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Kolumnen

Gesucht: Schöne Kita mit netten Menschen, Spaß und Struktur

Kita Gesucht

Eigentlich gibt es viel zu erzählen. Ich könnte über Urlaub berichten, über anstehende Weihnachtsplanungen (damit wir nicht immer die allerletzten sind), über Kürbisse und unzählige Kastaniensammelaktionen, über Spielplatzunfälle und über einen Krankenhausaufenthalt. Aber all das treibt das Mutterherz gerade nicht so um wie das Thema: Kita. (Wie ein Damokles-Schwert hängt es jeden Morgen über uns. Es treibt uns am Nachmittag um und wir reden darüber abends in der Dunkelheit – ach ja, es könnte schöner sein und deshalb muss ich mir etwas Luft verschaffen. Vielleicht gibt es ja Ideen oder Leidensgenossen oder beides?)

Da dachte ich, wenn man Schwangerschaft, Geburt, Geschwister Zusammenführung und Kitaplatz-Suche hinter sich gebracht hat, wenn das Haus schön ist und die Erzieher liebevoll, authentisch und wissend sind, steht einer fröhlichen Kindheit als Familie nichts im Weg. Schließlich soll doch die Kindheit so frei wie nur irgend möglich sein.

Voller Neugierde.
Voller Entdeckungen.
Mit viel Lachen und Spielen.
Mit viel Singen und Basteln.
Mit Ausflügen, Projekten und Sport.

Und ja, ganz nebenbei auch mit dem Lernen von Klogängen oder Anziehen.

Aber es kann anders kommen. Anders? Ja – in Form eines Neubaus, der eine dezente Fehlplanung ist und über so wenig Spielzeug verfügt, dass man gern sein eigenes Zu Hause plündern würde, um es ein wenig gemütlicher zu gestalten. Und noch einmal Ja – denn ein fantastisches offenes Konzept kann einen erwischen – wobei ich hier niemandem zu nahe treten will. Offen kann auch wunderbar sein – zum Beispiel, wenn sich das Kind zwischen Musik, Theater, Sport oder Kuchen backen entscheiden kann. Offen ist aber ganz und gar schrecklich und bringt mich an den Rand des Wahnsinns, wenn alle Kinder von früh bis nachmittags nur schreiend durch die Gegend springen, immer auf der Suche nach irgendeiner Beschäftigung, die es aus Mangel an Material und leider auch wegen einem dominant, passivem Personal nicht gibt. Dabei habe ich sie auch anders kennengelernt: die Erzieher, die mit Herzblut und Leidenschaft die Welt erklären, die mit Fantasie Blättergirlanden basteln und das ABC-Tanzen. Erzieher, die geliebt wurden und wichtig waren – für die Kinder und die Eltern. Auch wir hatten einst diese Spezies im Kita-Haus und waren glücklich mit ihnen. Doch jetzt? Sie sind verschwunden. Das offene Konzept und der schreckliche Neubau haben sie scheinbar vertrieben.

Heute regiert hauptsächlich eine menschliche Ansammlung an Untätigkeit – so als ob die Leistung darin besteht, die schreienden, tobenden Kinder für die Zeit des Dienstplans einfach nur auszuhalten, möglichst ohne Katastrophen. Denn, wenn das Angebot gering und der persönliche Zuspruch ebenso, kommen Kinder auf die merkwürdigsten Ideen. Wieviel Gartensand in Klo und Waschbecken braucht man eigentlich bis das Wasser hoch kommt? Schmecken auch die kleinen Zwiebeln, die in der Erde sind und mal Blumen werden sollen? Wie sehr muss man an einer Kapuze ziehen bis sie abreißt und wie lange Zubeißen bis der andere alle Zähnchen auf dem Arm hat? Was macht der andere, wenn ich ihn ins Klo schubse und er wie ein Käfer im Klobecken hängt? Und wieviel Steine passen in eine Windel, wenn man sie von oben hineinstopft?

Als Eltern geht man hinein in diesen Bau der Kinderaufbewahrung mit einem großen Bauchschmerz und einem noch größeren schlechten Gewissen. Auf keinen Fall will man die kleinen Menschen in diesem Chaos zurücklassen. Und übrigens, bei aller hochgelobten Freiheit und dem kindlichen Drang nach Selbstverwirklichung und Auswahl, auch die meisten Kinder wollen nicht in diesen optimistisch grün gestrichenen Wänden bleiben. Wie konnte das nur passieren?

