geduld hinüber und der dicke Zwerg will aufstehen. Schreien. Das Töpfchen klebt am Arsch, wie ärgerlich. Aber ich bin entzückt, da liegt doch wirklich eine „Kacka“  drin. Und spätestens jetzt hat sie mich erwischt, die Mama-Kacka-Begeisterungs-Orgie, die ich immer bei allen anderen für völlig idiotisch und überflüssig gehalten habe. Ich lobe aus voller Kehle und sehe wahnsinnig entzückt aus.

Das große Kind kommt hinzu und freut sich mit. „Baby, das hast du super gemacht! Ich bin stolz auf Dich.“ Und weiter mit der Frage an mich: „Stimmts Mama? Kacka ist wichtig. Das Essen wird die Kacka und das Trinken wird die Pulli.“ „Ja, mein Kind, so ist es.“  In der Tat macht sich das große Kind ähnlich wie der alte (wirklich alte) Großvater viele Gedanken zum Stuhlgang. Beide reden auch sehr gern, lang und ausführlich darüber – trotz der einundachtzig Jahre Altersunterschied. Lediglich der junge Mensch ist wesentlich kreativer beim Thema.

So kann ich mich noch gut erinnern, dass wir mit knapp zwei Jahren einmal auf dem Weg nach Hause waren und zum Bäcker wollten. Gerade als ich kurz vor Brezeln, Brot und Kuchen geparkt hatte, eröffnete mir der kleine Mensch, dass er dringend „Kacka“ müsste. Hhhmmm. „Dann müssen wir jetzt aber schnell nach Hause fahren.“ Eine Toilette war weit und breit nicht zu sehen. Das Kind aber an den Straßenbaum zu halten, kann ja auch nicht die Lösung sein. (Übrigens: eine Situation, die sich wie ein Deja-vu Woche um Woche, Monat um Monat wiederholt. Irgendwann muss das Kind immer aufs Klo und natürlich ist kein einziges in der Nähe, was mich manchmal in den Wahnsinn treibt.)

Und da hatte das Kind DIE Idee. „Mama, wir kaufen einfach zuerst ein Töpfchen und dann können wir ja ein Brötchen kaufen.“  Gar nicht dumm, dachte ich. Nur so ein Töpfchen ist leider nicht an jeder Straßenecke zu bekommen und generell sitzen Kinder auch nicht mit nacktem Popo am Straßenrand…. Wobei, manchmal wäre es eine denkbare Lösung. Wahrscheinlich würde man wegen Erregung der Öffentlichkeit verhaftet, aber die Not kann groß sein und macht bekanntlich erfinderisch.

Eine schöne Woche und stets ein stilles Örtchen in der Nähe wünscht Sabine Henriette Schwarz.


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