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Die neue 28 Stunden Woche für Familien

Mütter und Väter sehnen sich schon lange nach ein wenig mehr Flexibilität. Familienzeiten, die nicht nur krampfhaft in die Arbeitszeiten gequetscht werden. Jetzt steigt sogar die IG Metall bei dieser Diskussion mit ein, die bei den aktuell stattfindenden Tarifverhandlungen ein Recht auf Teilzeit einführen will. Genauer gesagt: Eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 28 Stunden für zwei Jahre, um dann anschließend wieder Vollzeit zu arbeiten. Im Auftrag des Arbeitsministeriums beschäftigt sich gerade die Sozialwissenschaftlerin Karin Jurczyk mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen. Sie leitet die Abteilung Familienpolitik am Deutschen Jugendinstitut.

Im Deutschlandfunk Kultur fragt man nach.

 


Gibt es denn Chancen für diese Forderung – ist es nur öffentlichkeitswirksam oder auch realistisch?

Jurczyk: Na sagen wir, sie ist hoffentlich beides. Und ich finde, dieses Recht auf befristete Teilzeitarbeit, 28 Stunden, geht vor allen Dingen deshalb in die richtige Richtung und ist so erfreulich, weil ja die dezidierte Begründung dieser Arbeitszeitverkürzung nicht einfach ist, wir möchten weniger arbeiten, sondern diese Gesellschaft braucht Sorgearbeit. Und das ist einigermaßen öffentlichkeitswirksam, aber nichtsdestotrotz unterlegt durch wirklich inzwischen Hunderte von Studien.

 

Was ist denn aber Sorgearbeit? Was meint der Begriff?

Jurczyk: Damit meine ich alles, was diese Gesellschaft braucht, damit ihre Kinder, ihre Kranken, ihre alten Menschen gut versorgt werden können, und zwar jenseits der Institutionen, die wir ja auch haben und auch brauchen. Aber es geht nun mal auch um persönliche Beziehungen.

Jurczyk arbeitet in diesem Zusammenhang mit ihren Kollegen an sogenannten „atmenden Lebensläufen“ d.h. wann immer man Zeit braucht, sollte man sich diese nehmen. Damit man anschließend wieder Vollzeit mit 100% Leistung ins Berufsleben einsteigen kann. So ist es möglich für die Kinder, für Angehörige und für sich selbst zu sorgen – ohne, dass man völlig genervt, abgearbeitet und überfordert nur versucht, jeden Tag aufs neue zu überstehen.

 

Aber auch wenn es notwendig erscheint, so ist es doch schwer, sich von bekannten Mustern und Arbeitsmodellen zu verabschieden – auch für die Politik. Tut man sich damit nicht generell etwas zu schwer?

Jurczyk: Normen haben eine große Kraft. Und Normen bedeuten ja bei uns im Hinblick auf diese Lebensarbeitszeit auch, dass das System der sozialen Sicherung daran gekoppelt ist. Da geht es auch um Geld. Und das ist also nicht nur ein kulturelles Leitbild, dass ich dann ein gutes und richtiges Arbeitnehmerleben führe, wenn ich sozusagen immer durcharbeite, und das möglichst vollzeitig, sondern daran knüpfen sich Erwerbschancen, Karrierechancen und auch Verdienste. Und im Übrigen hat das auch was mit Geschlechterbildern zu tun.

Doch es ist Zeit! Und vielleicht gelingt er ja, der große Vorstoß und u.a. eine 28 Stunden Woche.

 

Quelle: Deutschlandfunk Kultur


Befragung der IG Metall u.a. zur Arbeitszeit

In der Befragung der IG Metall zum Thema Arbeitszeit im Jahr 2017 nahmen 680.000 Beschäftigte teil. Die Gewerkschaft hält als Fazit fest: Die Menschen wollen mehr Selbstbestimmung und Verlässlichkeit für ihre Arbeitszeit – im Alltag und während des Arbeitslebens. Und sie wollen nicht darum betteln müssen. Laut Befragung ebenso wichtig: Die Beschäftigten wollen kürzer arbeiten. Und sie wollen die großen Abweichungen zwischen tariflich vereinbarter und tatsächlicher Arbeitszeit nicht mehr hinnehmen.

Steigende Flexibilisierungsanforderungen auf der einen Seite, wachsender Leistungsdruck auf der anderen. Wenn beides zusammentrifft, ist es aus mit der Zufriedenheit über die Arbeitszeit.

Betrachtet man die Beschäftigten, die zufrieden mit ihren momentanen Arbeitszeiten sind und dieser Aussage ohne Einschränkung zustimmen und vergleicht diese mit der Gruppe der Beschäftigten, die diese Aussage ohne Einschränkung ablehnen, wird deutlich, welche Relevanz die genannten Faktoren für die Arbeitszeitzufriedenheit haben.

Quelle: Publikation der IG Metall zur Beschäftigtenbefragung 2017 (Mai 2017)

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