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Kolumnen

Der Frühling ruft oder: alles ist fertig, es muss nur noch gemacht werden

 

Frauen wollen es schön haben. Das liegt in der Evolutionsgeschichte begründet, denn schließlich mussten die Männer hinaus in die große weite Welt, um sich mit Bären oder Wölfen zu messen und Nahrung zu besorgen. Die liebe Frau hingegen ordnete die Höhle, das Heim und versuchte alles sonst so am Laufen zu halten. Klar will man es da schön haben, wenn man immer auf die gleiche Wand starrt. Bestimmt waren es auch die Frauen, die mit der Höhlenmalerei begannen, um etwas Abwechslung fürs Auge zu haben. Der Wunsch nach Schönheit war sozusagen seit Menschenbeginn vorhanden – ok, das Überleben ging vor, aber gleich danach wurde geschmückt, bemalt, genäht und mit Mustern und Blumen verziert. Bestimmt.

Daran hat sich bis heute wenig verändert. Für Männer muss es eher praktisch, organisiert, strukturiert und logisch sein (weshalb ein Gästezimmer in rose` bis zur Volljährigkeit des Kindes dauern kann. Wer braucht schon ein Gästezimmer? Gäste machen Chaos. Ein zusätzliches Zimmer bringt nur Arbeit und in rose`kann man es nicht einmal dem besten Kumpel andrehen, wenn der nach einem feuchtfröhlichen Fußballspiel nicht mehr den Weg nach Hause findet. Ist ja schließlich ganz schön peinlich…). Frauen hingegen mögen es ein bisschen kuschelig und heimelig. Da ist es nicht so wichtig ob es praktisch ist. Es genügt vollkommen, wenn es hübsch anzuschauen ist und einen kleinen a-ha Effekt hervorruft (anders ist auch nicht zu erklären, warum der gesunde Fuß in so ungesunde, halsbrecherisch hohe Absatzschühchen gesteckt wird.)

Aber die moderne Höhle muss einen Kompromiss darstellen, d.h. praktische und klar strukturierte Möbel für den Mann mit Schubladen und Fächern und gemütliche Kissen oder Decken, Bilder, Kronleuchter und Teppiche für die Frau. Über Notwendigkeiten lässt sich streiten.

Wenn für den Herzallerliebsten der Flur, das Bad und die Küche noch völlig in Ordnung sind und es eben so aussieht wie es aussieht, sehe ich bereits vor meinem inneren Auge wie der Flur in weißem Backstein erstrahlt und die Küche wunderbar neu ist. Es ist doch mal wieder Zeit oder? Mehr als drei Jahre kann man doch unmöglich mit der gleichen Wandfarbe leben. Aber ganz unabhängig von dem Thema Schönheit kann Frau auch sehr praktisch sein, was immer wieder zu Fragen in Endlosschleife führt. „Schatz, Du hast doch versprochen die Badtür anzusehen. Die schließt nicht mehr richtig. Wann machst Du das denn endlich?“ oder „Wolltest Du nicht die Abzugshaube sauber machen? Das ist echt nicht mehr schön… Achja, und die Beleuchtung im Keller funktioniert auch schon seit Wochen nicht mehr richtig – das hast Du doch noch auf dem Schirm?“ Frau fragt gefühlt oft und sehr lang nach den netten, sehr praktischen Reparaturarbeiten, die selbst nicht zu tätigen sind – und wird regelmäßig vertröstet. Dabei ist jetzt Frühling. Die Tage werden länger und man sieht nur allzu deutlich, wo ein neuer Anstrich notwendig ist. Allein der Mann jagt lieber Großwild als den Pinsel zu schwingen.

Was tun?

Laut aktuellen Studien schaffen Frauen die schönen Dinge für die Höhle einfach an und Mann arrangiert sich mit der Zeit. Bei den Reparaturarbeiten scheint es auch nur die Flucht nach vorn zu geben. Holt man nämlich den netten Nachbarn ins Haus oder den sympathischen Handwerker, kostet es Geld und die plötzlich auftretende Wettbewerbssituation setzt ungeahnte Kräfte auch beim eigenen Herzallerliebsten frei. Ob das die darauf folgende Couchdiskussion wert ist, bleibt jedem selbst überlassen. Ich zumindest habe noch Hoffnung und gehe im Kopf noch einmal meine Liste durch: Flur, Küche, Gästezimmer, Badezimmertür und Kellerbeleuchtung.. Wäre es nicht schön? Ja, es wäre schön.

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


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