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Kolumnen

Das Mamimonster – oder Wut ist eben auch ein Gefühl

 

Eltern sind auch Menschen – schon klar. Menschen fühlen. Eltern fühlen. Aber dann gehört doch auch alles dazu, oder? Fast. Denn entgegen dem irrsinnigen Glücksgefühl, der Nähe und der gewünscht gigantischen Familien-Mega-Stimmung ist es mit der Wut und der Ohnmacht nicht so einfach. Wütend darf man scheinbar als Vater und Mutter nicht sein. Es sollte einem nicht der Kragen platzen, es darf einem nichts über die Hutschnur gehen. Die Sicherung hat gefälligst nicht durchzubrennen…

Und obwohl wir als gutes Vorbild nicht ausrasten und aus der Haut fahren wollen, haben die kleinen sensiblen Nerven irgendwann ihren Zenit erreicht. Da ist die Tagesplanung hinüber, die Kinder streiten sich, der Hausschlüssel ist verschwunden, in der Küche fällt Geschirr auf den Boden, das Telefon klingelt, man hat vergessen, diese eine immens wichtige Zutat fürs Essen zu kaufen, es ist laut, es ist Chaos, vielleicht hat sich noch Besuch angekündigt und man selbst sollte wie Buddha die Tür öffnen, ein Lächeln auf den Lippen und der eigenen sanften Stimme lauschen? Wohl kaum.

Deshalb soll es einfach mal gesagt werden: Eltern dürfen auch schlechte Laune haben. Es darf ihnen auch mal zu viel sein. Sie müssen nicht immer heldenhaft in der ersten Reihe stehen im steten Bemühen, alle glücklich zu machen und zu vermitteln. Manchmal gibt es eben das Gefühl, sich jetzt rausnehmen zu wollen.

Eine einsame Hütte inmitten von friedlich, weißem Schnee. Stille. Das Knistern des Kamins. Das Gefühl von warmem Holz unter den nackten Füßen… was für eine schöne Vorstellung. Für alle Millionäre würde dann der Heli landen, die Kinderfrauen herbeieilen und man entschwindet für einen Tag und eine Nacht, um mit seligem Lächeln wiederzukommen. Für alle nicht Millionäre hilft aber vielleicht einfach das Zimmer zu verlassen, bevor man platzt. Ein wenig Distanz und wenn es nur ein kleiner Ausflug in den Keller oder zum Müllraum ist. Auch ein wenig frische Luft kann Wunder bewirken. Im Kleinen das Fenster öffnen, kurz Sauerstoff tanken. Im Großen frecherweise Schuhe anziehen, Jacke an und eine Runde um den Block drehen.

Auch der liebe weihnachtliche Besuch kann einen ganz schön zur Verzweiflung treiben – die Geschenke sind nicht die richtigen, das Essen nicht passend, die Kinder freuen sich nicht genügend oder man selbst wird gefragt: „Warum bist Du denn so unruhig? Entspann Dich doch mal.“ Da ist der Wunsch gar nicht so weit entfernt, die potthässliche Blumenvase von Tante Erna mal kurz durchs Wohnzimmer zu werfen. Aber nein. Das wäre nicht gut. Stattdessen lieber kurz ins Schlafzimmer verschwinden und die Kissen an die Wand werfen. Das ist befreiend und man spart sich die Scherben, die man auch nur aufsammeln müsste.

Ergo: Wut ist auch nur ein Gefühl. Es gehört dazu. Eine heftige Reaktion auf eine heftige Situation, die als unangenehme empfunden wird und die sich gern mit einer Portion Ärger und etwas Zorn paart und irgendwann ausbricht. Warum das oft in den Feiertagen passiert? Nun ja, weil es einfach viel ist, zu viel…

Da ist es gut zu wissen, dass es menschlich und normal ist, ein Papi- Mamimonster eben, dem ein wenig Auslauf, frische Luft und Abstand gut tut.

Im steten Bemühen,

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


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