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Kolumnen

Das Leben ist Scheitern – Achtung: es wird philosophisch

Das Leben ist Scheitern – Achtung: es wird philosophisch

Ich bin seit Jahresbeginn schrecklich müde und fühle mich als ob das neue Jahr bereits viele schwere Tage zählt, was mich ein wenig durchlässig werden lässt – für unangenehme Kollegen, lärmende Kinder, sinnfreie Beschäftigungen oder philosophische Radiobeiträge, die sich zwischen Schnee, Matsch und schlechter Sicht den Weg bis ins Gehirn bahnen.

Vom Scheitern ist die Rede. Davon, wie tief man fallen kann und vom Scheitern im Kleinen, aber auch wie man sich wappnen sollte. Erst rieselt das Gespräch an mir vorbei, dann nehme ich war und bin irritiert. Ich soll mich gegen das Scheitern wappnen? So wie in der Wortbedeutung des Scheiterns einst auch das Zerschellen des Schiffes gemeint war, so wie das Scheitern auch die Verzweiflung eines Künstlers ausdrückt, der trotz allem Bemühen nicht gottgleich etwas Lebendiges schaffen kann, so wie Misserfolg und Versagen? Scheitere ich erst, wenn ich etwas so richtig, richtig vergeigt habe oder auch schon, wenn es nicht gelungen ist, wenn ich nicht so erfolgreich war?

Nehmen wir mal Letzteres an, dann ist mein ganzer Tag ein einziges Scheitern, gegen das ich mich rüsten müsste. Denn in der Tat misslingt mir viel – angefangen von meinem guten Vorsatz, zeitiger das Bett zu verlassen, um früh nicht so hetzen zu müssen. Weiter zu der Idee, meine Klamotten bereits am Abend ins Bad zu legen, damit ich nicht immer schlaftrunken und unschlüssig wild wühlend vor dem Schrank stehe. Auch die Idee, die Schlüssel bereits an der Tür zu deponieren, ist gut, aber oft warten sie eben doch in irgend einer Jackentasche, was wildes Suchen nach sich zieht. Ich nehme mir immer wieder vor, zeitig genug zur Tankstelle zu fahren, um mir die bangen Minuten und das Hineinrollen mit letzter Kraft in die rettende Tankstelle zu ersparen, aber die Realität sieht oft anders aus. Und von solch holden Absichten wie gesunde Ernährung, weniger Schokolade, mehr Sport oder kein Penny Dreadful mehr, will ich gar nicht erst reden. Betrachte ich abends meinen Tag, ist selten das geschafft, was ich mir vorgenommen habe.

Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Also gibt es einen neuen Versuch, morgen, übermorgen, überübermorgen… bis dato bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich mich dagegen rüsten müsste. Manches ist sicher zu verhindern, aber zu welchem Preis? Und, ist es mir wirklich wichtig?

Wichtig waren und sind mir eher die Dinge, gegen die ich mich nicht wappnen kann – leider. Wie will man sich gegen seine Familie mit all ihren Angehörigen rüsten? Oder wie kann man sich auf die Liebe vorbereiten? Gegen diese Aufwallung, die alle Vernunft zum Erliegen bringt und das Gefühl der Leere und des Kummers, wenn es nicht funktioniert hat? Wie sollte man sich wappnen gegen den Verlust von Menschen, die unwiederbringlich von einem gehen oder was tun, wenn der schöne Wunsch nach Gesundheit nicht der Realität entspricht?

Dafür gibt es keine Vorbereitung. Man muss einfach hindurch, es durchleben – egal wie schmerzhaft, traurig, verzweifelt, wütend man auch ist. Man muss es fühlen, weil es eben dazu gehört. Das ist zwar kein Trost, aber das Leben, was eben auch aus Scheitern besteht – immer und immer wieder.

Obwohl… mir gefällt der Gedanke, den ich irgendwie gelesen habe: Wir scheitern nicht. Wir wachsen nur…

In diesem Sinne, Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

… wir scheitern nicht, wir lernen nur.


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