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Elternzeit – Warum Väter oft nicht können oder wollen

Elternzeit - Warum Väter oft nicht können oder wollen

Chefs lassen oft ihre Mitarbeiter rüde auflaufen, wenn es um das Thema Elternzeit geht. Manchmal ist es die Partnerin, die ihren Mann ausbremst oder die Väter stehen sich selbst im Weg. Wir gehen der Frage auf den Grund: Elternzeit, muss denn das wirklich sein?

In traditionellen Unternehmen haben es Männer oft schwer

Viele Väter stoßen auf taube Ohren, wenn sie den Wunsch nach Elternzeit äußern, obwohl sie per Gesetz einen Anspruch darauf hätten. Klar gibt es familienfreundliche Unternehmen, die Väter in ihrem Wunsch unterstützen, sich mehr um Frau und Kinder zu kümmern, aber gerade in traditionellen Unternehmen, die einen patriarchalischen Führungsstil pflegen, haben es Männer, laut Soziologe Stafan Reuyß, oft schwer.

Stefan Reuyß ist Inhaber des Forschungsinstituts Sowitra, das für die Hans-Böckler-Stiftung untersucht hat, wie sich die Elternzeit bei Vätern gestaltet. Es ergab sich, dass die direkten Vorgesetzten maßgeblichen Einfluss darauf haben, für welches Elternzeit-Modell sich männliche Mitarbeiter entscheiden. In modernen Unternehmen lasse sich „auch für Führungskräfte eine längere Elternzeit leichter durchsetzen als in solchen mit einer traditionellen Führungskultur“.

Partnerinnen bremsen aus

Viele Männer befürchten durch die Elternzeit berufliche Nachteile, obwohl diese oftmals gar nicht eintreten würden. Manchmal aber bremst gar nicht der Beruf Männer aus, sondern die Partnerinnen. Viele Väter hätten nämlich gerne mehr Elternzeit, die Mütter wollen aber nach der Geburt auf jeden Fall länger zu Hause bleiben.

Männer entscheiden sich häufiger dafür

Es bewegt sich was: Väter entscheiden sich mittlerweile öfter, den Beruf für 2 Monate für den Nachwuchs auf Eis zu legen. Es ist, nach Soziologe Stefan Reuyß, jeder dritte Vater, der Elterngeld beantragt und andere Modelle wählt. Das sind ganz verschieden Modelle, je nach Verdienst der Partner, Vorstellungen zur Elternrolle sowie beruflichen Perspektiven.

Hier zwei alltagsnahe Beispiele:

Hans M., 43, hätte gern zwei Monate Elternzeit genommen, als seine Tochter Mia im Oktober 2013 geboren wurde. Doch eine Auszeit war nicht vereinbar mit seinem Job als IT-Manager in einem Lebensmittelkonzern. Er arbeitete 60 bis 65 Stunden pro Woche und auch am Wochenende wurde er gebraucht, wenn es Probleme gab. Der Chef hätte ihn in Elternzeit gehen lassen, doch hätte er eine sehr lange Liste an Projekten für das Homeoffice mitbekommen und mindestens einmal pro Woche an einem Meeting teilnehmen müssen. Natürlich hätte er auf einen Großteil seines Gehaltes verzichten müssen- „das hätte keinen Sinn ergeben“, so Hans M.

Guido L., 44, Senior Consultant in einer Personalberatung, hat das ebenfalls erlebt. Sein Sohn wird bald drei Jahre alt, im Unternehmen war zur Zeit der Geburt viel Trubel, so hat sein Chef ihn gebeten, die Elternzeit später zu nehmen und dafür Zugeständnisse in einem anderen Punkt gemacht. Auf den ersten Blick eine gute Lösung, doch zur Elternzeit kam es nicht mehr, denn Guido L. war nicht klar, dass er die Elternzeit nur 14 Monate nach der Geburt des Kindes nehmen kann. Guido L. weiß, dass die obligatorischen zwei Monate nicht das Problem sind, geht ein Mitarbeiter aber sechs Monate oder länger in Elternzeit, rümpfen Chefs oft die Nase. „Männern muss die Chance gegeben werden, sich stärker um die Familie zu kümmern“, so Guido L.. Er. hofft, dass diese Vorstellung nach und nach in den Köpfen der Chefs ankommt. Guido L. will das neue Elterngeld Plus beantragen, da seine Frau einen Betrieb führt und er mehr Raum für Teilzeitarbeit haben möchte. Seine Stelle möchte er um 40 Prozent reduzieren und ist bereit, für das Recht auf seine Vaterrolle zu kämpfen

 


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