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Kolumnen

Fahrt ihr weg oder zieht ihr um?

Fahrt ihr weg oder zieht ihr um?

Seit Tagen überlege ich, vor der Waschmaschine stehend, was wohl für Wetter wird. Schließlich soll sich keiner todschwitzen, aber Frostbeulen wären auch nicht im Sinne des Erfinders. Die Wettervorhersage wechselt stetig und mit ihr wachsen die Wäschehäufchen. Für jede Person eins.

Wahrscheinlich muss man für alles gerüstet sein. Schließlich ist Ende März und da sollte man sich auf alles vorbereiten. In der Tat gab es bis dato immer von irgendetwas zu wenig (zu wenig T-Shirts, zu wenig Regensachen, zu wenig dicke Pullover), aber man kann ja daraus lernen. Leider hat das zur Folge, dass das Gepäck nicht weniger wird. Achso, ja, habe ich schon erwähnt? Wir fahren nur in den Urlaub. So eine kleine Auszeit vom Zuhause, von Arbeit und Kita. Ein wenig Wind um die Nase wehen lassen. Natur. Neue Menschen. Etwas Wasser für den Mann.

Aber irgendwie artet so ein kleiner Ausflug immer aus, und ich denke sehnsuchtsvoll an meine rollende Reisetasche zurück. Schnell am Abend etwas zusammen geworfen und am nächsten Morgen fix zum Flieger. Zwar hatte diese etwas unstrukturierte Packweise immer zur Folge, dass Lebensnotwendiges daheim blieb, aber meistens konnte man sich alle Utensilien noch irgendwie vor Ort besorgen (Ok, alle Badesachen in Malle zum Strandurlaub zu vergessen, war wirklich keine Glanzleistung. Die zu erstehenden Ersatzstücke zeichneten sich durch enorme Preise und ebenso enorme Hässlichkeit aus, aber was solls. Entgegen meiner Befürchtung, für diesen Presswurst ähnlichen, roten Batikbadeanzug Buhrufe zu ernten und verächtlich angeblickt zu werden, geschah gar nichts. Denn, unglaublich aber wahr, es gibt immer Leute, die einen noch schrecklicheren Geschmack zu Haute tragen. Aber zurück zum Familien-Frühlings-Urlaub.)

Ich habe inzwischen meine Häufchen fertig. Dazu lege ich auf den roten Sessel im Flur die Bettsachen und einen Zettel. „Babybett“ steht darauf, damit das arme kleine Kind nicht wieder auf dem Boden schlafen muss. Dann eile ich ins Bad und suche Handtücher, Waschlappen, fülle die Kosmetiktasche und merke schnell, dass sie nicht reichen wird. Also rein mit dem Rest in eine Tüte. Achja, eine kleine Reiseapotheke kann auch nicht schaden. Wenigstens etwas Fiebersaft und Hustensaft und Nasenspray und Halsbonbons und Kopfschmerztabletten. Die Tüte stelle ich neben die andere Tüte.  Dann fällt mir noch ein, dass wir ja ruhig eine Grundausstattung an Essen mit ins Ferienhaus nehmen könnten, um nicht alles neu einkaufen zu müssen. Eine Klappkiste muss her, die ich in die Garderobe stelle, direkt neben dem Berg an zwingend notwendigem Schuhwerk und einem Stapel von Jacken, Mänteln und Matschhosen. Puh, wie war das noch einmal mit dem spontan sein? Sich einfach mal treiben lassen?

Der gute Mann packt morgens nach dem Frühstück schier unglaubliche Mengen ins Auto (was ja leider auch nicht in fünf Minuten erledigt ist) und bestürzt müssen wir uns eingestehen, dass die Zeit, wo man den luftigen Platz im Auto für ein kleines Picknick, ein Mittagsschläfchen oder sonstigen angenehmen Zeitvertreib nutzen konnte, vorbei ist. Denn ungeachtet der Kinder, es gibt gar keinen Platz mehr. Alles voll.

Zwei Tage und mehrere Packvorgänge (raus aus dem Auto, rein ins Häuschen, raus aus den Taschen, rein in die Schränke) später:

Es regnet viel und zwei Matschhosen (für jedes Kind eine) sind eindeutig zu wenig. Auch zwei Paar Matschschuhe (natürlich, wie sollte es anders sein, für jedes Kind ein Paar) genügen nicht. Dazu war das große Kind reiten und fiel mit ihrem einzigen Winteranzug direkt in die Pfütze neben dem Roundpen (Die Oma, die später noch unseren Besuch erwartet, wird sich freuen. Schließlich wollen Großmütter gerne kleine saubere Enkel und keine matschig verkrusteten Lieblinge. Nunja, die Oma besuchen wir erst in ein paar Tagen, vielleicht kann man ja noch was ausbürsten.) Die Idee mit dem Essen war zwar gut, aber letztlich suchten wir dann doch den ersten Supermarkt auf. Spontane Essensgelüste waren nicht vorhersehbar.

Sieben Tage später:

Zu Hause stehen Taschen, Tüten, Rucksäcke und eine Klappkiste im Flur. Alles schreit danach, von Neuem ausgeräumt, sortiert, gewaschen und geordnet zu werden, aber ich habe keine Lust. Wäre schön, wenn das ganze Zeugs mit einem Zauber dahin eilen würde, wo es einst gewesen ist. Doch schon damals hat die „Walle, walle manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe – Nummer“ nicht funktioniert. Leider.

Zu gern würde ich diesen ganzen Vorbereitungs- und Nachbereitungszirkus jemand anderem überlassen und ich hatte dann nur das zumeist schöne Mittelstück: Urlaub und zwei aufgedrehte Kinder, die sich wie Bolle freuen und wie angestachelte junge Kaninchen durchs Ferienhäuschen springen….

Nun denn, ich muss mich der Schmutzwäsche widmen. Die wird leider im Flur liegend auch nicht besser.

Ein grandioses Wochenende,

Ihr/Eure Sabine Henriette Schwarz


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