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Frau sein

Als Frau hat man es nicht leicht. Männern geht’s aber wohl genauso. Da soll man alles zusammen sein und noch viel mehr. Egal ob Superstar, Kurvenwunder, Muttertier, Spitzenköchin, Putzfee, Tanzmaus, Buchhalterin, Superheld, Sportskanone, Heimwerkerking, Versorger, XL-Liebhaber oder gefühlsbetonter Romantiker. Je nach Situation und Anforderung bitte eine perfekte Inszenierung seiner Selbst. Das Ich als multiple Persönlichkeit. Ich in verschiedenen Varianten, nur bitte nicht so psycho.

Aber was heißt es denn nun, Mann oder Frau zu sein? Können wir uns mal entscheiden, damit es ein wenig einfacher wird und man nicht ständig hin- und her hetzen muss zwischen den Ansprüchen der anderen? Die Anderen…. wahrscheinlich die Wurzel allen Übels. Sie fordern und verlangen, beeinflussen das, was wünschenswert, schön, vollkommen und erstrebenswert ist. Aber ist es das wirklich?

Als Mama von zwei Töchtern muss ich jetzt immer mehr „Mädchenfragen“ beantworten und ich gestehe, dass ich irritiert bin. Da werden mir im Kindergartenalter bereits Wünsche von „Schulter- und Bauchfrei“ Kund getan. Ich beantworte, ob man denn eigentlich auch ein richtiges Mädchen ist, wenn man noch keine Brüste hat und ich diskutiere, warum vielleicht die Leila einen rosa Lippenstift hat, das eigene Kind aber auf keinen Fall einen bekommt. In Zeiten von meetoo ist scheinbar die weibliche Vielfalt ein wenig verloren gegangen.

Ich erinnere mich noch, dass wir in der Schule auf keinen Fall auf weibliche Attribute und Accessoires reduziert werden wollten. Also entgegen den Kim Kardashians dieser Welt ging es nicht um die schmalste Taille, das wohlgeformteste Hinterteil, Megakunstwimpern und Schlauchbootlippen – ein Kunstkörper eingepasst in Spitze und auf High Heels vor der Menge posend. Man/Mädchen wollte ernst genommen werden – trotz oder gerade wegen der zerzausten Frisur, dem fehlenden Rosa, den überlangen, weiten Klamotten, die alles verhüllten und Raum für Fantasie ließen. Man wollte gern als Mensch mit klarem Verstand gesehen werden, cool sein und nicht als Barbie in echt (wäre auch sinnlos da das Hirn zu fokussieren, ist es aber bei manchen Instagram-Vorbildern auch). Deshalb hat man auch nie und nimmer zugegeben, beim Frisör gewesen zu sein oder sowas wie Selbstbräuner zu benutzen – alles Natur. Coole Natur eben, in der es bestimmt keine Schminkvideos und Nagelstudios gab (ich kann mich zumindest nicht erinnern). Heute scheint Coolness und Verstand auf dem Rückzug, stattdessen propagierte Sexyness, die laut Blumenberg in seiner Beschreibung des Menschen „als kommunikative Chance zum Geschäft wie zum Spiel“ gesehen wird. Ein derber Schlag in die Magengrube des Feminismus….

Ich will aber nicht, dass meine Mädchen sexy sind. Sie sollen einfach nur normale Mädchen sein und ihr Hirn benutzen – dafür ist es da. Viel mehr Räubertochter und ein wenig Dschungel statt Verführung, Betörung und Sexyness. Schließlich sind Frauen doch so viel mehr…

Du kannst alles sein, was Du möchtest…“ sage ich immer, wenn die Mädchen fragen und genauso meine ich es auch.

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

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