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Familie und Ehe können nicht glücklich machen?

Gestern haben wir uns mit den Vorstellungen von Mariam Irene Tazi-Preve näher beschäftigt. Sie stellt fest: das System der Kleinfamilie funktioniert in unserer modernen Gesellschaft einfach nicht mehr. Sowohl der Gedanke, dass sich die Eltern lebenslang lieben werden als auch die Konstruktion, dass allein Vater und Mutter die Kinder großziehen mit all den Belastungen, ist unrealistisch und nicht zielführend. Ihrer Meinung nach ist schon allein die Vorstellung, dass Ehe und Familie glücklich machen, grundsätzlich falsch. Beides ist eigentlich dafür nicht verantwortlich….

 

Dafür vorgesehen war sie nie. Selbst die Römer, die vor 2000 Jahren die Ehe erfunden haben, machten sich da keine Illusionen. Sie sprachen ganz offen von einer „Quelle des Verdrusses“ für alle Beteiligten. Die Ehe war lediglich eine Möglichkeit für Männer, zu bestimmen, welche Kinder ihre rechtlichen Nachkommen sind. Die Begründungsszenarien variierten über die Jahrhunderte. Die Kirche stülpte ihre Sexualmoral darüber und die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe. Heutzutage rechtfertigen wir die Ehe mit der Idee der romantischen lebenslangen Liebe. Auch das Zwei-Kind-Ideal kommt nicht daher, dass man herausgefunden hat, dass das am besten für die Beteiligten ist. Sondern dass ein Volk zwei Kinder pro Frau braucht, um nicht auszusterben. Sie sehen, wir fangen beim Glück an und kommen bei der Bevölkerungspolitik raus. Aber so ist das: Wir glauben, Familie ist ein individuelles und intimes Thema. Das stimmt aber nicht. Es ist hochpolitisch.“

 

Das Wirtschaftssystem nutzt die Kleinfamilie für sich und bringt sie an die Grenzen der Belastbarkeit. Oberflächlich geführte Diskussionen zum Thema: Vereinbarkeit von Familie und Beruf ändert daran nichts grundsätzlich. Das Leiden in der „kleinsten Zelle“ geht nach Tazi-Preve weiter…

 

Mehr Infos gibt es im Buch „Vom Versagen der Kleinfamilie: Kapitalismus, Liebe und der Staat„. Hier legt sie historischen und ideologischen Ursachen des Dilemmas der Kleinfamilie dar, statt einem „individuellen Verschulden“ nachzugehen. Sie greift alle relevanten Themen pointiert und fachkundig auf und geht dabei u. a. auf das Drama der Mutterschaft oder die neue Vaterschaftsdebatte ein und zeigt, dass die Politik ihren Anteil hat und ihre Vorteile zieht.

 


Vom Versagen der Kleinfamilie: Kapitalismus, Liebe und der Staat

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