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Familie und Leben

Das Miteinander und die Macht in einer Freundschaft

Eine gute Freundschaft zeichnet sich auch durch eine eigene Sprache und eigene Zeichen aus (findet sich übrigens später in einer Paarbeziehung wieder, wo nur der Partner verschiedene abstruse Wörter kennt und die Zeichen deuten kann). So gehören neben einer Geheimsprache auch Berührungen für die Kinder dazu. Mädchen und Jungen haben unterschiedliche Signale von Zusammengehörigkeit. So sind bei Mädchen eher engere Körperkontakte (eng umschlungen auf dem Sofa sitzen und ein Bilderbuch betrachten oder sich an die Hand nehmen) üblich, bei Jungen kommt es dagegen zu eher zufälligen Körperkontakten, wie sich anrempeln, miteinander kämpfen und die Hände aneinander schlagen.

Schon bald gibt es nicht nur geheime Botschaften und Zeichen sondern auch äußerliche Signale der Zusammengehörigkeit – z.Bsp: die gleichen Fußballtrikots, Freundschaftsbänder, ähnliche Haarspangen, Basecaps etc. . Ganz wesentlich auch die vereinbarten Verhaltensweisen einzuhalten, egal wie unsinnig die einem als Eltern vorkommen. Das Kind kann denn eben nur noch über die Bordsteinkante springen, darf die Linien auf der Straße nicht mehr berühren oder tippt mit dem Finger an jeden Briefkasten in der Nähe. Es genügen oft winzige Hinweise, um einander auf die Gesetze aufmerksam zu machen, z.B. durch das Antippen eines Emblems wird dem anderen bedeutet, über das Vorgefallene Stillschweigen zu bewahren. Es geht niemanden etwas an, außer denen, die dasselbe Zeichen an sich tragen, z.B. einen bestimmten Anstecker.

Freundinnen prusten vor Lachen in einer Situation, in der niemand weiß, was die Heiterkeit auslöst. Es handelt sich dann oft um die Erinnerung an eine bestimmte Situation, die nur den Freundinnen bekannt ist. Ein stillschweigendes Einvernehmen zwischen Freunden benötigt oft keinerlei sichtbaren Ausdrucks. Jeder weiß, was der andere gut oder schlecht findet.

Freundschaft ist Macht

In Freundschaften spielt Macht leider immer eine Rolle. Es geht häufig um Machtausübung oder Machtverteilung. Nur wenn der andere das tut, was man von ihm verlangt, gilt die Freundschaft. Es kann sogar sein, dass sich Kinder die Freundschaft von anderen „erkaufen“, indem sie ihnen Geschenke machen. Aber auch solche Aussagen wie „Wenn du nicht mehr mit dem Thomas spielst, bin ich dein Freund“, gehören hierher wie „Jeder, der zu unserer Bande gehören will, muss zuerst eine Probe seines Könnens abgeben.“

Wichtig: In einer guten Freundschaft wird einmal der eine, ein andermal der andere Macht über den Freund/die Freundin ausüben. Nicht immer ist das für denjenigen, der sich der Macht des anderen unterwirft, gut, aber wenn es sich um eine ausgeglichene Machtverteilung handelt, kann das für Freunde stimulierend und aufbauend wirken.

Echte Freundschaften sind an einer Gegenseitigkeit zu erkennen. Wer auch dann für den Freund einsteht, wenn es für ihn selbst von Nachteil ist, wird als richtiger Freund erkannt. Bei Kinderfreundschaften im Vorschulalter wird die Freundschaft oft aber zum Problem, wenn man selbst Nachteile davon hat. Dies ist normal, weshalb Kinderfreundschaften besonders gefährdet und sensibel sind.


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