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Baby

Grenzerfahrungen mit Kuschelfaktor

Es ist Freitagmorgen, kurz nach 6 Uhr. Ich habe den warmen, feuchten Körper meines eben geborenen Babys im Arm, bin umringt von meiner Familie – meinen drei älteren Kindern und meinem Mann – die den Neuankömmling bestaunen und willkommen heißen.

Das war ein unbeschreiblicher Moment. Die Stunden der anstrengenden Wehen, die wachsende Müdigkeit und Erschöpfung waren plötzlich unbedeutend und weit weg. In mir waren nur Gefühle von Glück, Geborgenheit und Liebe. Ja, so hatte ich mir das beim vierten Mal gewünscht: in Ruhe zu Hause gebären mit der Unterstützung von Hebammen, die ich kenne, und zu wissen, dass meine Familie „da“ ist (wenn auch nicht direkt dabei).

Bereits zehn Jahre zuvor, als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, konnte ich mir nicht vorstellen, zur Geburt in ein Krankenhaus zu gehen. Die Vorstellung, bei so einem besonderen und intimen Akt, wie einer Geburt, von völlig fremden Menschen umgeben und deren Entscheidungen ausgeliefert zu sein, empfand ich als beängstigend. Die meisten Menschen in meinem Umfeld waren genau entgegengesetzter Meinung: „Nur in einem Krankenhaus bist du in dieser Situation wirklich sicher. Was ist, wenn unter der Geburt etwas Unvorhergesehenes passiert oder mit deinem Baby etwas ist?“ Für die nötige Expertise sorgten stets zwei Hebammen aus dem Geburtshaus, die mich in der Schwangerschaft, unter der Geburt und danach begleitet haben. Sie können in jedem Fall einschätzen, ob der Schwangerschaftsverlauf und die Entwicklung des Kindes normal sind und sie die Geburtsbegleitung ohne ärztliche Unterstützung verantworten können. Auch unter der Geburt gehen sie kein unnötiges Risiko ein, sondern begleiten einen bei Komplikationen rechtzeitig in ein Krankenhaus.

Bei meiner ersten Geburt kam es fast dazu, dass ich vom Geburtshaus in das nächste Krankenhaus hätte wechseln müssen. Der Kopf meines Sohnes hatte sich nicht richtig ins Becken eingestellt – er war ein sogenannter Sternengucker, weil sein Gesicht nach vorn zeigte, zudem hat er sein Kinn nicht zur Brust gezogen, sondern sein Hals war überstreckt. Er versuchte also, mit dem größtmöglichen Durchmesser seines Kopfes durch den Geburtskanal zu kommen. Das war natürlich sehr langwierig, aber die Hebammen entschieden sich, ihm noch etwas Zeit zu geben, da sein Herzschlag auch unter den Wehen stabil blieb. Sie meinten, im Krankenhaus hätten die Ärzte nicht so lange gewartet, sondern geschnitten. Nun, wir haben noch einmal die Kurve gekriegt und konnten im Geburtshaus (ganz ohne Schnitt) unser Vorhaben zu Ende bringen. Am Ende waren wir beide zwar sehr geschafft, aber ich war unendlich stolz.

Alle meine vier Kinder konnten in friedlicher Atmosphäre das Licht der Welt erblicken, bei zweien konnte ich danach sofort in mein eigenes Bett sinken. Was ein nicht zu unterschätzender Vorteil einer Hausgeburt ist! Mein zweites Kind kam ungeplant zu Hause auf die Welt, weil wir uns nicht schnell genug auf den Weg ins Geburtshaus gemacht haben. Immerhin kam noch die Hebamme mit Sack und Pack. Sie schaffte es immerhin noch, einen Handschuh überzustreifen, bevor sie mein Töchterchen auffing.

Tja, manche Babys haben es sehr eilig und andere wollen mit dem Kopf durch die Wand. So ist es jedes Mal wieder etwas ganz Besonderes und Aufregendes.

Anne

Grenzerfahrungen mit Kuschelfaktor – Eine Geschichte auf LeipzigKids

 


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