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Schule

Die Qual der Hausaufgaben

Oder: wie sinnvoll sind Hausaufgaben?

 
Das Deutsche Schulportal selbst verweist auf Studien, die daran zweifeln lassen, dass Hausaufgaben positive Effekte auf die Lernleistung habe. So hatte schon 1964 der Pädagoge Bernhard Wittmann einen Versuch durchgeführt, dessen Ergebnisse er in dem Buch mit dem Titel „Vom Sinn und Unsinn der Hausaufgaben“ veröffentlichte. Vier Monate lang befreite er sechs Duisburger Volksschulklassen des dritten bis siebenten Jahrgangs von den Hausaufgaben für die Fächer Rechnen und Rechtschreiben.
 
Das Ergebnis:

Im Rechnen zeigten nach Ablauf der vier Monate alle Klassen ohne Zusatzaufgaben zu Hause sogar bessere Leistungen als die Klassen mit den Hausaufgaben. In Orthografie verbesserten sich lediglich die Siebtklässler durch die Hausaufgaben, allerdings auch dort nicht alle. Wittmann zog damals die Schlussfolgerung, dass Hausaufgaben keinen Zuwachs an Kenntnissen und Fähigkeiten bei den Schülern bewirkten.
 
Zu einem ähnlichen Ergebnis kam, fast ein halbes Jahrhundert später, die Studie der Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden. Die Forscher hatten 1.300 Schülerinnen und Schüler sowie 500 Lehrkräfte an Ganztagsschulen befragt, wie sie die Auswirkungen der Hausaufgaben auf den Lernerfolg einschätzen. Das Ergebnis: Bei etwa drei Viertel der Schülerinnen und Schüler sahen die Lehrkräfte keinen positiven Effekt auf die Zeugnisnote.
 
Kein Mensch kann da noch in Ruhe denken

Auch die Lernenden selbst gaben in der 2008 veröffentlichten Studie mehrheitlich an, dass sie keinen Einfluss der Hausaufgaben auf ihre Note sehen. „Ob man also die Mathe-Hausaufgaben direkt nach der Schule, nachts unter der Bettdecke oder überhaupt nicht macht: Der Effekt auf die Zeugniszensur ist derselbe, nämlich gleich null“, sagte der Erziehungswissenschaftler Johann Gängler von der TU Dresden anlässlich der Veröffentlichung der Studie. Offenbar handle es sich eher um ein pädagogisches Ritual als um eine im schulischen Sinn Erfolg versprechende Maßnahme.
 
Da sollte doch Zeit für die Familie sein

Ein pädagogisches Ritual, das an den Nerven von Eltern und Kindern zerrt. Denn in der Woche ist nach 16:00 Uhr die Arufmerksamkeit und Konzentration hinüber. Kein Mensch kann da noch in Ruhe denken. Gerade die Grundschüler haben ihre Leistungsfähigkeit lange verloren. Aber am Wochenende? Da sollte doch Zeit für die Familie sein – laut Gesundheitsexperten muss man sich erholen, abschalten, zur Ruhe kommen…. Wie aber, wenn da noch Seitenweise Hausaufgaben anstehen mit Eltern oder zumindest mit einem prüfenden Blick der Eltern? Da ist die Stimmung hinüber und die Freizeit alles andere als frei.
 
Grund genug, um noch einmal einen prüfenden Blick zu werfen. Und der Landesschülerausschuss in Berlin erklärte im aktuellen Schuljahr 2017/2018 die Abschaffung der Hausaufgaben zu seiner zentralen Forderung. „Viele Schüler fühlen sich inzwischen überfordert, weil durch die Hausaufgaben am Nachmittag kaum noch Zeit bleibt, um in einem Sportverein zu trainieren oder um ein Instrument zu lernen“, sagte der Vorsitzende der Schülervertretung, Philipp Mensah.
 
Was meint Ihr? Sinnvoll oder sinnfrei?


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