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Familienpolitik in Deutschland ist nicht für viele Kinder gemacht

Im ersten Teil berichteten wir bereits über Großfamilien in Deutschland. Die derzeitige Familienpolitik macht es Großfamilien zusätzlich schwer. 15% aller Familien sind Großfamilien, d. h. jedes vierte Kind lebt in einer. Doch laut Bundesgeschäftsführer des DFV, Siegfried Stresing geht es der Familienpolitik nicht um ein gutes, funktionierendes, tägliches Miteinander. „Im Moment scheint es der Familienpolitik nur darum zu gehen, Eltern nach der Geburt ihres Kindes wieder schnell an den Arbeitsplatz zurückzubekommen“. Doch meist sind die Kinder die Leidtragenden. Deshalb verzichten viele Eltern aus finanziellen Erwägungen auf weitere Kinder.

Hilfreich wäre eine deutliche Steuerentlastung ab dem dritten Kind, ähnlich wie in Frankreich. Und die Familienverbände fordern mehr Gerechtigkeit bei den Sozialabgaben.

„Wer fünf Kinder erzieht, kann nicht die gleichen Beiträge in die Kranken- und Rentenversicherung einzahlen müssen wie Menschen, die kein oder nur ein Kind erziehen“, so Dr. Klaus Zeh.

Übrigens: Eine vom Bundesministerium für Familie beauftragte Studie über Mehrkindfamilien zeigt, dass Müttern mit vielen Kindern ihre Berufstätigkeit annähernd genauso wichtig nehmen wie Mütter mit wenigen Kindern. Aber leider stimmen die Bedingungen, um den Job auszuüben, oft nicht.

 

Erwerbstätigenquoten (ausgeübte Erwerbstätigkeit) von Müttern mit jüngstem Kind unter 15 Jahren nach Zahl der minderjährigen Kinder

 

Dauer der familienbedingten Erwerbsunterbrechnungen von Frauen, differenziert nach Kinderzahl

 

Mütter mit vielen Kindern bleiben also zwangsläufig zu Hause?

In Deutschland verstärkt und die Altersarmut schlägt zu. Insgesamt arbeiten 17 Prozent aller Mütter mit drei Kindern in geringfügigem Umfang, 23 Prozent gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach, nur neun Prozent sind in Vollzeit erwerbstätig. Von den Müttern mit vier und mehr Kindern arbeiten zehn Prozent in geringfügigem Zeitumfang, weitere zehn Prozent in Teilzeit, sechs Prozent in Vollzeit. D.h. die Bedingungen zur regelmäßigen Arbeit sind schlecht.

Ganz anders sieht es dagegen in Schweden und Dänemark aus. In beiden Ländern – die sich insgesamt durch eine ausgesprochen hohe Erwerbsbeteiligung von Müttern auszeichnen – gehen Frauen mit drei und mehr Kindern etwa genauso häufig einer Beschäftigung nach wie Frauen mit nur einem Kind. Auch in den Niederlanden, Finnland, aber auch Portugal und Polen geht die Erwerbstätigenquote von Müttern mit drei und mehr Kindern im Vergleich zu Müttern mit zwei Kindern nur moderat zurück.

 

Müttererwerbstätigkeit nach Kinderzahl im europäischen Vergleich

 

Wie muss man sich das Leben mit vielen Kindern in Deutschland vorstellen? Wie sieht der Tag aus?

Als Kind hatte ich eine Freundin, die mit drei Geschwistern groß wurde. Ich fand es großartig. Überall war etwas los, immer war jemand da zum Spielen und zum Zeitvertreib. Man war nicht allein. Als Mutter von zwei Kindern kann ich mir das heute nicht vorstellen. Scheinen doch alle Ressourcen am Limit….

Respekt, wenn man sich heute anders entscheidet und trotz der wenig hilfreichen Rahmenbedingungen viele Kinder großzieht. Da möchte man doch gern mal, dabei sein…

Großfamilie mit sieben Kindern, ein Kleinunternehmen– wie geht das?

„Um den Alltag zu meistern braucht es viel Zeit, Liebe und Organisation – auch beim Geld. Großfamilie heißt nie Langeweile und manchmal Chaos.“


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