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Das Konzept der Ganztagsangebote in Sachsen

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Kein Zweifel – die Familie steht bei allen wichtigen Erziehungsfragen nach wie vor im Mittelpunkt. Aber für die Erziehung zu Disziplin, Ein- und Unterordnung und damit nicht zuletzt zur Demokratie als Lebensform ist eine Ganztagsbetreuung unverzichtbar.

Dieser Satz stammt doch wirklich von einer offiziellen Broschur, die jetzt das Land Sachsen herausgegeben hat. Ganztagsangebote sollen verstärkt Schule machen. Dafür hat die Servicestelle für Ganztagsangebote vor kurzem eine Darstellung heraus gebracht, die die Idee und das Konzept aufzeigt… sozusagen Ideen für mehr! Ganztägig lernen. Aber was bitte soll dieser einleitende Satz, der einen an Ordnung, Disziplin und Gehorsam im historischen Gewand erinnert? Wir stellen das Konzept weiter vor und fragen: was hat „die Erziehung zu Disziplin, Ein- und Unterordnung“ mit einem modernen, toleranten Wachsen, Gedeihen und Entwickeln der Kinder zu tun?

Was haben Ganztagsangebote denn mit Schulentwicklung zu tun?

Im Handbuch für Schulentwicklung in Sachsen heißt es: „Ganz allgemein betrachtet bezieht sich Schulentwicklung auf alle Schularten und zielt auf die Verbesserung der Wirksamkeit und Qualität von Schule.“ Erweitern wir die Perspektive, befinden wir uns im Spannungsfeld von Personal-, Organisations- und Unterrichtsentwicklung, wobei der Unterricht den Kernbereich schulischer Entwicklung darstellt. Der wiederum ist ohne Personal- und Organisationsentwicklung nicht denkbar. (vgl. Handbuch für Schulentwicklung in Sachsen)

Auch das „Leistungsdifferenzierte Fördern und Fordern“ – der wichtigste Arbeitsbereich der Förderrichtlinie – stellt eine neue Herausforderung für die Gestaltung des schulischen Alltags und des Unterrichts dar. Im Alltag wird das Wort Projekt immer häufiger verwendet, bereits bei der kleinsten Tätigkeit heißt es: „Wir führen ein Projekt durch.“ In vielen Fällen vermuten die Beteiligten ganz verschiedene Sachverhalte dahinter. Im Sinne der Förderrichtlinie sollen unterrichtsbezogene Projekte mit Hilfe der Projektmethode durchgeführt werden. Auch dies führt zu Veränderungen im Unterricht, da in diesem Zusammenhang andere Methoden und Sozialformen zur Anwendung kommen.

Ganztagsangebote als Merkmal von Schulqualität

Seit 2005 fördert der Freistaat Sachsen allgemeinbildende Schulen bei der Gestaltung von Ganztagsangeboten. Seither hat sich an den sächsischen allgemeinbildenden Schulen ein positives Grundverständnis zu ganztägiger Bildung und Erziehung herausgebildet. Ganztagsangebote sind zu einem Merkmal von Schulqualität geworden, welches Schulen Raum bietet, ihr eigenes Profil herauszubilden bzw. weiterzuentwickeln und damit ihre Attraktivität zu erhöhen.

Nachdem Ganztagsangebote in Sachsen in den vergangenen Jahren nahezu flächendeckend ausgebaut worden sind, ist nunmehr die qualitative Weiterentwicklung vornehmliches Ziel bei der Gestaltung von Ganztagsangeboten an den Schulen.

Welche Rolle spielen die Horte für die Ganztagsangebote?

Im Interview vom 20.12.2015 antworte Kultusministerin Brunhild Kurth, dass Grundschule und Hort gemeinsam die pädagogische Verantwortung für die ihnen anvertrauten Kinder übernehmen würden.

So wie im Hort konkrete Alltagserfahrungen zum Ausgangspunkt für Bildungsprozesse werden, knüpft der Unterricht in der Grundschule an die Erfahrungswelt der Kinder an. Das gemeinsame Bildungsverständnis ist die Grundlage für die Zusammenarbeit.
Ziel unserer GTA-Förderung ist es, diese Zusammenarbeit weiter zu verbessern. Daher verlangt die GTA-Verordnung eine Versicherung des Antragstellers, dass eine Kooperationsvereinbarung zwischen Grundschule und Hort vorliegt. Die Ganztagskonzeption von Schule und Hort wird gemeinsam entwickelt und regelmäßig miteinander abgestimmt. Dadurch erzeugen wir Synergien statt Konkurrenz.

Unterstützung vom Land

Im Interview erzählte Brunhild Kurth:

Mit einem vereinfachten Förderverfahren seit 2013/14 und finanziellen Nachbesserungen haben wir die Weichen für den qualitativen Ausbau gestellt. Wir haben den Schulen mehr Eigenverantwortung übertragen, bürokratische Hürden abgebaut und so Zeit für noch mehr Qualität geschaffen. Im aktuellen Doppelhaushalt stehen wieder insgesamt 22,4 Millionen Euro pro Jahr für Schulen zur Verfügung, damit sie ihre Ganztagsangebote umsetzen können.

Die konstante verlässliche Förderung werden wir auch in Zukunft beibehalten. Zudem haben wir ein Beratungs- und Unterstützungssystem in der Schulaufsicht etabliert. Den Schulen stehen jederzeit Ansprechpartner sowohl für die finanzielle als auch für die inhaltliche Umsetzung ihrer Ganztagsangebote zur Verfügung.

Beispiel aus der Praxis

In der Praxis kommen verschiedene Rhythmisierungsmodelle zur Anwendung, wobei die meisten additive Modelle sind, d. h. Unterricht, danach Hausaufgabenbetreuung, Förder-, Forderunterricht und Arbeitsgemeinschaften. Aber auch der Unterrichtsalltag ist in den Schulen ganz verschieden strukturiert. Dies ist natürlich von Räumlichkeiten, z. B. im Falle der Nutzung einer Sporthalle durch verschiedene Schulen, oder auch von Schulbussen abhängig.

Modell mit ausschließlich Blockunterricht (unabhängig von der Schulart)

07:30 Uhr – 09:00 Uhr
1. Unterrichtsblock
09:00 Uhr – 09:20 Uhr
Frühstückspause
09:20 Uhr – 10:50 Uhr
2. Unterrichtsblock
10:50 Uhr – 11:15 Uhr
Hofpause
11:15 Uhr – 12:45 Uhr
3. Unterrichtsblock
12:45 Uhr – 13:45 Uhr
Mittagspause mit Entspannungsangeboten
13:45 Uhr – 15:15 Uhr
4. Unterrichtsblock | Hausaufgabenbetreuung | Förder- oder Forderunterricht
15:15 Uhr – 15:30 Uhr
Erholung – evtl. mit Hof
15:30 Uhr – 17:00 Uhr
Hausaufgabenbetreuung | Förder- oder Forderunterricht | AG

Mehr zum Thema Ganztagsangebote und Ganztagsschulen in Sachsen gibt es hier als PDF zum Nachlesen: „Ganztagsangebote in Sachsen – Von der Idee zum Konzept – Eine Praxisbroschüre

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