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Frauen dürfen wütend und neidisch sein

Frauen dürfen wütend und neidisch sein

Auch wenn man es sich selbst nur ungern eingesteht, aber jeder kämpft mit seinen kleinen Dämonen. Jetzt in der Zeit von Lichterglanz und Familienidylle vielleicht mehr denn je. Aber das ist ok – manchmal muss man sich sein Gefühlschaos einfach von der Seele schreiben, damit es einen nicht auffrisst und damit es weiter gehen kann… so wie hier:


Wart ihr schon einmal so wütend, dass euch die Tränen in die Augen gestiegen sind? So wütend, dass ihr euren Zorn am liebsten am nächstbesten Unbeteiligten ausgelassen hättet, aus der reinen Hoffnung heraus euch dadurch etwas Erleichterung verschaffen zu können?

Diese Art der Wut brodelt gerade in mir. Brennend, heiß und ungewollt. Eigentlich dachte ich schon zwei Mal, ich hätte diese Phase des Trauerns bereits hinter mir gelassen. Eigentlich dachte ich, ich könnte mich langsam wieder ehrlich mit Schwangeren und frisch gebackenen Mamas freuen.

Doch das war ein Irrglaube. Beide Male musste ich festzustellen, dass die negativen Gefühle anschließend mit nur noch größerer Wucht zurück kehrten. Mittlerweile fühle ich nicht nur diesen Stich in der Brust, wenn andere fröhlich von ihrer Schwangerschaft berichten, Fotos von ihren Neugeborenen posten oder Bilder ihrer Babybäuche teilen. Ich werde wütend. Auf was und wen kann ich nicht mal mit Bestimmtheit sagen. Auf die glücklichen Mamas, weil sie haben, was ich verloren habe. Auf meinen Körper, weil er mich verraten hat und weil er mir gerade verwehrt, was ich mir so sehnlich wünsche. Oder gleich auf das ganze Universum, weil es so schreckliche Dinge wie eine Fehlgeburt oder unerfüllten Kinderwunsch überhaupt zulässt.

 

Tut mir Leid, dass dies kein schöner Text ist, doch ich weiß sonst einfach nicht wohin mit mir.

Es ist diese Wut, die in einem kocht, die mich wünschen lässt, ich könnte sie an irgendjemandem auslassen. Die Schuld bei irgendjemandem abladen, ihn schütteln und anbrüllen. So lange bis die Wut endlich nachlässt. Bis irgendetwas besser wird. Doch diesen einen Sündenbock gibt es nicht.

Es ist kein schönes Gefühl. Es ist hässlich und steht mir überhaupt nicht. Ich halte mich für einen Menschen, dem Gerechtigkeit und Empathie sehr wichtig sind. Was zur Zeit allerdings in mir abgeht hat weder mit dem einen noch mit dem anderen etwas zu tun.

Allein der flüchtige Gedanke, jemand aus meinem näheren Umfeld könnte vor mir schwanger werden, verknotet mein Innerstes. So viel Neid und Missgunst…

schwangerschaft-schwarz-weissNormalerweise würde ich Situationen vermeiden, die diese Gefühle in mir auslösen. So hatte ich es mir anfangs zumindest fest vorgenommen. Doch wie „schützt“ man sich vor Schwangeren oder Baby-Themen? Als Mama-Bloggerin kann man kein soziales Netzwerk öffnen ohne nach kurzer Zeit mit Babybäuchen und Neugeborenen-Plüsch konfrontiert zu werden. Das ist nun mal Teil des Pakets.

Soll ich diese Medien nun meiden, mich abkapseln und verkriechen? Aber wäre das wirklich eine Lösung? Das würde nichts an der Realität ändern. Im realen Leben führt auch kein Weg an Schwangeren, Babys und kleinen Kindern vorbei. Wozu also die Mühe? Die Tatsache, dass man sich versteckt, macht das Geschehene nicht ungeschehen, die eigenen Gefühle nicht weniger real und schmerzhaft.

So lebe ich also weiterhin mit den Neuigkeiten von Schwangerschaften, Ultraschallbildern, Morgenübelkeit, Glückshormonen und durchwachten Nächten mit dem Neugeborenen. Das alles ist ein Teil vom Leben, den ich weder ausschließen kann noch will. Die Dinge, die ich gerade nicht ertragen kann, sind genau die Dinge, die ich mir ersehne: Ich will einen positiven Schwangeschaftstest in meinen Händen halten. Ich will einen Ultraschalltermin, bei dem die Welt vor Glück stehen bleibt und nicht vor Schmerz. Ich will meinem Babybauch beim Wachsen zusehen dürfen.

Nur leider liegt die Erfüllung dieser Wünsche nicht in meiner Hand – oder nur sehr bedingt. Und ich glaube, gerade diese Machtlosigkeit ist der Kern meines aktuellen Gefühlschaos.

Ich wünschte nur, diese Erkenntnis würde mich auch tatsächlich weiterbringen.
Ich wünschte, ich wäre nicht so zornig, reizbar und verletzlich wie in letzter Zeit.
Ich wünschte, ich wäre wieder nachsichtiger mit meinem Umfeld und mit mir selbst.
Ich wünschte, ich hätte nicht die Umstandsklamotten wiederentdeckt, die ich im Sommer aus lauter Euphorie gekauft hatte.
Ich wünschte, ich könnte wieder mit mehr Zuversicht in die Zukunft schauen.
Ich wünschte, ich wäre bald wieder mein altes Selbst.
Ich wünschte, ich wäre schwanger.

(Mamianders)

 

Und auch wenn Ihr wegen etwas ganz Anderem sauer und traurig seid, wenn Ihr Euch unglücklich und irritiert fühlt, aufschreiben hilft oft die Gedanken zu sortieren und etwas klarer zu sehen… Ein Versuch kann nicht schaden.


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