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Kolumnen

Das große WIR im Miteinander

… im Gewoge der Zeit. Auch und gerade, wenn die Zeit voll mit Horrormeldungen, politischen Verfehlungen, Umweltkatastrophen, Terroranschlägen, unnötigen Kriegen, einer anhaltenden Flüchtlingskrise und den banalen Krank- Ungesund und Unfallnachrichten ist. Die Welt ist gerade kein sicherer, ruhiger, beschaulicher Ort, der wie ein bunter Blumenteppich den Kindern ausgebreitet werden kann.

Kein Wunder, dass auch vor ihnen die Unsicherheit und Angst nicht Halt macht, die als Diskussionsfetzen an ihr Ohr dringen, die in der Straßenbahn mitfahren und in Form von Perspektiv-und Obdachlosigkeit am Hauptbahnhof wohnen. Wir leben irgendwie in einer Verwirbelung – vielleicht nicht gleich als Hurrikan, aber es stürmt – an allen Ecken. Alles wird durchgerüttelt. Ein Smoothie, bei dem manche Früchte eben auf der Strecke bleiben. Und nicht immer kommt Genießbares, was dem Menschen gut tut, heraus. „Iiiihh, Matschepampe“ würde das Kind sagen. Ich nenne es mal Veränderung. Viel Bewegung. Nicht unbedingt in die richtige Richtung.

Was bleibt?

Was hat noch Bestand?

Alles, worauf man dachte, sich verlassen zu können, entschwindet in einer Ansammlung der Abendnachrichten… Umso wichtiger das Füreinander-da-sein. Miteinander sein, Zusammenschluss. So wie zu Urzeiten, wo es immer einen Evolutionsvorteil brachte, wenn man nicht allein auf lichtem Felde vor dem wilden Tier stand. Gemeinsam Überleben. Nun gut, ich will nicht übertreiben, aber da wo Singles gegen Eltern wettern und Alte im Angesicht von Dauerstudenten und dreifach Mini-Jobbern um ihre Rente fürchten, auch nicht so weit entfernt.

Das sollte nicht egal sein. Die Menschen sollten sich nicht egal sein.

Einfach mehr WIR statt Ellenbogen-, Einzelkämpfer-, ich-gegen-alle-Manier. Das würde ich gern meinen Kindern zeigen. Solidarität – auch wenn das Wort abgedroschen, mit vierzig Jahren DDR abgegriffen und historisch nicht mehr einwandfrei daher kommt – meint doch lediglich Zusammenhalt, Verbundenheit. Das Gefühl, nicht allein auf weiter Flur zu sein. Das vermitteln wir dem Menschkind mit jedem tröstenden Wort, mit jeder Umarmung. Wir wollen, dass es ihm gut geht, ihm eine Freude machen.

Wenn es im Kleinen gelingt, warum ist es dann im Großen und Ganzen so schwierig? Zu viele Vorurteile, zu viel Neid, zu viele schlechte Erfahrungen, zu viel Skepsis? Dabei belohnt uns unser Gehirn mit Freude, wenn wir Gutes tun. Wir existieren nur im miteinander, im Zusammenleben. Ein wenig Helfen, Nachfragen, sich Interessieren ist wie der Tortenguss hoch oben auf dem Kuchen, der das Obst zusammenhält – egal ob Pfirsich, Ananas oder Erdbeere.

Wie schön, wenn man merkt, dass man dem anderen nicht egal ist, dass sich jemand sorgt, Gedanken macht, mitfühlt…. aber eher die Ausnahme als der Standard außerhalb der kleinen, engen Zu-Hause-Zelle, die aus meinen Liebsten besteht. Ich ertappe mich dabei, überrascht zu sein. Dabei kann so ein WIR ja viel mehr sein. Das große WIR im Miteinander…

… dass meines Erachtens viel wichtiger für uns ist als das neue Handy, die schöne Frisur, Musikschule, Fremdsprachen oder was auch immer.

In diesem Sinne, auf die Wiederentdeckung der Solidarität.

Ihre/Eure Sabine Henriette Schwarz

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