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Flüchtlingskinder und die Schulpflicht

Flüchtlingskinder und die Schulpflicht

Der Strom an Familien, die mit ihren Kindern nach Deutschland kommen reißt nicht ab. Damit sind laut Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) wohl 60 Prozent der ankommenden Flüchtlinge im schulpflichtigen Alter.

„Die Bundesregierung hat die Dimension zu spät erkannt.“

Dieses Jahr beantragten in den ersten sechs Monaten knapp 160.000 Menschen in Deutschland Asyl. 55.000 unter ihnen waren minderjährige Flüchtlinge. Jetzt zum Jahresende kommt man auf über 800.000, unter ihnen wohl geschätzt 150.000 bis 200.000 minderjährige Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter. Die Menge der Kinder bringt Bildungseinrichtungen an ihre Grenzen. Der Bundespräsident, Josef Kraus, des Deutschen Lehrerverbands beklagt:  „Die Bundesregierung hat die Dimension zu spät erkannt.“ Es fehlt an Lehrern für Übergangsklassen, Dolmetschern sowie therapeutischen Kräften, um auf die traumatisierten Kinder einzugehen.

In allen Bundesländern generelles Schulrecht

Selbst wenn die Kinder und Jugendlichen einen unsicheren Aufenthaltsstatus haben, besteht für sie eine Schulpflicht sowie die das Recht, eine Schule zu besuchen. Dazu Gabriel: „Bildung sei ein Menschenrecht, vor allem aber ein Kinderrecht.“ „Wer Flüchtlingskindern heute den Schulbesuch verwehrt, darf sich morgen nicht über Integrationsprobleme wundern“, sagte Grünen-Chefin Simone Peter dazu dem „Handelsblatt“.

Dennoch gibt es Ausnahmen: In Berlin zum Beispiel unterliegen ausländische Kinder nicht der Schulpflicht, wenn sie kein Aufenthaltsrecht und keine sogenannte Duldung besitzen.   Ab wann die Kinder und Jugendlichen die Schule besuchen, ist in den Ländern ganz unterschiedlich. In Thüringen müssen Kinder zwischen 6 und 16 Jahren spätestens nach drei Monaten in die Schule, in Baden-Württemberg gilt die Pflicht nach sechs Monaten. Damit soll vermieden werden, traumatisierte Kinder sofort nach ihrer Ankunft zum Schulbesuch zu verdonnern. Hamburg setzt mit dem Unterricht bereits in der Erstaufnahme-Einrichtung an. Meistens verteilen die Behörden die Kinder jedoch erst auf die Schulen, wenn diese die Erstaufnahme verlassen haben und einer Kommune zugewiesen wurden.

Vorbereitungsklassen und Sprachlernklassen

Mit Vorbereitungsklassen oder Sprachlernklassen sind viele Schulen auf ausländische Kinder und Jugendliche vorbereitet. Das kann schulintern passieren oder schulübergreifend. Besonders Hauptschulen in größeren Städten haben viele Erfahrungen mit ausländischen Schülerinnen und Schülern. Manche Schulen binden Kinder ohne Deutschunterricht von Anfang an in den normalen Unterricht ein. Besonders schwer ist es dann, wenn die Kinder und Jugendlichen in ihrer Heimat noch nie eine Schule besuchten und nicht lesen und schreiben können.

Die Lehrerinnen und Lehrer sind auf den Rückhalt in der Gesellschaft angewiesen, denn sie seien aktuell laut Simone Fleischmann, der Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV) hohen Belastungen ausgesetzt. Sie bräuchten einerseits Geduld und Empathie im Umgang mit den Kindern. Andererseits müssten sie eigene Strategien entwickeln, um mit der emotionalen Ausnahmesituation zurechtzukommen.


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