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Das Bedauern der Mütter, die lieber doch keine geworden wären…

Das Bedauern der Mütter, die lieber doch keine geworden wären…

Try and Error. Das Leben ist eine ständige Suche, ein Ausprobieren und Korrigieren. Vom falschen Partner kann man sich trennen, Studium und Beruf kann man wechseln. Wenn einem die alten Freunde nicht gut tun, darf man sich andere suchen. Die nervigen Nachbarn kann man mit einem Umzug hinter sich lassen. Aber die Entscheidung für ein Kind ist etwas ganz Anderes. Es ist da. Eine Korrektur ausgeschlossen.

Diesem Thema nahm sich die israelischen Soziologin Orna Donath an und veröffentlichte vor gut einem Jahr die Studie „Regretting Motherhood„. Ein Tabubruch, denn hier berichten 24 Frauen darüber, dass sie ihre Mutterschaft dauerhaft bereuen und sie gerne rückgängig machen würden, wenn es denn ginge. Sie sagen: „Die Mutterschaft hat meinem Leben nichts hinzugefügt, außer Schwierigkeiten und Sorgen.“ D.h. wenn sie sich noch einmal entscheiden könnten, würden sie keine Kinder mehr bekommen. Dabei haben die meisten Frauen, die so sprechen, ihren Nachwuchs ganz bewusst zur Welt gebracht und, nach eigenen Aussagen, lieben sie ihre Kinder über alles.  Dennoch ist das Muttersein für sie, wie in der Gesellschaft, in der Familie und mit Freunden oft prognostiziert, nicht das große Glück. Und dabei geht es sowohl um fehlende Zeit, schlechte Kinderbetreuung, wenig Geld und unsensible Arbeitgeber, aber auch um das eigene Gefühl.

Dem ging auch die deutsche Soziologin Christina Mundlos in ihrem Buch: „Wenn Mutter sein nicht glücklich macht: Das Phänomen Regretting Motherhood“ nach und meint: „Es gibt zwei Arten von bereuenden Müttern.“ Die erste Gruppe besteht demnach aus Frauen, „die sehr unzufrieden mit ihren Bedingungen sind und deshalb sagen: „Unter diesen Umständen wäre ich lieber nicht Mutter.'“ Die zweite Gruppe ist sich jedoch sicher, dass Mutterschaft ganz unabhängig von den Bedingungen nichts für sie wäre. Gerade diese Gruppe, die sich trotz scheinbar optimaler Bedingungen wie Geld, engagiertem Partner, ausgewogenem Lebensumfeld, mit Kindern unzufrieden und unglücklich fühlen, sind schwerer zu verstehe. Und oft kommen sie beim Vergleich mit Alleinerziehenden, die mit wenig Geld in der Tasche und mindestens genauso wenig Zeit auf der Uhr, dem Mutteranspruch gerecht werden wollen, schlecht weg. Dennoch: das Gefühl bleibt und ist auch nicht wegzudiskutieren, nur weil es schlecht nachvollziehbar oder unerwünscht ist.

Es geht dabei um eine ambivalente Haltung zum eigenen Kind, um den Gedanken: „wenn ich es mir noch einmal aussuchen könnte, dann…“. Wichtig für Mundlos und Donath, es geht auf keinen Fall um einen Mangel an Liebe. „Keine der Frauen wolle ihre Kinder verstoßen oder behandle sie schlecht.“ Nach Christina Mundlos leiden all diese Mütter vielmehr unter dem sogenannten „Muttermythos“. „Die Mutterschaft ist für Frauen auch heute noch ein Muss. Dass sie zu einem Frauenleben dazugehört, wird wenig hinterfragt, und dann wird auch noch erwartet, dass Kinder glücklich zumachen.“ Aber so wie das Leben viele Optionen bietet, solle auch die Entscheidung für ein Kind eine ganz persönliche sein – ohne Druck von außen, ohne gesellschaftlich Zwänge, ohne das Signet der Unvollkommenheit, wenn man keine Kinder hat.

Das Gefühl der Unzufriedenheit sollte nicht weiter als Tabu behandelt werden – trotzdem oder gerade deshalb hat Donath jetzt mit „Regretting Motherhood – Wenn Mütter bereuen“ – nachgelegt und beleuchtet auf über 270 Seiten jeden Aspekt der Mutterschaft.

Wir werden berichten…

Wenn Mutter sein nicht glücklich macht: Das Phänomen Regretting Motherhood

Regretting Motherhood: Wenn Mütter bereuen

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