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Freundschaften und Arbeiten – es könnte einfacher sein

Freundschaft Arbeiten

Früher war alles besser. Früher hatten wir noch viel Zeit. Früher konnte man sich spontan verabreden, ist mit seinen Freunden um die Häuser gezogen, hat nächtelang gequatscht, bei wilden Küchenpartys abgehangen. Aber mit dem ersten richtigen Job hat sich leider nicht nur die Zeit zwischen 9 und 17 Uhr verändert. Auch unser Verhältnis zum Feierabend und Wochenende hat sich geändert. Proportional zum Wachstum des Kontostands sinkt die Zeit, über die wir frei verfügen können. Wir sitzen so lange im Büro und abends dann erschöpft auf der Couch. Freunde?

Freunde sind etwas, was man pflegen muss. Man braucht Zeit für das Reden und das Fühlen. Man muss Muße haben. Und manchmal stellt man erst in Ausnahmesituationen fest, dass die Freunde verloren sind, so wie Autor Max Liu vom The Guardian, der in „Is it just me… or does everyone lose friends in their 30s?“ erklärt, dass er kurz vor seiner Hochzeit keinen Trauzeugen finden konnte. Der Grund: alle eigenen Buddies waren mit der Zeit verschwunden, denn er war beschäftigt – mit dem Job, der Freundin oder was auch immer. Ergo: es war niemand mehr da. Herr Liu ist dabei keine Ausnahme. Wer kennt das nicht. Man versucht sich zu verabreden, zückt Kalender, schaut auf seine Termine und verschiebt mitunter von einer Woche auf die Nächste. Aber die gewünschte Lücke im Terminplan findet sich schwer bis gar nicht. Manchmal will man einfach nur seine Ruhe, die Beine hoch legen und nichts hören oder sehen. Der Arbeitstag war stressig genug und zerrt an der Kraft.

Psychologen Franz Neyer, Direktor des Instituts für Psychologie der Universität Jena, meint dazu: „Zunächst geht mit dem Eintritt ins Berufsleben ein Gewinn an sozialen Beziehungen einher. Man lernt ja neue Leute kennen, mit vielen entwickelt man auch persönliche Beziehungen und einigen auch Freundschaften. Es kommen eher Freundschaften hinzu, als dass es weniger werden.“ Der Job killt die Freundschaften also nicht von Anfang an.

Aber: laut Neyer schrumpft bei den meisten Menschen der Freundeskreis ab 30 sowieso kontinuierlich. Eine normale Entwicklung und „liegt daran, dass Freundschaften im jungen Erwachsenenalter eine andere Funktion haben.“ Sie bieten Orientierung und Selbstbestätigung. „Da geht es sehr stark darum, sich zu vernetzen, sich weiterzubilden oder sich auf neue soziale Rollen einzustellen, die später in der Familie, in der Partnerschaft, aber auch in anderen Lebensbereichen übernommen werden“, sagt er.

Später brauchen wir Freunde nicht mehr so sehr. Man hat seinen Platz gefunden und weiß, wie die Welt funktioniert. Das hat zur Folge, dass wir bei Freunden eine immer stärkere Auswahl treffen. „Je älter die Leute werden, umso stärker wählen sie zwischen den Personen im sozialen Netzwerk aus und achten sehr viel mehr auf die emotionalen Qualitäten von Beziehungen“, sagt Neyer. Wenn man älter ist, schaut man, wer einem gut tut und wer nicht. Demnach macht nicht der Job die Freundschaften kaputt, sondern Prioritäten ändern sich.

Nunja – mit weniger Job und mehr Zeit wäre es für Freundschaften einfacher… wir müssen also sortieren und organisieren, damit es eine Lücke für Menschen gibt, die uns wirklich wichtig sind.


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