Dabei haben wir es wirklich versucht mit Gesprächen und Vorschlägen, immer wieder. Ja, es gibt eindeutig Mängel. Man sieht das ein. Aber man braucht Zeit dies abzustellen. Viel Zeit. Scheinbar unendlich viel Zeit, denn das Chaos wächst, die Strukturen, die einst aus einem Guten-Morgen bestanden, einem Spaziergang, dem Essen, Schlafen und Morgenkreis, sind längst zerbröselt wie ein staubtrockenes Brötchen, das man zu lange in der Hosentasche hatte. Selbst ein kleines Auf-Wiedersehen gehört nicht zum Standard. Warum nicht? Das ist nicht zu eruieren…

Aber was tun? Im Vertrag steht nichts von guter Betreuung (wobei ja auch GUT sehr unterschiedlich ausgelegt werden kann). Im Vertrag steht nichts von Gefühlen und Herzeleid. Acht Stunden sind acht Stunden. Was machen, wenn man geredet, auf Änderung gehofft hat und so wenig passiert, dass man am liebsten selbst die Ärmel hochkrempeln oder mit den Füßen wütend aufstampfen würde? Wie sich verhalten, wenn die Mäuse nicht da sein wollen und man selbst sie auch nicht dort belassen möchte? Wie Einfluss nehmen? Wo und wie Alternativen finden? Schließlich gibt es eindeutig zu viele Kinder und zu wenig Plätze. Gibt es eine Lösung?

Suche: Schöne Kita mit netten Menschen als Wegbereiter
Biete: Neugierige, liebe Kinder – leider aktuell sehr unglücklich und unausgeglichen

Ihre Sabine Henriette Schwarz


Übrigens, Aufgaben und Ziele für eine Kita sind im Gesetz festgeschrieben – zwar sehr allgemein, aber immerhin….

Gesetz über Kindertageseinrichtungen in der Fassung der Bekanntmachung vom 15. Mai 2009 (SächsGVBl. S. 225), das zuletzt durch Artikel 7 des Gesetzes vom 29. April 2015 (SächsGVBl. S. 349) geändert worden ist:

§ 2
Aufgaben und Ziele

(1) Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege begleiten, unterstützen und ergänzen die Bildung und Erziehung des Kindes in der Familie. Sie bieten dem Kind vielfältige Erlebnis- und Erfahrungsmöglichkeiten über den Familienrahmen hinaus. Sie erfüllen damit einen eigenständigen alters- und entwicklungsspezifischen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag im Rahmen einer auf die Förderung der Persönlichkeit des Kindes orientierten Gesamtkonzeption. Der Sächsische Bildungsplan ist die Grundlage für die Gestaltung der pädagogischen Arbeit in den Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege. Dieser wird vom Staatsministerium für Kultus erstellt und weiterentwickelt.

(2) Der ganzheitliche Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag dient vor allem

1. dem Erwerb und der Förderung sozialer Kompetenzen wie der Selbständigkeit, der Verantwortungsbereitschaft und der Gemeinschaftsfähigkeit, der Toleranz und Akzeptanz gegenüber anderen Menschen, Kulturen und Lebensweisen sowie gegenüber behinderten Menschen und
2. der Ausbildung von geistigen und körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten insbesondere zum Erwerb von Wissen und Können, einschließlich der Gestaltung von Lernprozessen.
Alle Mädchen und Jungen sind in ihren individuellen Wesens- und Interessenlagen wahrzunehmen. Diese sind angemessen zu berücksichtigen, um Benachteiligungen entgegenzuwirken und die Chancengleichheit zu fördern. Die Arbeit in den Einrichtungen soll sich am aktuellen Erkenntnisstand der Pädagogik, der Entwicklungspsychologie und Entwicklungsphysiologie sowie der Familien- und Bildungsforschung orientieren.

(3) Die regelmäßige Gestaltung von Bildungsangeboten in Kindertageseinrichtungen hat dem Übergang in die Schule Rechnung zu tragen. Dazu wird im Kindergarten zur Schulvorbereitung, insbesondere im letzten Kindergartenjahr (Schulvorbereitungsjahr), vorrangig der Förderung und Ausprägung sprachlicher Kompetenzen, der Grob- und Feinmotorik, der Wahrnehmungsförderung und der Sinnesschulung Aufmerksamkeit geschenkt. In diese Vorbereitung sollen im letzten Kindergartenjahr die für den Einzugsbereich zuständigen Schulen einbezogen werden. Die Kosten für zusätzliches Personal zur Umsetzung der Schulvorbereitung werden den Gemeinden vom Freistaat Sachsen im Rahmen des Landeszuschusses nach § 18 Abs. 1 erstattet. Das Staatsministerium für Kultus wird ermächtigt, das Nähere zum Inhalt und zur Organisation der Schulvorbereitung durch Rechtsverordnung zu regeln.

(4) Die Integration der Kinder mit Behinderungen und der von Behinderung bedrohten Kinder in Kindertageseinrichtungen ist zu fördern. Ihrem spezifischen Förderbedarf ist zu entsprechen.

(5) Kindertageseinrichtungen im sorbischen Siedlungsgebiet sollen dazu beitragen, dass die sorbische Sprache und Kultur vermittelt und gepflegt und sorbische Traditionen bewahrt werden.

(6) Kindertagespflege als Alternative zur Förderung in Kindertageseinrichtungen unterstützt und ergänzt die Bildung und Erziehung des Kindes in der Familie.


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