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Kolumnen

Desaströse Elterngeburtstage oder der Schrecken nimmt seinen Lauf

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Unglaublich, aber wahr. Eltern haben auch Geburtstag. Und obwohl man eindeutig mehr Lenze auf der Uhr hat, so gibt es doch noch immer die kindliche Vorstellung, dass es ein schöner Tag werden sollte.

Schön im Allgemeinen und im Speziellen mit ordentlichem Wetter, möglichst Sonnenschein, mit netten Mitmenschen, ein paar Blumen wären auch nicht schlecht (zumindest freut sich mein weibliches Ich sehr über einen Strauß, der nicht von der Tankstelle und ohne Plastikfolie des Morgens auf dem Tisch steht), mit nettem Besuch (wenn der Besuch nicht wirklich nett und entspannt ist, lieber ohne Besuch), mit einem liebevollen Präsent (Gutscheine stehen auf meiner persönlichen Wunschliste da eher sehr weit unten) und – da liegt der Hase im Pfeffer, wie man so schön sagt – mit lieben Kindern. Lieb definiere ich in dem Fall mit:

  • kein Schreien und Hauen vor sieben Uhr im elterlichen Bett
  • keine Stänkereien im Bad
  • kein bockiges Kindersicht, weil der Rock (die Strumpfhose, der Pullover, das Kleid) nicht der richtige ist
  • kein Gezicke beim Zähneputzen und Haare kämen
  • beim Frühstück sitzen ausnahmsweise einmal alle diskussionslos am Tisch und das Trinken ergießt sich nicht über alle Teller

 
(Es macht keinen Sinn, diese Liste fortzuführen. Bis dato sind wir in fünf Jahren nie über diese Punkte hinaus gekommen.)

Ja, ich höre die ganz Verständnisvollen sagen, das ist nun einmal so mit Kindern. Wenn sie erst groß sind, wird alles besser (Wirklich? Ich dachte, dann würden die pubertären Schübe kommen.) Aber es ist dennoch zum Mäuse melken. Seitdem wir Kinder haben, ist wirklich ausnahmslos jeder Geburtstag eine einzige Katastrophe – dabei haben wir wirklich vieles probiert und uns schön ausgemalt. Pustekuchen. Katastrophenbeispiele gefällig? Aber gern…

Da gab es ein langes Wochenende in der Westernstadt mit Übernachtung in einer Blockhütte, die leider nur aus zwei Schlafräumen bestand. Cowboys, Pferde, viel Platz zum Toben, mehr als einen Saloon für den Herzallerliebsten, der gefeiert werden sollte. Und was geschah? Das kleine Kind riss in einem kurzen Anfall von Wut die Brille von der Nase. Eben jene zersprang, was den Mann schlecht sehend und noch schlechter gelaunt zur Folge hatte. Aber damit nicht genug. Das Kind wollte nicht schlafen. Das kindliche Schlafzimmer vermochte es nicht so beglücken und so sang, las und streichelte ich. Der Mann indes musste allein und extern auf sein Wohl trinken, was ebenfalls keine positive Stimmungsänderung bewirken konnte.

Schön auch, wenn man gleich früh am persönlichen Ehrentag einen dicken fetten, roten Ausschlag am kleinen Kuschelmenschen entdeckt, der bis zu Kaffee und Brötchen so rapide wächst, dass statt Ausflug die Notambulanz mit guten zwei Stunden Wartezeit auf dem Plan steht. Danach Weinen und Salbe und Salbe und Weinen – ach` wer braucht schon einen hübschen Tag?

Generell ziehen Mama- und Papa-Geburtstage auf geheimnisvolle, unergründliche Weise geradezu ungeladene Gäste wie Frau Husti, Madame Fieber, Monsieur Kotzi oder Mr. Durchfall an. Man kann einfach nichts machen. Und ist es das nicht, fällt das Kind hin, das Knie (Arm, Hand, Lippe) blutet. Oder man klemmt sich den Zeh (oder Finger) in der Tür.

Ähnlich schlimm, aber immerhin nicht blutig, wenn das Lieblingskuscheltier in einem missglückten ich-werfe-hoch-und-fange-wieder-auf-Versuch im Klo landet, weil der Deckel noch offen war.

Nein, den Teddy können wir jetzt nicht mehr schmusen, der muss in die Waschmaschine.“ Schrei. Eine Stunde später: „Nein Schatz, der ist jetzt nass und muss erst trocknen. Du kannst ihn jetzt noch nicht haben.“ Wieder Schrei.

Ansonsten sind Kinder manchmal eben auch „durch“. Durch wie fix und fertig, instabil, unausgeschlafen, ningelig, mit der Welt und sich im Unreinen, übellaunig und brummig. Aber bitte, wieso muss das denn unbedingt an diesen beiden Tagen im Jahr sein? Es gibt doch noch dreihundertdreiundsechzig andere Möglichkeiten.

Ja, ich gebe es zu, ich bin verdrossen, dass diese ausgesprochen idyllische Vorstellung von Schokokuchen und Kerzen, von See und Lampions in den Bäumen, von Picknick (alle Versuche scheiterten an mieser Eiseskälte und Regengüssen) und tanzenden, lachenden Kindern, die mit einer kleinen Liebesbekundung aufwarten, so rein gar nichts mit der Feiertagsrealität zu tun hat. Inzwischen haben wir vor lauter Verdruss sogar aufgegeben, etwas zu planen. Aber das kann doch eigentlich auch nicht die Idee sein, oder?

Wie geht es Euch? Kennt Ihr das?

In der Hoffnung, mit diesen Zeilen den Fluch noch rechtzeitig vom elterlichen Geburtstag lösen zu können…

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

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