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Gewalttätige Frauen – wenn Männer Opfer werden

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Üblicherweise wird die Geschichte andersherum erzählt, aber defacto sind ca. 20% der Opfer häuslicher Gewalt Männer. Hilfsangebote sind oft ausschließlich auf Frauen zugeschnitten, doch was ist mit den Männern? Männer die entgegen der gesellschaftlichen Auffassung von Macht und Stärke von Frauen geschlagen, gedemütigt, sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt werden?
Der Hamburger Psychologe Thomas Krieg betreut pro Jahr etwa fünf bis sechs männliche Gewaltopfer. Er erklärt, wie Männer zum Opfer werden können…

Das ist jetzt nicht so, dass der typische Mann irgendwie klein ist und geschlagen wird, sich nicht wehren kann. Das sind Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, aus allen Bildungsschichten. Es sind irgendwo Menschen wie du und ich. Also, es ist jeder. Es sind Männer, die eigentlich sehr selbstbewusst sind, die gut im Beruf und im Leben irgendwo klarkommen und die dann vielleicht manchmal denken, sie dürften sich nicht wehren, wenn die Partnerin das irgendwie macht. Es sind Männer, die manchmal abhängig sind von Partnerinnen. Es sind Männer, die sich manchmal ’ne Partnerin gesucht haben, die ähnliche Muster wiederholen, wie es vielleicht früher in der Herkunftsfamilie passiert ist. Das sind ganz unterschiedliche Menschen.

Ihre körperliche Überlegenheit, die auch der Grund ist, warum solche Aussagen von Gewalt oft angezweifelt werden, hilft vielen Männern nicht weiter. Zudem ist es oft am Anfang nur ein Gemecker, der weibliche Wunsch nach Kontrolle, dann ein Kneifen und Schubsen, eine Ohrfeige – aber Gewalt, die von Frauen ausgeht, ist häufig auch gar nicht körperlich.

„Also Frauen, würde ich sagen, tendieren im Allgemeinen mehr zu psychischer Gewalt. Also eher noch zu Psychoterror, aber psychische und physische Gewalt – also manchmal ist es schwer auseinander zu dividieren.“ so der Psychologe.

Wie es anfängt, ist im Nachhinein schwer zu sagen. Wesentlich aber, dass Frauen häufig unzufrieden sind und eine Art Ventil brauchen.

Du bist nie für deinen Sohn da, du kümmerst dich nie. Oder: Du lässt mich immer irgendwo allein. Oder: Ich muss immer alles machen und bin immer alleine. Du erkennst mich nicht wirklich an. Also da gibt’s ganz, also vom Kleinsten bis ins Größte. Häufig eher so der psychosoziale Feinstaub, irgendwo in ner Beziehung, der dann irgendwo so niedernieselt. Manchmal ganz große Themen, wenn der Partner plötzlich arbeitslos ist und sich die Beziehung verändert oder wenn die Partnerschaft in die nächste Phase geht, wenn man sich verlobt oder wenn man geheiratet hat, oder wenn auf einmal irgendwie nen Kind da ist und sich dann ja irgendwie das Verhältnis zueinander ja irgendwo auch verändert nochmal und man auch anders miteinander umgehen kann.“

Und auch wenn die weibliche Gewalt oft anders aussieht, ist es für Männer nicht minder schlimm. Dennoch gibt es kaum Beratungsstrukturen und Hilfe.

Experten vermuten, dass jedes fünfte häusliche Gewaltopfer ein Mann ist. Andere gehen davon aus, dass Männer und Frauen gleichermaßen Opfer werden. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, da Männer viel öfter Schweigen aus Scham, Stolz und Ehrgefühl. So gibt es in Deutschland beispielsweise 430 Frauenhäuser, aber gerade einmal drei Männerhäuser…

Hilfe in Leipzig für Männer und Frauen:

Leipzig Koordinierungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking (KIS)
kontakt@kis-leipzig.de
www.kis-leipzig.de
www.gegen-gewalt-leipzig.de
Karl-Liebknecht-Str 59
04275 Leipzig


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