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Kolumnen

Die Suche nach dem Prinzen

Letztes Wochenende. Zweimal Fernsehen. Die Mädchen durften mit Wurstbrot und Tomate auf der Couch sitzend die Prinzessinnenhochzeit des Jahres kurz mitansehen und waren entzückt, verzaubert. Stolzierten ehrfürchtig im Wohnzimmer umher, eine Tischdecke auf dem Kopf und eine bemalte Holztulpe in der Hand, um dann kichernd auf dem Schoß des Herrn Vaters Platz zu nehmen. Sein Job: den passenden Prinzen aussuchen, wobei unsere Große mit ihren sechs Jahren eindeutig verkündete, dass er keine roten Locken haben sollte. O-Ton:

„Stimmts Mami, man kann nichts dafür, wenn man rote Haare hat oder eine Glatze oder ob man dick wie der Peter ist oder dünn… aber Mami, ich will trotzdem keinen Prinzen mit solchen Haaren.“

Mütterliche Antwort: „Aber der kann ja trotzdem super nett sein.“

Kind: „…mmmhh, aber ich muss den ja immer angucken.“

Dass in unserer Familie ein Kind mit roten Haaren und Locken durchaus wahrscheinlich gewesen wäre, verschwieg ich ihr. Ende der Diskussion. Stattdessen erhielten wir detaillierte Informationen zum kommenden Hochzeitstag. Es soll Schokoladentorte mit Esspapier und Glitzer geben und natürlich eine Kutsche, es braucht unbedingt einen roten Teppich, und ich soll auf gar keinen Fall weinen (Schwierig, leichtes Hochwasser macht sich bereits bei dem Gedanken breit).  Noch wichtiger aber, die kleine Schwester darf auf keinen Fall vor der Großen heiraten, weil dann ja auch die Babys kommen und das große Kind will als erstes Mami werden. Auf große biologische Erklärungen verzichtete ich an dieser Stelle, da der Mittagsschlaf sonst in Gefahr gewesen wäre.

Knappe zehn Stunden später. Die Kinder schliefen und wir lungerten auf der Couch beim Fernsehen. Eine Frau: verheiratet, unglücklich, leer an Gefühl, erträgt das Miteinander dieser scheinbar heilen Welt mit ihrem wichtigen Gemahl, der auf penetrante, unerträgliche Art mächtig ist, nur mit Hilfe des Alkohols. Nach außen friedfertiges, freundliches Bilderbuch. Nach innen ein paar Ohrfeigen, Beleidigungen, Züchtigungen, Herabwürdigungen. Frau als hübsches, zu funktionierendes Accessoires in einer Gesellschaft, die die heile Familie propagiert. Kulisse, aber keine Liebe.

Doch auch sie haben sich gefunden. Irgendwann hat sie gedacht, dass genau er der Richtige ist. Was für ein Irrtum, den keiner begehen sollte. Ein Irrtum, der verfolgt, der krank und kaputt machen kann. Wie gern würde ich die beiden kleinen Schlafenden davor bewahren. Dabei werden auch sie rein statistisch gesehen zwölf Mal (Verzeihung) ins Klo greifen bevor der wahre Prinz vor der Tür steht. Auf ihrem Weg empfehlen sich nach US-Psychologe Robert J. Sternberg gesunder Menschenverstand, Regisseur-Qualitäten und die Einsicht, dass Intelligenz relativ ist, Schönheit vergänglich, Vertrauen trügerisch und Verlässlichkeit selten. Liebe ist eine Art Geschichte, die man selbst schreibt, Kapitel für Kapitel. Rationalität fehl am Platze. Liebe ist geprägt von der Suche… leider oft nach dem Gewohnten und nicht nach dem Richtigen. In vielen Beziehungen lebt wohl auch der Andere das Negativ vom Partner. Nur so ist zu erklären, wie sich der aufgeschlossene Menschenfreund mit dem eigensüchtigen Egoisten oder der Disziplin- und Ordnungsfanatiker mit dem Chaosmenschen einlassen kann.

Statistik und Psychologie ist doch Mist. Ich will nicht, dass meinen Mädchen das Herz gebrochen wird. Ich will keinen Schwindler und Hallodri, keinen Großkotz und Ego-Tripper. Sie sollen glücklich sein. Deshalb halte ich mich an dem Satz „ Kinder suchen das Gewohnte“ fest. Liebe mit Sternchen zu Hause für so viel Liebe wie irgend möglich im späteren Leben?  Der Papa-Prinz als Vorbild für den späteren Herzallerliebsten? Ich bin gespannt und setze auf die realistische Einschätzung meiner beiden kleinen Damen (wenn nicht, muss man da als Eltern irgendwie hilfreich unter die Arme greifen mit und ich rede nicht von der väterlichen Axt im Schuppen).

Auf die Liebe!

Für Herz, Hirn und Einsicht…

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


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