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Kolumnen

Das Leben und seine Märkte oder warum die schönen Dinge immer Geld kosten

 

Eines Tages beschloss das Leben, eine Umfrage zu machen. Es wollte von allen nur eine Frage beantwortet haben: „Was ist das Leben?“

Die Kuh antwortete: „Das Leben ist grün.“

Die Eule antwortete: „Das Leben ist Nacht.“

Die Lerche antwortete: „Das Leben ist ein blauer Himmel.“

Der Schmetterling antwortete: „Das Leben ist Veränderung.“

Die Sonne antwortete: „Das Leben ist Energie.“

Das Wasser antwortete: „Das Leben ist Fließen.“

Die Steine antworteten: „Das Leben ist fest und beharrlich.“

Der Friedhofswächter antwortete: „Das Leben ist der Anfang vom Ende.“

Und so ging es immer weiter und das Leben sammelte unzählige Antworten, von denen keine der anderen glich.

Am Ende kamen alle Befragten zusammen und stellten nun dem Leben die Frage: „Was bist du nun?“

Da antwortete das Leben: „All das zusammen und noch viel mehr.“*

Tania Konnerth aus ihrem Buch: „Aus der Schatzkiste des Lebens


Daran muss ich denken, jetzt wo das Einschulungsthema uns langsam einholt und wir schon einmal mitfeiern durften. Die Kinder haben sich gefreut, die Eltern waren wehmütig, die Großeltern abwartend und der Wettergott wenig gnädig. Aber egal, an einem großen Tag sollte das Wetter nicht ausschlaggebend sein. Ein Hoch auf das Leben! Auf das Geboren werden, Wachsen, Lernen….ein Kreislauf aus Entstehung und Vergänglichkeit. Nein, keine Sorge. Ich will nicht philosophisch werden, aber es gibt eben so ein paar feste Konstanten im Leben, denen man tief berührt entgegengeht, die das Leben ausmachen, die uns zeigen, wo wir gerade stehen.

Da spielt man bereits im Kindergarten Mama-Papa-Kind, hat die Lieblingspuppe zum Baby auserkoren und windelt, füttert und wiegt. Oder man steht (zumindest als kleines weibliches Wesen) seelig vor dem großen Spiegel, ein Tuch um den Kopf gebunden (ich persönlich durfte mir die alte Gardine, die die Starre von den Kirschen abhalten sollte, einverleiben) und träumt vom Prinzen, der einen zum Altar geleitet. Alles ein großes Strahlen, Glitzern und Funkeln, was sich dann zumeist in der Realität etwas verliert. Und seitdem das kleine Menschenkind auf der Welt ist, betrachte ich eben auch mit anderen Augen die sechs- und siebenjährigen Rüschenblusen- und Hemdenträger, die mit stolzgeschwellter Brust und bunter Zuckertüte durch die Straßen ziehen.

Die Feste gehen mit der Zeit. Oder geht die Zeit mit den Festen?

Und wie in einem goldbesetzten Märchenbuch wünscht man es sich einfach schön, zauberhaft, möglichst ohne Fehler und Tadel, ohne böse Stiefmutter, mit netter Hebamme, dem richtigen Prinzen mit allem Pipapo und einem Zuckertütenbaum, so wie er einst auf dem eigenen Schulhof stand. Schade nur, dass die großen Ereignisse des Lebens immer gleich Markt und nicht nur Gefühl sind. Damit ist Geld zu verdienen. Ja, klar, aber muss es denn immer gleich so überdimensioniert sein? Was einem alles so vorgespielt wird, in der absoluten Notwendigkeit und Dringlichkeit – immer mit einem tiefen Griff ins Portemonnaie verbunden. Egal ob Babyausstattungen, Kinderwagen, Sterilisator, Hochzeitstorten, schlechtes Essen zu überwucherten Preisen oder eben Schulranzen. Was jeder haben will und braucht, muss scheinbar teuer sein. Der Markt ist da. Die Nachfrage bestimmt den Preis – leider immer, wenn es um die großen Anlässe des Lebens geht und so höre ich selbstreflektiert den Großvater an der Einschulungstafel reden, der meint. „Jaja, Geburt, Einschulung, Hochzeit und Tod – davon leben ja auch alle. Da müssen alle durch, deshalb ist‘s so teuer…“

Mmmhh, denke ich – beim Tod wird er recht haben, aber bei dem anderen Klimsbims gibt‘s bestimmt eine Lücke im System – einfach nur unterm Apfelbaum tanzen, Laternen in die Zweige hängen, Kuchen selber backen, Musik mitbringen… Jetzt brauch ich nur noch eine Wiese mit besagtem Apfelbaum, ach ja, ein Wasseranschluss wäre nett und eine Toilette auch…

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz


 


Aus der Schatzkiste des Lebens

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