Home  »  Freizeit   »   Kolumnen   »   Einfach schlafen!

Kolumnen

Einfach schlafen!

einfach_schlafen

Trotz der zwei Tassen Kaffee und einer kleinen Cola fühlten sich meine Augenlider an, wie von imaginären Gewichten nach unten gezogen und der Kopf wollte nur mit Mühe gerade auf den Schultern sitzen bleiben. Von solch positiven beschreibenden Eigenschaften wie fit, dynamisch, aktiv, tatkräftig oder energiegeladen wollen wir gar nicht erst anfangen. Meine Tochter, die auf dem Rücksitz saß, fragte mich mit ihren drei Jahren völlig überrascht: „Mama, Du gerade gegähnt?“ „Ja Schatz, so ist es“, sagte ich und dachte, dass sie ja kurz nach sieben Uhr ins Bett gehen dürfe und gerade erst vom Mittagsschlaf kam. War ich gerade ein wenig neidisch? Im Angesicht der letzten drei Tage, die das Baby leider zahnend verbracht hatte, vielleicht, möglicherweise… Ich habe schon gehört, dass bei anderen Kindern die Dinger einfach früh morgens da sein sollen – so ganz ohne Gewimmer, Geknatsche, Aufwachen und dem liebevollen Schaukeln, Tragen, Wiegen oder Wippen in Endlosschleife. Aber diese Kinder habe ich nicht. Meine sind kleine Kuschelmonster, die das Durchbrechen der Zähne nur mit Vierundzwanzig- Stunden- Mama-Service überstehen. Und in der Regel brauchen wir (ja, als Mama nutzt man die wir-Form irgendwie automatisch) pro Zahn drei Tage. Wie viele Zähne hat der Mensch? Zwanzig. Wir sind gerade erst bei Nummer drei. Nunja. Wollen wir lieber nicht über  den Rest nachdenken. Da kam mir Peter Sporks, den ich beim Schaukeln in einem Interview hörte, mit seinem Buch: „Wake up“ gerade recht daher. Er plädiert für mehr Schlaf und belegt wissenschaftlich, zu wenig Schlaf macht dick, dumm, krank, lässt schneller altern, macht den Menschen reizbarer und  kann sogar in Depressionen enden. Ach Dankeschön. Da geht’s mir gleich viel besser. Meine Ursprungsstrategie zu diesem Thema bestand bis dahin aus zwei Elementen. Erstens: aus den tröstenden Worten, die wahrscheinlich neunzig Prozent aller Eltern sich selbst sagen …ist nur eine Phase, geht auch vorbei…  und zweitens, aus einem gut sortierten Badregal, dass eine stattliche Anzahl kosmetischer Produkte zur Vertuschung von Schatten, Falten und Furchen enthält. Sozusagen das Equipment zur Wiederherstellung der Straßentauglichkeit. Gegen das Absterben der Gehirnzellen gibt’s aber natürlich keine Tube…. Schade, eigentlich. Könnte generell bei manchen Mitmenschen ganz hilfreich sein. Oh, da hab ich mich gerade ertappt. Meint Mr. Spork das vielleicht mit reizbarer? Es hupt hinter mir, ich habe gepennt. Vom Rücksitz ruft es: „Mama, is grün.“ Ja, ja – ich fahr ja schon. Und als ob das nicht reichen würde, höre ich an der nächsten roten Ampel von der gleichen Kinderstimme in fast autoritärem Ton (von wem sie das wohl hat?): „Mama, Du aber heute Nacht wirklich richtig schlafen.“

Ihre Sabine Henriette Schwarz


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.