Home  »  News   »   Familie und Leben   »   Erziehung in Eltern-Kind-Beziehungen und das Problem mit der Intuition

Familie und Leben News

Erziehung in Eltern-Kind-Beziehungen und das Problem mit der Intuition

stress_mutter_kind

Scheinbar gibt es in Elternkreisen zwei große Lager – 1. Die Elternratgeber-lesende Fangemeinde, die alles so gut wie irgend möglich machen wollen und sich dementsprechend durch die Literatur wühlen. Das Problem ist nur, Elternratgeber gibt es wie Sand am Meer und die Experten sind sich alles andere als einig, wie die perfekte, gelungene Kindererziehung aussehen kann. So testen Väter und Mütter das Gelesene, variieren, laborieren, experimentieren mit ihren Kindern, um doch noch den Königsweg zu finden. Dass diese Herangehensweise mit Beständigkeit und Sicherheit wenig gemein hat, sollte nicht überraschen.

Das 2. Lager besteht aus Intuition und Bauchgefühl, was eine durchaus sinnvolle Angelegenheit ist, wären da nicht erschwerende Umstände. Ohne abstreiten zu wollen, dass diese Herangehensweise zu wirklich guten Entscheidungen führen kann, so ist sie doch aktuell geprägt von einer Großelterngeneration mit Kriegserfahrungen und einer Elterngeneration, die vor allem strikt auf Disziplin und „gute Manieren“ gesetzt hat. Fraglich ist deshalb, inwiefern unsere Intuition zum derzeitigen Zeitpunkt – also in der jetzigen Generation von Eltern – überhaupt noch in der Lage zu guten und beziehungsförderlichen Entscheidungen ist.

So steht fest, dass gestresste Menschen (und das sind leider die meisten) nicht im ethischsten und philosophischsten Sinne agieren. Sie verhalten sich in der Regel ganz platt nach dem, was in der Vergangenheit am besten funktioniert hat und was man kennt– einem Muster.

Kommt man also von der Arbeit nach Hause und die Kinder „funktionieren“ nicht wie gewünscht, gerät man schnell in die Rolle eines Chefs, der Ansagen macht. Dann kommen Sätze, wie zum Beispiel:

Jetzt schrei nicht so. Ich habe Dir gesagt, Du sollst nicht schreien. Das ist aber das letzte Mal, dass Du so rumgeschrieen hast.

Oder

Beeil Dich. Komm, wir müssen uns etwas beeilen. Jetzt bummel nicht so. Mach ein bisschen schneller. Jetzt beeil Dich endlich, sonst mach ich Dir Beine.

Dabei haben solche Aussagen wenig mit unserem Bauchgefühl und der Intuition zu tun, die beide möglicherweise leise argumentieren: „Nunja, das Kind ist müde. Es war den ganzen Tag in der Kita.“ Oder „Ein bisschen rumschreien gehört doch dazu. Schließlich hat man das selbst nicht anders gemacht.“

Oder noch ein Beispiel: die Mutter und das schreiende Kind in der Straßenbahn, die unser ganzes Mitgefühl haben müssten, bekommen von den meisten Mitfahrern eher ein genervtes Augenrollen. Was für ein Lärm. Wie kann es sein, dass das Kind die Ruhe stört? Wie kann es sein, dass die Mutter es nicht endlich zur Ruhe bringt? Die Fahrgäste steigen aus, wechseln den Platz, machen ihrem Unmut Luft. Und genau an dieser Stelle wird deutlich, dass uns die Intuition scheinbar vor lauter Hektik im Angesicht der täglichen Anforderungen und vor dem Hintergrund der vergangenen Generationen verloren gegangen ist. Man hört sich Sachen sagen und sieht sich Dinge tun, die man eigentlich nicht will.

Warum ?

Muster sind dafür verantwortlich und Grundvoraussetzung für das erfolgreiche Verändern von Mustern ist die Selbstreflexion. Sich aktiv zu entscheiden, anders sein und anders handeln zu wollen und dies möglichst oft zu üben und zu wiederholen kann nach einiger Zeit dazu führen, dass wir es schaffen, alte Muster durch neues und gewünschteres zu ersetzen.

Und wie kann das passieren?

In dem man über sich selbst nachdenkt und
ja, indem man durchaus Bücher liest. Sie machen auf keinen Fall dümmer, aber sie sollten auch nicht als die ultimative Lösung angesehen werden. Eltern brauchen in der heutigen Zeit ihren eigenen Weg und ihre eigene Herangehensweise. Großelterliche Sprüche wie: „Das hätte es bei uns früher nicht gegeben.“ helfen wenig. Auch die Erinnerung an die eigene Kindheit kann manchmal eher irritieren als helfen. Wichtig ist, dass man sich dieser Dinge bewusst ist und nicht nach dem perfekten vorgeschriebenen Weg sucht sondern seinen eigenen beschreitet.

Hier aber dennoch für die langen Abende und die verzweifelten Stunden des Grübelns und der Suche etwas Literatur (dümmer wird man ja nie)


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.