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Einfach zu viel

 

Der Wecker hat noch nicht geklingelt. Der Herzallerliebste liegt röchelnd neben mir. Die Kinder sind leise und schlafen noch. Nur ich wälze mich von einer Seite auf die andere. Irgendein Insekt hat sich hinter der Jalousie verfangen und schlägt leise klimpernd bei diversen Flugversuchen dagegen. Heute also. Ich gehe im Kopf all die Dinge durch, die auf dem Plan stehen und fühle mich schon jetzt gehetzt und in Eile. Wenn doch nur schon wieder Abend wäre…. wenn mich die Decken nur wieder umfingen und bereits alles vollbracht wäre.

Mitunter habe ich früh nicht die geringste Ahnung, wie das Tagwerk schaffbar ist und wie die Stunden so zu organisieren sind, dass alle zufrieden und bedient sind. Bedient, gar nicht im Sinne von Erledigungen und Besorgungen, die man für andere übernimmt… Nein, es sind leider alles Dinge, die zum üblichen Familienmanagement dazu gehört. Aufstehen, Anziehen, Frühstück, Kita, Arbeit, auf dem Weg zur Arbeit noch schnell einkaufen oder tanken, dann das Ganze wieder zurück, Kinder holen, Zahnarzttermin, Überweisung holen und abgeben, Kindergeburtstagsgeschenk und Geschenkpapier besorgen (im besten Fall natürlich so, dass das glückliche, bald zu beschenkende Kind nichts mitbekommt), noch zwei Anrufe erledigen, neue Gummistiefel besorgen (Warum sind diese verfluchten Dinger auch gerissen? Aber sturzflutartige Regengüsse erlauben einem bedauerlicherweise auch nicht, eben jene Gummiteile später zu besorgen.), kleine nach Acker aussehende Kinder in die Wanne, Abendessen und später die Kids ins Bett bringen…

An solchen Tagen darf nichts Unvorhergesehenes passieren. Alles muss reibungslos funktionieren, was im Normalfall ja nur als Idee, als graue Theorie jenseits von Straßensperrungen oder kindlicher Langsamkeit funktioniert. Bereits ein paar stotternde Blubberlaute beim Starten des Autos verursachen leicht gestresste Hitzewallungen… und das liebliche Rufen „Mami, ich muss noch mal kackern.“ lässt mich zusammenzucken und einen prüfenden Blick auf die Uhr werfen.

Ich hasse Tage, die so vollgestopft sind wie überquellende Spielzeugkisten, in denen nichts mehr zu finden ist. Irgendein Hase, Bär oder Elefant bleibt immer zwischen Deckel und Kiste hängen oder fällt herunter, um dann traurig auf dem Boden zu liegen. Manchmal fühle ich mich genauso – irgendwo eingeklemmt zwischen dem, was ich tun will und dem, was notwendig ist, zwischen dem, was einfach sein muss und dem, was einem als Familie gerade guttun würde.

Atmen.
Verschnaufen.
Besinnen.
Reden.
Miteinander sein.

Urlaub muss her. Die Tage brauchen mehr Luft. Luft zum Atmen, um einfach sein zu können. Weniger Eile. Weniger Pflicht. Mehr Wollen und Können und Wünschen.

In diesem Sinne, ich wünsche mir bitte Urlaub.

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

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