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Kolumnen

Druckverlust

 

Platt. Der Platten – bezeichnet zumeist einen Reifendefekt, der wiederum Druckverlust zur Folge hat, verursacht beispielsweise durch Überalterung und Beschädigung.

Manchmal habe ich einen, oder besser ich bin einer. Sei mal dahingestellt, ob ich dann irgendwie im Laufe des Tages kaputt gegangen bin, oder ob man mich irgendwie traktiert hat (dazu braucht es je keinen spitzen Gegenstand. Da reichen völlig nervende, gestresste, unwillige und manchmal Verzeihung, hirnlose Mitmenschen). Beim Thema Überalterung bin ich allerdings ein wenig sensibel. Klar, die durchwachten Nächte, die man tanzend und feiernd durchlebt hat, sind irgendwie vorbei. Wahrscheinlich wäre ich völlig demontiert, wenn ich aktuell früh gegen sechs Uhr nach Hause scharwenzeln würde, um mir noch einen Kaffee an der nächsten Tanke zu holen. Allein die Vorstellung, dass ich es bis früh morgens ohne Schlaf aushalten könnte, unvorstellbar…. Ich wüsste nichts, was es gerade wert wäre und was damit den Verzicht aufs Federbett rechtfertigen würde.  Aber wie gesagt, sich wie ein „Patschen“ fühlen (so sagt zumindest der österreichische Nachbar) geht auch ohne durchwachte Nächte.

Meist geschieht es ganz automatisch. Der Kopf wird langsamer, ich suche im Sprachgebrauch nach den passenden Begriffen und die doch so gut gemeinten Planungen des Tages reduzieren sich gegen siebzehn Uhr dreißig zumeist auf das Abendbrot für die Kinder, etwas Garten, einen kurzen Plausch mit dem Mann, auf die Aktivierung der Waschmaschine (damit es keinen Ärger gibt wegen unpassender Socken und fehlender, dringend notwendiger Unterwäsche), auf die Reduzierung des Küchenchaos und Hundespieleinheiten. Dann werden die Kinder Bett fertig gemacht, und wenn ich Glück habe, bleiben sie dann auch im Bett. Ich vermeide, mich vorher hinzusetzen, denn scheinbar hat der Körper sich ausgedacht, dass man wie Blei kleben bleibt. Ich fühle mich wie ein Elefant, der mit UHU befestigt wurde – unfähig wieder aufzustehen oder gar noch irgendwie aktiv zu sein. Sitzen ist erst nach dem Projekt „Kinder ins Bett“ erlaubt.

Aber das Projekt ist störanfällig und deshalb schwimme ich auch nicht leicht und schwerelos in der Badewanne dahin, sondern liege schon mit einem Ohr auf dem Flur als ich nackte Füße tapsen höre. Ich bin wie ein dicker, schwerer Anker, den man am Ende des Tages versenkt hat. Alle Leichtigkeit und Motivation geschluckt vom Tag und den geliebten Lieblingskindern. Jetzt sollen sie einfach nur schlafen. Aber wie kann es sein, dass sie gar nicht müde sind? Ich bin es und würde so gern mit ihnen tauschen, die Glieder von mir strecken und die leere (Kinderleere) Luft um mich atmen.

Alle Maschinen Stop. Feuer aus den Kesseln. Erleichterung für den Kopf.

Und bitte erst einmal im Heute bleiben, damit das Morgen nicht zu groß und zu viel wird. Dazu habe ich noch folgende Tipps gelesen, die ich jetzt mal ausprobieren möchte. Vielleicht können sie ja helfen, den persönlichen Druckverlust auszugleichen. D.h. auf den Rücken legen und die Beine hoch, so dass sie über der Höhe des Kopfes sind. Dadurch fließt vermehrt Blut in den Kopf und somit auch in das Gehirn, was wacher machen soll. Möglich ist auch, das Topping Pfefferminzöl. Einfach ein paar Tropfen auf das Taschentuch, jenes unter die Nase halten und tief einatmen. Alternativ soll man auch in der Badewanne ein paar Tropfen Pfefferminzöl und vier weitere Tropfen Rosmarinöl anwenden.

Ob es hilft? Ich bin skeptisch, aber es bleibt die Hoffnung, dass ich morgen weniger platt bin.

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

 


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