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Entwicklungspsychologie – Jedes Kind kennt Gut und Böse

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Der Entwicklungspsychologe Paul Bloom schreibt in seinem Buch, wie noch kein anderer Psychologe, über die kognitive Welt von Babys. Gegenwärtige Meinungen, die besagen, dass moralisches Handeln bei den Kleinsten nicht nachzuvollziehen sei, verneint er. Schon Babys haben einen ausgeprägten Sinn für Moral, was er in zahlreichen Versuchen mit klitzekleinen Babys beweist: Schon drei Monate alte Babys können zwischen gutem und bösem Verhalten unterscheiden. Sie zeigen Mitgefühl und haben ein Gespür für Moral. Bonbons werden gerecht verteilt, sie weinen, wenn andere weinen, trösten, sind hilfsbereit.. Das aber alles nur, mit Kindern und Erwachsenen, die sie kennen und ihnen vertraut sind. Auch eine gerechte Strafe für Fieslinge liegt den kleinen Moralaposteln am Herzen. Der Sinn für Gut und Böse ist angeboren, nämlich als Keimzelle des Gewissens. Das Vorbild der Eltern und später das der Gemeinschaft dient der Orientierung der Kleinsten, quasi als ein moralischer Kompass.

Evolutionär bedingte Abgrenzungen

Babys und Kleinkinder beachten die Hautfarbe zunächst nicht. Wachsen sie aber in einer rein weißen oder farbigen Umgebung auf, kommt es zu evolutionär bedingten Abgrenzung. Die jeweils andere Hautfarbe wird als fremd erlebt. Das fremde Andere war oft auch das Gefährliche. Rassismus ist heute, dank der Aufklärung und damit des Verstandes, zumindest offiziell, nicht länger akzeptiert.

Bei einem ist sich Bloom sicher: „Moral lasse sich nicht einfach erklären. Sicher sei nur, den Sinn für Gut und Böse brächten schon Babys mit, aber nur wenn er in der Gemeinschaft gehegt werde, könne moralisches Handeln entstehen.“

Experimente zeigen: Babys orientieren sich nach dem Guten

Da müht sich zum Beispiel ein Quadrat ab, eine Steigung hinaufzukommen. Ein Dreieck schiebt von hinten, hilft also, während sich ein Kreis in den Weg stellt und die Rolle des Bösewichts übernimmt. Wenn sich später das Quadrat dem Kreis statt dem Dreieck nähert, gucken die Babys länger hin und zeigen sich irritiert. Außerdem untersucht Bloom in Blickzeitstudien und Greiftests die Kinder als Beobachter kurzer Trickfilme oder Puppenspiele. In einem Teil verhält sich der Darsteller moralisch vorbildlich, im anderen Teil bösartig oder hinterlistig. Das Ergebnis: Säuglinge betrachten die moralischen Vorbilder lieber und länger und greifen eher zu den “Helfer-Puppen“. „Wie wir erwartet hatten, bevorzugten sechs und zehn Monate alte Kleinkinder mit überwältigender Mehrheit das hilfsbereite Individuum gegenüber dem hemmenden. Das war kein subtiler statistischer Trend – nahezu alle Babys griffen nach dem Guten.“

 

Buchtipp:

Bloom, Paul (2014): Jedes Kind kennt Gut und Böse – Wie das Gewissen entsteht. Pattloch Verlag: München.


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