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Kolumnen

…das Mutterherz blutet

Als Mutter ist man auch nur Mensch. Nach meinen Erfahrungen sogar ein besonders emotionaler, denn anders sind die Gefühlsausbrüche bei Kindergeschichten erzählender Sonntagabendkriminalunterhaltung nicht erklärbar. Aber man wird auch dünnhäutig. Nein, nicht wenn es um einen selber geht. Da härtet man ab und nimmt die kleinen täglichen Erdbeben immer gelassener. Ich habe gelernt, dass die Welt an manchen Tagen für Menschenkinder einfach schlecht ist und in ihr existieren aktive Bedrohungen in vielerlei Gestalt wie Haare kämmen, Zähne putzen, Schlafen, das verschwundene Spielzeug oder das falsche T-Shirt. Dramen spielen sich ab, aber man versucht ruhig die Inszenierung abzuwarten, denn nach dem Wüterich kommt noch genug Tag oder (philosophischer) das Leben geht weiter (auch wenn man selbst mal eine kurze Auszeit im gefliesten Hygienebereich braucht).

Mit genau der gleichen Philosophie ist es jedoch an der täglichen „Front“ mit anderen Kindern und deren Müttern schlecht bestellt. „Das Leben geht weiter“ kann sich als Mantra gegen den mütterlichen Schutzinstinkt, wenn der Nachwuchs unglücklich gemacht, gehänselt, geschubst oder sonst irgendwie gemein und hinterhältig behandelt wird, so gar nicht behaupten. Der Mutterinstinkt ist einfach stärker, schließlich ist es sein Job, mich zu informieren, wenn sich das Kind in einer Gefahrensituation befindet, Schutz benötigt oder ein Mangel da ist.

So bin ich gerade stinksauer und erzürnt.

Das kleine Kind wird vier und hat eine allerbeste Freundin. Das Motto: Nie ohne sie. Seit Monaten erzählen sich die beiden von ihrem Geburtstag, was sie alles machen wollen, was sie sich wünschen, die Kuchensorte wurde erwählt, die Dekoration bis ins kleinste Detail besprochen. Und als gute Mutter habe ich die Terminlage mit den anderen Eltern gecheckt, damit trotz Sommerferien der Feierei nichts im Wege steht. Und nun?

Keine Geburtstagsparty der besten Freundin, weil man spontan nicht da war, dafür eine Verschiebung auf „irgendwann“ und „später“. Dazu große Verunsicherung beim kleinen Kind, weil die Freundin nicht mehr in der Kita ist. Ihre gebastelte Einladung verstaubt im Garderobenfach bis wir freundlicherweise telefonisch nachfragen dürfen. „Ach, das tut uns leid, wir haben unsere Planungen verschoben. Nein, da sind wir nicht da.“

Leichte Gesichtsentgleisung bei mir. Katastrophe für das Kind.

Ich dachte, Freunde sind wichtig, wertvoll. Es ist doch toll, wenn man sich auf jemanden freuen und mit ihm Spaß haben kann. Im Gegensatz zu Jungen sind (laut Forschung) den Mädchen sogar eher intime und intensive Beziehungen innerhalb eines Gruppengefüges wichtig. Das ist doch traurig, wenn alle Wünsche und Planungen unerwartet unerfüllt bleiben müssen. Das muss doch nicht sein. Kann man da nichts sagen?

So sitze ich also einen langen Nachmittag mit meinem Unglückshäufchen da und versuche sie nach anderen Freunden aus der Kita zu befragen. Bestimmt sogar gibt es noch eine andere Freundin oder einen anderen Freund mit dem man viel Spaß haben kann. Am späten Abend dann die Einsicht: „Na gut, Mami. Dann lade ich zwei andere Freunde ein.“ Also basteln wir neue Einladungen. Obwohl die Enttäuschung und Trauer fast greifbar und noch allgegenwärtig ist, freut sie sich am nächsten Morgen auf die Übergabe.

Kind 1: „Au ja.“ Große Freude. Check.

Kind 2: „Nö. Ich will nicht zu Deinem Geburtstag.“

Mein Mädchen schaut mich hilfesuchend an. „Aber es wird ganz schön und es gibt Kuchen und eine Schatzsuche.“ meint sie.

Kind 2: „Ich will aber nicht.“

Ich beobachte die Szene von der Tür aus, hätte gern eine saftige Tomate, die ich aus Versehen werfen möchte und kann mich gerade noch hinhocken bevor sie sich schluchzend in meine Arme wirft. Jaja, man muss lernen, mit Enttäuschungen umzugehen, aber so? Echt? Ich leide mit ihr. Zurückweisung tut weh.

Erst die doofe Mutter mit der Terminplanung und jetzt noch ein doofes Kind… Wie soll ich ihr da den Rücken stärken und Mut machen? So sitzen wir also engumschlungen auf der Minibank im Vorraum als mein großes Kind hinzu kommt und zum kleinen Elend meint:

„Du magst doch auch Mareike und spielst immer mit ihr. Die würde sich total freuen, zu Dir zu kommen.“

Mareike steht im Flur, lacht, mein heulendes Elend schaut auf, steigt von meinem Schoss und drückt sie…

(Darf ich sagen, dass ich mächtig stolz auf meine Große war, die vorher Mareike gefragt hat…)

In Vorbereitung einer Geburtstagsparty, Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


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